DETTELBACH

B 22-Baustelle: Ost-West-Verbindung auf neuen Füßen

Am Ende war die Mängelliste fast so lang wie die B 22 zwischen Dettelbach und dem Mainfrankenpark. Ein Stück Bundesstraße als altersschwacher Rentner. Höchste Zeit, dass etwas passierte. Aber was für Auswirkungen hat die Baustelle?
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Einmal alles neu: Aus der altersschwachen B 22 zwischen Dettelbach und dem Mainfrankenpark wird ein neues Prunkstück, das künftig acht statt sechs Meter breit sein wird. Hier der Blick in Fahrtrichtung Dettelbach. Foto: Foto: Frank Weichhan

Am Ende war die Mängelliste fast so lang wie die B 22 zwischen Dettelbach und dem Mainfrankenpark. Ein Stück Bundesstraße als altersschwacher Rentner. Höchste Zeit, dass etwas passierte. Dabei ging es nicht nur um neue Fahrbahndecken, sondern um eine Menge mehr.

Beispielsweise um eine Verbreiterung von sechs auf acht Meter. Beim Bau der Straße Mitte der 50er Jahre – Käfer galten damals als große Autos – reichten eben sechs Meter. Heute sieht die Sache bekanntlich völlig anders aus. Der Standard liegt längst bei acht Metern.

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Neben der Enge gab es ein weiteres Problem, das vor allem der Polizei die Sorgenfalten ins Gesicht trieb: Das Teilstück der B 22 rangierte in der Liste der Unfallschwerpunkte weit vorne. Eine nicht unproblematische Strecke, auf der es regelmäßig krachte. Ein Grund: Viele Wirtschaftswege, die unvermittelt und gerne an unübersichtlichen Stellen auf die Bundesstraße führten.

„Die Sanierung kostet insgesamt rund sechs Millionen Euro.“
Jan Voll, Staatliches Bauamt Würzburg

Das Thema hat sich künftig erledigt: Statt insgesamt beiderseits rund 20 dieser Zufahrten gibt es bald nur noch sechs. Erreicht wird dies durch neu angelegte und bis zu drei Meter breite Feldwege entlang der neuen Bundesstraße. Diese führen künftig zu vier Sammel-Zufahrten – wieder ein Problem gelöst.

Dass aus dem Sanierungsfall B 22 wieder eine schicke und zeitgemäße Bundesstraße wird, auf der täglich um die 9500 Autos unterwegs sind – daran arbeitet derzeit Jan Voll. Der Abteilungsleiter am Staatlichen Bauamt Würzburg zeichnet für das Projekt verantwortlich, das „insgesamt rund sechs Millionen Euro“ verschlingen wird.

Nachdem bereits vergangenes Jahr das 2,1 Kilometer lange Stück vom Mainfrankenpark zur Abzweigung Bibergau für 800 000 Euro auf den modernsten Stand gebracht wurde, ist in diesem Jahr – Startschuss war am 23. März – der Rest bis nach Dettelbach dran, um die wichtigste Ost-West-Verbindung im Kitzinger Land auf neue Füße zu stellen.

Der Rest bedeutet: In einem ersten Bauabschnitt werden 2,5 Kilometer für 2,7 Millionen Euro erneuert. Wobei der alte Straßenverlauf als Grundstock erhalten bleibt. Erst wird der Unterbau verfestigt, dann asphaltiert und zwei Meter angebaut.

In einem zweiten Abschnitt werden dann noch einmal rund 2,5 Millionen Euro investiert. Neben weiteren Verbreiterungen steht vor allem die Optimierung der Anbindung der Würzburger Straße in Dettelbach im Mittelpunkt. Weiterhin werden im Ortsbereich von Dettelbach zwei Brücken saniert.

Dazwischen liegt eine eher unfreiwillige Bewährungsprobe für die „neue“ Bundesstraße: Am 4. und 5. Juli wird die A 3 an der Anschlussstelle Kitzingen-Schwarzach wegen Brückenarbeiten gesperrt – dann muss der gesamte Verkehr zwei Tage über die B 22 geleitet werden.

Die ungewöhnliche Bauunterbrechung sorgt für einen entsprechend engen Zeitplan, es darf schlichtweg nichts dazwischen kommen. Wobei das nicht die einzige Front ist, die den Bundesstraßen-Experten beschäftigt. Da gibt es beispielsweise viele Vorurteile, die Baustelle wird nicht selten von der Bevölkerung kritisch beäugt. Etwa, dass an der B-22-Baustelle recht wenig passiert und mitunter nicht viel zu sehen ist.

Das Problem ist: Es sieht tatsächlich nicht immer nach Hochbetrieb aus. Doch das täuscht. Zum Vergleich bemüht Voll die 60er Jahre. Damals waren an einer Brücke locker 60 Arbeiter zugange. Heute reicht für die gleichen Tätigkeiten teilweise nur ein gutes Dutzend Mitarbeiter, weil längst die Technik den Großteil der Arbeiten übernimmt.

Zumal auch schon jede Menge Arbeiten erledigt sind, ehe überhaupt der erste Bagger rollt: Der Naturschutz will dabei ebenso berücksichtigt werden wie beispielsweise die Archäologen, die erst kürzlich fündig wurden und ein jungsteinzeitliches Grab entdeckten.

Dass Kitzingens wichtigste Ost-West-Verbindung nach dem 5. Juli gleich wieder schließt und dann der letzte Bauabschnitt noch einmal bis November dauern wird, ist für viele Pendler alles andere als schön. Andererseits: Die Autofahrer haben sich der Situation gestellt und ihre Wege relativ stressfrei gefunden, wie unsere auf zwei Seiten zusammengefassten Beobachtungen vor Ort zeigen.

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