LANDKREIS KITZINGEN

Autobahnfahrt endet auf dem Dach

Freitagnachmittag auf der A 3. Dichter Verkehr, viel los. Ende April vergangenen Jahres war das nicht anders, als bei Kleinlangheim plötzlich ein Golffahrer in Schwierigkeiten gerät. Der Unfall scheint aus dem Nichts zu kommen: Das Auto schlittert über den Standstreifen, schleudert durch die Luft und bleibt schließlich im Graben auf dem Dach liegen.
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Symbolbild

Freitagnachmittag auf der A 3. Dichter Verkehr, viel los. Ende April vergangenen Jahres war das nicht anders, als bei Kleinlangheim plötzlich ein Golffahrer in Schwierigkeiten gerät. Der Unfall scheint aus dem Nichts zu kommen: Das Auto schlittert über den Standstreifen, schleudert durch die Luft und bleibt schließlich im Graben auf dem Dach liegen.

Die beiden Insassen des Unfallwagens kommen unverletzt davon, der Schaden liegt bei 3000 Euro. Die 18-jährige Beifahrerin, die gerade eine Ausbildung zur Altenpflegerin macht, bekam von dem Unfall gar nichts mit: Sie war gerade mit ihrem Handy beschäftigt. Die Erinnerung setzt erst wieder ein, „wie wir auf dem Dach gelegen haben“.

Der Fahrer ist gut zwei Jahre älter und ebenfalls Auszubildender. Immerhin kann er zur Aufklärung beitragen, wie es zu der Karambolage kam: Er war auf der rechten Spur unterwegs gewesen und hatte gerade den Blinker gesetzt, um zu überholen. Es schien alles frei zu sein, als aus dem toten Winkel ein Auto auf der Nebenspur auftauchte.

Es spricht vieles dafür, dass der junge Mann, der seit zwei Jahren den Führerschein hat, in dem Moment erschrak, das Steuer verriss und so zu dem Luftsprung ansetzte. Mit entwaffnender Ehrlichkeit gibt er jedenfalls vor dem Kitzinger Strafrichter Bernhard Böhm zu: „Ich war ein bisschen überfordert in der Situation.“

Aus dem Schneider

Damit ist ein Mann aus dem Schneider, der auf der Anklagebank Platz nehmen musste und sich mit zwei Vorwürfen konfrontiert sah: Der 39-jährige Diplom-Informatiker soll zum einen den Unfall verursacht haben und zum anderen, ohne sich zu kümmern, einfach abgehauen sein.

Auch ein damals weiter hinten fahrender Zeuge entlastet den Angeklagten: Der Golffahrer habe nach links ziehen wollen, obwohl neben ihm ein Auto unterwegs war. Der Golffahrer sei dann „ruckartig zurück“, habe das Steuer überrissen und den Abflug nach rechts in die Prärie gemacht.

Der Zeuge war es auch, der sofort auf den Standstreifen fuhr und anhielt, um zu helfen. Ob das auch der Angeklagte hätte machen können, ist mehr als zweifelhaft. Das Unfallgeschehen spielte sich hinter dem Informatiker ab – und es spricht alles dafür, dass er den auf dem Dach landenden Golf schlichtweg nicht wahrnehmen konnte.

Das Ergebnis: Die Anklage ist längst in sich zusammengefallen, das Verfahren wird eingestellt.

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