Fröhstockheim

Ausbildung: Zu wenige Bewerber für Kitzingens Lehrstellen

Die Agentur für Arbeit zieht Bilanz: Zu wenige Bewerber für die angebotenen Lehrstellen im Landkreis Kitzingen. Auch die Rödelseer Firma Max Vielweber kennt das Problem.
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Tauschten sich über das Ausbildungsjahr 2018/2019 aus (von links): Eva-Maria Geiger (Max Vielweber GmbH), Max Vielweber (Geschäftsführer), Franziska Weigand-Weiß (Agentur für Arbeit Würzburg), Kerstin Vierhock (Agentur für Arbeit Würzburg), Alfred Schmidt (Agentur für Arbeit Würzburg) und Florian Vielweber (Max Vielweber GmbH). Foto: Lisa Marie Waschbusch

Beinahe hätte die Gas- und Wasserinstallationsfirma Max Vielweber GmbH in Rödelsee für das aktuelle Ausbildungsjahr keinen Auszubildenden zum Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik gefunden. Durch Zufall sei das Unternehmen doch noch fündig geworden und habe einen jungen Syrer eingestellt. "Sonst hätten wir zum ersten Mal keinen gehabt", erzählt Geschäftsführer Max Vielweber. 

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Ein Trend, der sich nicht nur in Rödelsee beobachten lässt. Schaut man sich die Bilanz des Ausbildungsmarktes 2018/2019 im Landkreis Kitzingen an, zeichnet sich ein eindeutiges Bild ab: Die Schere zwischen Angebot und Nachfrage hat sich weiter geöffnet. Das zweite Jahr in Folge gab es in Kitzingen mehr gemeldete betriebliche Ausbildungsstellen als suchende Jugendliche. Das habe zur Folge, "dass die Herausforderungen kontinuierlich steigen, Ausbildungssuchende und Betriebe zusammenzubringen", sagt Kerstin Vierhock, Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit Würzburg, am Mittwoch in Rödelsee.

778 Ausbildungsstellen im Landkreis Kitzingen

Von Oktober 2018 bis September 2019 meldeten die Betriebe im Bezirk der Agentur für Arbeit Würzburg (Stadt Würzburg und Landkreise Würzburg, Main-Spessart und Kitzingen) insgesamt 4549 Ausbildungsstellen, in Kitzingen waren es 778 – knapp sechs Prozent mehr als im Vorjahr. Davon waren am 30. September im Landkreis noch 118 unbesetzt. Betroffen sind vor allem Ausbildungsstellen im Einzelhandel, in der Gastronomie und Hotellerie aber auch in einigen Bau- und baunahen Berufen – so auch Anlagenmechaniker, wie Vielweber sie ausbildet. "Vier Betriebe haben keinen Auszubildenden zum Anlagenmechaniker bekommen, obwohl sie einen gebraucht hätten", sagt Vierhock. 

"Inzwischen müssen die Unternehmen Werbung machen, damit Jugendliche zu ihnen kommen."
Franziska Weigand-Weiß, Berufsberaterin

"Um hier voranzukommen, braucht es die Kompromissbereitschaft und Flexibilität von beiden Seiten", sagt die Geschäftsführerin. Bewerber müssten sich eventuell von Traumberufen lösen, Betriebe auch vermeintlich weniger gut geeigneten Kandidaten eine Chance geben. Die Berufsberaterin Franziska Weigand-Weiß sagt: "Wir sagen den Jugendlichen in den Schulen immer: Die Bewerbung ist die Werbung für euch im Betrieb." Das Blatt wende sich gerade. "Inzwischen müssen die Unternehmen Werbung machen, damit Jugendliche zu ihnen kommen."

Weg von Schulnoten, hin zu praktischem Können

Bei Max Vielweber hat man sich von dem steifen Verharren auf Qualifikationen längst verabschiedet. "Das Wichtigste ist der Wille", sagt Juniorchef Florian Vielweber. "Hier im Betrieb zählt die Leistung, nicht die Schulnoten." Ein Praktikum oder Probearbeiten sei ein Muss, das sage mehr aus, als die Bewerbung. Auch schwächeren Schülern habe man schon eine Chance gegeben. In der Firma in Rödelsee werden aktuell fünf Azubis ausgebildet. "Wir bilden nach Bedarf aus und übernehmen in der Regel die Azubis auch", erklärt Florian Vielweber. 

"Das Wichtigste ist der Wille."
Florian Vielweber, Leiter Technik und Planung Max Vielweber GmbH

Allerdings wird die Suche immer schwieriger. Man könne beobachten, so Florian Vielweber, dass viel mehr junge Leute Abitur machen und studieren wollen. Außerdem spielt das "Image des Produktes" eine wichtige Rolle: "Für einen Jugendlichen  scheint unser Beruf erst einmal unattraktiv. Autos sind für alle toll, die sich dafür interessieren. Selbst, wenn man nur einen Ölwechsel macht, ist da noch das tolle Auto." Mit den Tätigkeiten im Gebäudemanagement könne man seine Freundin schlecht beeindrucken, sagt er.

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Berufsberaterin Weigand-Weiß versucht indes, jungen Menschen in den Schulen klar zu machen, dass man auch Karriere machen kann, ohne Abitur zu haben. "Das ist in vielen Köpfen noch nicht angekommen," sagt sie.

Im kommenden Jahr will man bei Vielweber in Rödelsee auch eine kaufmännische Ausbildung anbieten – und erhofft sich mehr Zuspruch. Schließlich ist es laut Ausbildungsmarktbilanz des vergangenen Ausbildungsjahres ein sehr gefragter Beruf bei Frauen.

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