Kitzingen

Autoschrauber zahlt Lehrgeld

Aus dem Gericht: Nummernschild an falsches Auto montiert – 19-Jähriger muss 1400 Euro wegen Urkundenfälschung zahlen
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Urkundenfälschung kann teuer werden - das musste jetzt ein 19-Jähriger am Amtsgericht in Kitzingen erfahren. Foto: Patty Varasano

Ein Ausweis ist eine Urkunde, illegale Veränderungen eine Urkundenfälschung. Das ist Allgemeinwissen. Dass ein Auto und das dazu gehörende Kennzeichen zusammen auch eine  Urkunde ist, die man nicht verändern darf, hat jetzt ein 19-Jähriger vor dem Jugendgericht gelernt. Und er hat  Lehrgeld gezahlt. 1600 Euro (40 Tagessätze zu 40 Euro).

Der junge Mann schraubt gerne an Autos herum. Im Dezember 2018 hatte er zwei Opel Astra in Arbeit. Beide waren nicht fahrbereit. Einer stand in der Garage, war zugelassen, hatte ein Kennzeichen und sollte wieder aufgemöbelt werden. Ein zweiter stand auf dem Parkplatz vor dem Haus. Der war zum Ausschlachten der Teile gedacht, mit denen der "Garagenwagen" wieder zum Laufen gebracht werden sollte.

"Keine so gute Idee"

Weil das "Ersatzteillager" aber ohne Kennzeichen war und damit nicht im öffentlichen Raum abgestellt werden durfte, kam der Schrauber auf "keine so gute Idee". Der Mann montierte das Kennzeichen des Garagenopels auf den Parkplatzopel. Damit hätte der dort stehen bleiben können, ohne Ärger zu bekommen, so die Idee.

Das ging nicht lange gut. Die Geschichte flog auf. Der "gut gelaunte gute Junge", wie er sich im Gericht bezeichnete, hatte ein Verfahren wegen Urkundenfälschung am Hals. Bei der Verhandlung vor dem Jugendrichter sah er seinen Fehler ein, legt ein umfassenden Geständnis ab: "Das habe ich ganz schlecht gemacht", sagte er und versprach: "Es passiert nie mehr." An der Verurteilung kam er dennoch nicht vorbei, vor allem, weil zwei Einträge im Bundeszentralregister einer nochmaligen  Einstellung des Verfahrens im Weg standen.

Das Leben im Griff

Als geklärt war, dass der 19-Jährige als Heranwachsender sein Leben selbst in der Hand hat und nach dem Erwachsenenstrafrecht zu behandeln ist, plädierte der Staatsanwalt auf 50 Tagessätze zu 40 Euro. Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren sieht das Gesetz für Urkundenfälschungen vor. Jugendrichter Wolfang Hülle hielt  40 Tagesssätze für angemessen und ausreichend. Deren Höhe errechnet sich aus dem Nettoeinkommen. Damit kommt auf den Schrauber eine Rechnung in Höhe von 1600 Euro zu. Ratenzahlungen sind möglich. Das akzeptierten am Ende der junge Mann und der Staatsanwalt. Die Sache ist damit vom Tisch.

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