LANDKREIS KT

Auszeit zwischen wilden Tieren

Ein Ranger entdeckte verstoßene Löwenbabys. Tanja Schad zog sie mit der Flasche auf, mitten in der südafrikanischen Savanne. In Australien spielte sie mit Koala-Bären – „die haben einen strengen Geruch!“ –, vertrieb nachts gierige Dingos und tagsüber Schlangen. Im Outback verzehrte sie lebende Termiten – „die schmecken nach Minze“ –, in China probierte sie Katzenfleisch. Und in Bali wurde sie zur Millionärin. „Leider nur kurzzeitig.“
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Millionärin auf Zeit: Da 15000 Rupien etwa einem Euro entsprechen, war Tanja auf Bali kurzzeitig eine reiche junge Dame. Einige der Geldscheine aus aller Welt hat die Neuseserin mit nach Hause gebracht; sie erinnern zusammen mit anderen Mitbringseln an eine echte Abenteuerreise. Foto: Foto: Diana Fuchs
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Ein Ranger entdeckte verstoßene Löwenbabys. Tanja Schad zog sie mit der Flasche auf, mitten in der südafrikanischen Savanne. In Australien spielte sie mit Koala-Bären – „die haben einen strengen Geruch!“ –, vertrieb nachts gierige Dingos und tagsüber Schlangen. Im Outback verzehrte sie lebende Termiten – „die schmecken nach Minze“ –, in China probierte sie Katzenfleisch. Und in Bali wurde sie zur Millionärin. „Leider nur kurzzeitig.“

Tanja Schad aus dem Prichsenstädter Ortsteil Neuses am Sand hat im vergangenen halben Jahr mehr ausprobiert als andere im ganzen Leben. Voller Neugierde auf die Welt war sie im März zu einer Reise ins Ungewisse aufgebrochen. Nur eins war sicher: Rechtzeitig zu ihrem 22. Geburtstag im September wollte sie zurückkehren. Das hat gekappt.

Ihr ansteckendes, fröhliches Lachen hat sie sich bewahrt. Trotzdem hat die Reise durch Südafrika, Australien, Indonesien, die Philippinen, Singapur, Malaysia und China ihre Spuren hinterlassen und Tanja verändert.

Wie kommt man dazu, Eltern, Freunden und dem bekannten Leben einfach Adieu zu sagen? „Ich bin so, es hat immer in mir gekribbelt, einfach loszuziehen“, erklärt Tanja Schad. Nach dem Realschulabschluss und einer Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin absolvierte sie eine weitere Ausbildung, wurde Medienkauffrau für Digital und Print. Ihre Rastlosigkeit blieb. „Nach der Prüfung war klar: Ich muss erst mal weg.“

Die junge Frau bewarb sich bei einem Volontärprogramm – und los ging's. In einem ökologischen Reservat in Südafrika zog sie mit anderen jungen Leuten aus aller Welt in eine Hütte. „Wir hatten Hühner und einen Gemüsegarten und waren Selbstversorger.“ Strom und Wasser gab es nur gelegentlich. „Das war für uns aber kein Problem, denn die Menschen waren unglaublich nett und die Arbeit im Reservat vielseitig und interessant.“

„Ich mache mir nicht mehr so viele Sorgen wie früher.“
Tanja Schad, Abenteurerin

Zusammen mit Alex aus Berlin, einem anderen Volontär, machte sich die junge Unterfränkin schließlich auf Erkundungstour entlang der südafrikanischen Küste. „Alex war total unkompliziert. Mit ihm konnte ich als Mädchen es wagen, durch die Gegend zu reisen.“ Auf und abseits der „Garden Route“ machte Tanja viele schöne, aber auch krasse Erfahrungen: „Einmal habe ich erlebt, wie eine verletzte Frau, die auf dem Boden lag, einfach von allen ignoriert wurde; die Leute sind sogar über sie drübergestiegen.“

Mit einem Work-&-Travel-Visum und viel Abenteuerlust flog die Medienkauffrau nach einigen Wochen weiter – nach Australien. Dort wollte sie sich eigentlich Arbeit suchen, stellte aber rasch fest, dass Tausende anderer Backpacker (Rucksack-Touristen) dasselbe vorhatten. „Überall war es derart überlaufen, Wahnsinn!“ Über die Facebook-Gruppe „Work & Travel Australia“ kam sie zufällig in Kontakt mit einer jungen Frau, der es gerade ähnlich ging: Anja. „Und es ist unglaublich, aber wahr: Anja kommt wie ich aus dem Kreis Kitzingen!“ Die beiden beschlossen, sich die australische Westküste gemeinsam anzusehen.

Dafür kauften sie sich einen Landrover. Sechs Wochen waren sie mit ihm unterwegs, ehe sie ihn weiterverkauften. Er war ihr Wohn-, Schlaf- und Esszimmer. „Das hat einfach super harmoniert mit uns. Es war ein absolut cooler Trip entlang der Gibb River Road“, schwärmt Tanja heute. Gemeinsam meisterten die jungen Frauen auch schwierige Situationen wie einen Reifenplatzer mitten in der Wüste oder den Angriff von Krokodilen bei einer Flussüberquerung.

Nachdem Anja wieder nach Hause fliegen musste, zog es Tanja nach Indonesien, zunächst nach Bali. „Dort habe ich gelernt, wie man Preise verhandelt“, erzählt die Neuseserin grinsend. „Mich zockt heute keiner mehr ab.“ Wenig später erlebte sie aber, dass man sich vor bösen Menschen nie vollständig schützen kann. Nachdem sie in einem Hostel die Mannheimerin Eva kennen gelernt und mit ihr auf die Philippinen geflogen war, verschwand eines Abends die gesamte Kameraausrüstung bei einem Inselausflug.

Um Geld zu sparen, übernachteten Eva, Tanja und Florian aus Köln, den die Mädels zufällig kennen lernten, fortan zusammen in einem Einzelbett. Weil sie Land und Leute kennen lernen wollten, quetschten sie sich zwischen Hühner und Einheimische in abenteuerliche Busse auf abenteuerlichen Straßen.

Auch Singapur und Malaysia schaute sich das Trio an, ohne allzu viel Geld auszugeben. Wenn das Heimweh Tanja überfiel, schrieb sie entweder in ihr Tagebuch oder wandte sich über What'sApp, Skype und Facebook direkt an Freunde und Familienmitglieder. „Das ist heutzutage schon ein großer Vorteil“, findet die 22-Jährige.

Zwei Tage nach Florians Abschied erhielten Tanja und Eva ihr China-Visum, das sie über die Deutsche Botschaft in Kuala Lumpur beantragt hatten. Mit dem schnellsten Zug der Welt ging es daraufhin nach Peking und schließlich trampend zur Terrakotta-Armee in Xian und zur Chinesischen Mauer. „Das war abenteuerlich. Die einfachen Leute auf dem Land haben sich tatsächlich in einer Reihe aufgestellt, um uns fotografieren zu können. Sie waren sehr nett. Aber generell haben wir uns durch die Polizisten mit ihren MGs und die Kameras, die überall angebracht sind, ziemlich überwacht gefühlt.“

In Bali war das ganz anders. Dorthin reiste Tanja nach Evas Rückflug alleine. Sie lernte Surfen, schwamm nachts im Mondschein mit fluoreszierendem Plankton im Meer und wurde zu Fisch-Barbecues am Strand eingeladen. Dank der Gastfreundschaft vieler Einheimischer brauchte sie nur wenige Zehntausend ihrer Millionen indonesischen Rupien.

Nach vier Wochen war der Rückflug nach Australien gebucht. In Melbourne wartete eine große Überraschung auf Tanja. Kein Arbeitsplatz für Backpacker – im Gegenteil: Mama und Schwester standen plötzlich vor der lang Vermissten, um die letzten Wochen mit ihr gemeinsam zu verbringen. Mit einem Camper erkundete das Trio die Ostküste.

Wieder zu Hause in Deutschland brauchte Tanja einige Zeit, um all die Erfahrungen sacken zu lassen und einzuordnen. Mittlerweile kann sie gut in Worte fassen, wie sich ihr Leben verändert hat: „Für mich ist jetzt vieles nicht mehr so wichtig wie früher – immer neue Kleider kaufen, zum Beispiel. Dafür hat anderes noch mehr Gewicht bekommen: Familie und Freunde vor allem.“

ONLINE-TIPP

Mehr Bilder unter www.inFranken.de

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