Kitzingen

Außergewöhnliches Konzert in der Evangelischen Stadtkirche

Ein außergewöhnliches Programm war am Sonntag Abend in der Kitzinger Stadtkirche zu hören. Und erfreulich viele Leute, auch jüngeres Publikum, füllten nach und nach die große Kirche.
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Paul-Eber-Kantorei, Orchester und Sologitarrist Rupert Bachmaier beim Konzert am Sonntag Abend unter der Leitung von Dekanatskantor Martin Blaufelder. Foto: Elisabeth Versl-Waag
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Ein außergewöhnliches Programm war am Sonntag Abend in der Kitzinger Stadtkirche zu hören. Und erfreulich viele Leute, auch jüngeres Publikum, füllten nach und nach die große Kirche.

"A little Jazz Mass" des britischen Komponisten Bob Chilcott forderte gleich zu Beginn die Chorsänger mit ungewohnten und anspruchsvollen Rhythmen unter dem Dirigat von Dekanatskantor Martin Blaufelder.  Begleitet wurde die Paul-Eber-Kantorei von klassischem Jazztrio an Klavier (Burkard Lutz), Schlagzeug und Baß (Felix Himmler). Gleichsam zu einem Hilferuf steigerte sich das Miserere, um zum sanften Donna nobis pacem zu wechseln.

Völlig andere Klänge bei der nachfolgenden "Fantasia para un Gentilhombre" von dem Spanier Joaquin Rodrigo. Angeregt zu diesem Werk wurde Rodrigo durch den Barock-Komponisten und Gitarristen Gaspar Sanz, der zahlreiche Bearbeitungen spanischer Volkstänze 1674 veröffentlicht hatte. Gewidmet hat Rodrigo seine Fantasia dem Gitarristen Andrés Segovia, der im Jahr 1958 bei der Uraufführung in San Franzisco den Solopart spielte.

Spiegel der spanischen Volksseele

Die Komposition von Rodrigo teilt sich in vier Sätze, die im Dialog zwischen Streichern und Gitarre, Streichern und Bläsern und Sologitarre (Rupert Bachmaier) im Wettstreit liegen. Überaus harmonisch verbindet Joaquin Rodrigo die Vertonungen Gaspar Sanz' des 17. Jahrhunderts mit denen unserer Zeit. Herausgekommen ist ein Werk, das die spanische Volksseele und ihr Temperament widerspiegelt und mit sichtlicher Spielfreude und professionellem Können des Orchesters und des Sologitarristen an diesem Abend vorgetragen wurde.

Und dann, zu guter Letzt, die Misa Criolla, die Kreolische Messe des Argentiniers Ariel Ramirez: Dumpfe Trommelschläge, sachte einsetzender, zurückhaltender Chor und ein flehender Kyrie-Ruf (Tenor Roberto Ortiz) "Senor, tenpiedad denostros", im Rhythmus der Vidala-Baguala, der Musik  Nordargentiniens. Temperamentvolle Lebensfreude der Anden versprühte das Gloria mit der kraftvollen Tenorstimme des Mexikaners Ortiz, der schlagenden Oktav-Gitarre, dem Piano und herausragender und doch dezent im Hintergrund agierender Schlagwerker und Percussionisten. Im rezitativen Klagegesang aus Peru konnte man als absolut passende Zweitstimme die des Dirigenten Martin Blaufelder ausmachen.

Bedeutendstes Werk argentinischer Sakralmusik

Beschwingter Dreiviertel- und Sechsachtel-Takt im Credo und lockere, lateinamerikanische Klänge aus Bolivien im Sanctus, bevor das Agnus Dei im Stil der Pampas den musikalischen Bogen zur Ruhe des Kyrie schließt. Diese, 1967 in Düsseldorf uraufgeführte, Misa Criolla von Ariel Ramirez gilt als bedeutendstes Werk argentinischer Sakralmusik und ist den Schwestern Elisabeth und Regina Brückner aus Würzburg gewidmet.

Mit stehendem Applaus und Bravo-Rufen dankten die Zuhörer für einen beeindruckenden und außergewöhnlichen Konzertabend. Als Zugabe ließ Dekanatskantor Martin Blaufelder nochmal das Gloria aus der kleinen Jazz-Messe erklingen.

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