Volkach

Ausstellung in der Barockscheune: Der Wolf ist kein Monster

Auf großes Interesse stieß die Eröffnung der Ausstellung „Die großen Vier- Wolf, Bär, Luchs, Mensch“ im Museum Barockscheune in Volkach. Der Bund Naturschutz und die Stadt Volkach hatten eingeladen, sich mit diesem brandaktuellen Thema zu beschäftigen.
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Lydia Starkulla brachte den Zuhörern den Wolf als zukünftigen Mitbewohner nahe. Foto: Erich Helfrich

Auf großes Interesse stieß die Eröffnung der Ausstellung „Die großen Vier- Wolf, Bär, Luchs, Mensch“ im Museum Barockscheune in Volkach. Der Bund Naturschutz und die Stadt Volkach hatten eingeladen, sich mit diesem brandaktuellen Thema zu beschäftigen.

Am Nachmittag trafen sich laut Pressemitteilung zunächst die Kinder, um bei einer Ferienpass-Aktion den Wolf kennenzulernen. Kindgerecht brachte Lydia Starkulla den Acht- bis Elfjährigen das Tier als zukünftigen Mitbewohner nahe. Nach kurzer Zeit zeigte sich der Wolf den Kindern wesentlich vertrauter. „Grazil mit seinen langen Beinen, wunderbarem Fell und außergewöhnlichen Augen gleicht der Wolf eher einem Mannequin im Reich der Beutegreifer als einem Monster“, erklärte die Beauftragte für heimische, bedrohte Tierarten.

Beeindruckende Fangzähne

Das Heulen der Wölfe, das man kilometerweit hören kann, wecke Ängste und erschrecke nicht nur Kinder, sondern  in demselben Maße auch Erwachsene. Doch hier handle es sich um eine Art der Kommunikation zwischen den Wölfen, nicht um Aggression. „Also keine Angst vor dem Wolf, nur weil er nicht leise, still und heimlich wie ein Luchs ist“, erklärte Starkulla und zeigte zum Thema Jagdverhalten einen nachgebildeten Wolfsschädel mit beeindruckenden Fangzähnen.  Der Wolf habe Angst vor den Menschen und weiche aus, wenn man ihm die Möglichkeit dazu lässt. Die Märchen vom bösen Wolf seien nur erfunden worden, um Kindern spannende Geschichten erzählen zu können.

Am Abend bei der Eröffnungsveranstaltung stand die Angst vor dem Wolf ebenfalls im Fokus. Bürgermeister Peter Kornell, der Vorsitzende des Bundes Naturschutz  Willi Freibott und die Organisatorin der Ausstellung und dessen Stellvertreterin Gerda Hartner sprachen sich dafür aus, der Artenvielfalt bei den heimischen Beutegreifern eine Chance zu geben. Lebensraum sei für alle großen Vier auch bei uns vorhanden. Der Mensch sei in seiner ethischen Haltung gegenüber Tieren gefragt.

Wolfsrudel als Garant für die Sicherheit der Schafe

Nachdem der letzte Wolf in Deutschland 1904 getötet worden sei, gebe es bei uns im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern keine Erfahrung mehr speziell mit dem Wolf, erklärte Starkulla. Aber die Einstellung mancher Schäfer mache ihr Hoffnung: So habe ihr ein Schäfer erklärt, dass das Wolfsrudel in seinem Gebiet der Garant für die Sicherheit seiner Schafe sei. Er habe mit zwei Schutzhunden die Wölfe gelehrt, dass es viel zu gefährlich ist, die Schafe als Beute zu sehen. Da das Wolfsrudel in seinem Revier keine fremden Wölfe dulde, würde die Akzeptanz auf beiden Seiten nicht gestört. Junge Wölfe, die ein eigenes Rudel gründen wollen, müssen abwandern und können Strecken bis zu 100 Kilometern pro Tag zurücklegen. Deshalb gebe es bei Wölfen keine Überbevölkerung.

Die Ausstellung in der Barockscheune ist noch bis 1. November zu sehen, freitags von 14 bis 17 Uhr, an Samstagen, Sonn- und Feiertagen jeweils von 11 bis 17 Uhr. Am Sonntag, 6. Oktober, findet um 15 Uhr eine Führung mit Gerda Hartner statt, am Freitag, 11.Oktober, hält Ulrich Wotischowski einen Vortrag. 

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