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Aus wilden Römern werden heiße Hippies

Manchmal kann ein Blick übers Hoftor Gold wert sein. In Kaltensondheim etwa. Dort, wo sonst nur Familie Stadtel wohnt, tummeln sich derzeit jede Menge Hippies. Ein Festival der Blumenkinder? Nicht ganz. Denn die Langhaarigen mit den Schlaghosen und Peace-Anhängern wuseln äußerst geschäftig umher.
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Peace: Dieter Stadtel aus Kaltensondheim ist der perfekte Hippie. Foto: Foto: DIANA FUCHS
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„Mehr Faaaaarbeeee!“ Ein Mann mit Rastazöpfen legt die Hände trichterförmig an den Mund, den Kopf in den Nacken und ruft Anweisungen nach oben. Dort stehen auf einem Wagen, der bis fast an die Scheunendecke reicht, mehrere „Künstler“, die sich mit Pinseln aller Größe zu schaffen machen. Was genau sie da malen, das verbirgt das Scheunentor vor wissbegierigen Blicken. „Erst beim Faschingsumzug zeigen wir unseren diesjährigen Wagen her“, sagt Dieter Stadtel – und bugsiert jeden möglicherweise neugierigen Gast schnellstens außer Sichtweite.

Doch auch draußen im Hof gibt es einiges zu sehen. Da fahren zum Beispiel zwei kleine Bullys umher. Bei genauer Inspektion wird deutlich, dass es völlig CO-2-neutrale Fahrzeuge sind: Ihr Innenleben besteht aus großen Kettcars. Außen herum haben Jürgen Beuerlein, Dieter Stadtel und ihre Helfer die Fassade der traditionsreichen VW-Busse gebaut.

Ganz offensichtlich sind „die wilden Römer“ und „Euro-Piraten“, die vor Jahren Preise beim Landkreisfaschingszug abgeräumt haben, wieder voll in ihrem Element. Nach einigen Jahren, in denen eine Faschingsflaute herrschte, präsentieren sich Familie Beuerlein und ihre Freunde aus dem ganzen Landkreis Kitzingen wie verwandelt: Als Inkarnation der Hippies haben sie heuer wieder so richtig Spaß am närrischen Gestalten.

„Ich wollte sooooo gern mal ein Hippie sein“, erzählt die elfjährige Marie Beuerlein. Mit ihrer Begeisterung für die 60er und 70er Jahre steckte die junge Dame alle an: ihren Papa Jürgen, ihre Mama Eva, ihren kleinen Bruder Hannes, ihre Oma Inge, ihre Cousinen Lara, Vanessa, Yasemin, die Eschenbachers und die Stadtels aus Kaltensondheim, weitere Freunde und Verwandte aus Buchbrunn, Kitzingen, Dettelbach...

„Insgesamt sind wir gut 25 Leute“, erzählt Eva Beuerlein. Ihr Mann ergänzt: „Seit den Weihnachtsferien sind wir mit Volldampf am Basteln für den Landkreis-Faschingsumzug.“ Jürgen Beuerlein arbeitet bei der Firma Huber Büromöbel, deren Seniorchef die fünfte Jahreszeit sehr mag „und uns immer mit Material unterstützt“. Und in Stadtels Scheune ist genügend Platz für fantasievolle Schaffer, die mal wieder für Rambazamba sorgen wollen.

Der sechsjährige Hannes ist schon ganz kribbelig vor lauter Vorfreude auf die Umzüge. Auch Dieter Stadtel ist „heiß“. Sein Gedicht dürfte sogar die VW-Oberen freuen: „Abgaswerte sind uns egal. Aber Gras soll werden ganz legal.“ Helau!

Wer die Faschingsnarren und ihre Wagen sehen will, kann dies beim Würzburger Faschingszug tun (Sonntag, 7. Februar, ab 11.45 Uhr) oder beim Landkreisfaschingsumzug in Kitzingen (Dienstag, 9. Februar, ab 13.33 Uhr).

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