SCHWARZACH

Aus dem Hinterhof zur Top-Firma

Silvia Reuss begrüßte beim Festakt zum runden Geburtstag 70 Jahre Modellbau Reuss zuerst ihre Schwiegereltern, „denn ohne Euch würden es die Firma nicht geben.“
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Auf den 70. Geburtstag der Firma Modellbau Reuss in Schwarzach freuten sich die Inhaber und Ehrengäste. Im Bild (von links): Matthias Reuss, Helmut Hülbig (Berufsschule), Silvia Reuss, Hildegard Reuss, Markus Reuss, Manfred Reuss, Tamara Bischof, Johanna Sendner, Alexander Grämer und Yvonne Schmidt-Sauerbrei. Foto: Foto: Hartmut Hess

Die für Rechnungswesen und Personalverwaltung verantwortliche Silvia Reuss begrüßte beim Festakt zum runden Geburtstag 70 Jahre Modellbau Reuss zuerst ihre Schwiegereltern, „denn ohne Euch würden es die Firma nicht geben und wir könnten heute nicht feiern“.

Sie würdigte die Geschäftspartner und vor allem die aktuell 45 Mitarbeiter, die ein wichtiges Kapital für die Firma darstellen würden. Ein Zahnrad ist das Firmenlogo von Modellbau Reuss, und Silvia Reuss deklarierte jeden Mitarbeiter als einen Zahn auf dem Rad, der das Rad am Laufen halte. Zur Feier gaben sich auch Landrätin Tamara Bischof, sowie die Bürgermeister Johanna Sendner (Schwarzach), Elmar Henke (Sommerach) und Peter Kornell (Volkach) die Ehre.

Zielstrebigkeit

Tamara Bischof meinte, dass der Landkreis stolz sei, so eine Firma in seinen Reihen zu haben. „Hut ab, hier passiert was in Schwarzach“, sagte die Landrätin und bemerkte, dass das technische Know-how unser Land stetig vorangebracht habe. Johanna Sendner hob die Zielstrebigkeit der Familie Reuss hervor, die sich heute in dritter Generation bestens präsentiere. Bodenständige Familienbetriebe wie Modellbau Reuss seien nach Sendners Ansicht wichtig für Kommunen und die Gesellschaft.

Firmengründer war vor 70 Jahren Max Reuss, der im Kitzinger Gusswerk den Beruf des Modellbauers erlernt hatte. Er wagte 1948 den Sprung in die Selbstständigkeit mit seinem vorherigen Arbeitgeber Fichtel & Sachs als ersten Kunden. Als erste Werkstätte dienten eine kleine Waschküche und ein Hinterhof mit spartanischer Ausstattung.

1953 trat Manfred Reuss in zweiter Generation in das junge Unternehmen ein und legte 1963 die Meisterprüfung ab, wodurch weitere Lehrlinge eingestellt werden konnten. 1966 baute die Familie Reuss dann in der Bamberger Straße eine neue Werkstatt mit 250 Quadratmeter Größe für sechs Mitarbeiter und 1970 übergab Max Reuss den Betrieb an Manfred Reuss.

1977 übernahm die Schwarzacher Firma dann einen kleinen Kitzinger Modellbaubetrieb, wodurch die Belegschaft auf zehn Mitarbeiter anstieg. Um ein den Erfordernissen entsprechendes Betriebsgebäude zu schaffen, ging die Firma einen Neubau in der Industriestraße an, der 1986 eingeweiht wurde. Nachdem die Söhne Markus und Matthias Reuss eingetreten waren, setzte die Firma weitere Investitionen in die neue Computertechnologie um.

Rechtzeitig vor dem 50-jährigen Bestehen baute Modellbau Reuss an und erweiterte das Hallengelände 1997 von 1500 auf 2800 Quadratmeter. 2004 übernahmen Markus und Matthias Reuss die Betriebsleitung und Silvia Reuss trat 2005 in die Firma ein und verantwortet heute die Personalverwaltung und das Rechnungswesen. In den vergangenen drei Jahrzehnten erweiterten sich die Tätigkeitsfelder. „Wir fertigen Modell-Einrichtungen aus Kunststoff, Kunstharz, Aluminium oder Grauguss für die Zulieferbranche von der Industrie“, sagte Matthias Reuss.

Die Firma habe mittlerweile 70 Lehrlinge ausgebildet und warte heute mit Frauenpower auf. „Und unsere Mädels haben es echt drauf“, war sich Matthias Reuss sicher, was aktuell ein Staatspreis für die Einser-Gesellin Franziska Kornell aus Volkach belegt. Die Chefs sind stolz auf die Bilanz, schon über 20 Kammersieger, sechs Landessieger sowie sogar mehrere Bundessieger ausgebildet zu haben. Zudem haben sich acht Mitarbeiter zum Modellbauer-Meister fortgebildet. „Das fördert den Nachwuchs und qualifizierte Fachkräfte“, bemerkte Matthias Reuss zur umfangreichen Ausbildung von Produktionsmodellbauern und Feinwerkmechanikern.

Aller Ehren wert

„Das ist aller Ehren wert, was sie in der Ausbildung geleistet haben“, attestierte Tamara Bischof den Familien Reuss. Markus Reuss ließ die technische Entwicklung der Firma Revue passieren und legte dar, dass die Firma sich nach Experten-Erhebungen an die Top-Ten-Unternehmen ihrer Branche herantaste.

Alexander Grämer von der Modell- und Formenbau-Innung Nordbayern attestierte der Familie Reuss, mit Herzblut auf Ausbildung zu setzen und eine Qualität zu erreichen, mit der sich die Firma im Markt abhebe. Deswegen bescheinigte Alexander Grämer den Firmenchefs, eher einer Berufung statt einem Beruf nachzugehen. Der Innungsobermeister würdigte das Engagement von Matthias Reuss, der sich seit Jahren als Mitglied im Gesellen-Prüfungsausschuss auszeichnet.

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