MARKTBREIT/WÜRZBURG

Aus dem Gericht: Täter trat Schüler brutal ins Gesicht

Mit Wucht und 1,75 Promille hat ein Mann auf dem Bahnhofsvorplatz in Marktbreit einem Berufsschüler ins Gesicht getreten.
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Mit Wucht und 1,75 Promille hat ein Mann auf dem Bahnhofsvorplatz in Marktbreit an einem Nachmittag im Juli einem Berufsschüler, der auf dem Boden saß und auf seinen Zug wartete, ins Gesicht getreten: ohne Vorwarnung. Eine Große Strafkammer des Landgerichts Würzburg hat den Angreifer, einen 30-jährigen Mann, deswegen jetzt zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt.

Operation unter Vollnarkose

Durch den Fußtritt erlitt das 21-jährige Opfer, Schreiner-Azubi im zweiten Lehrjahr, einen Bruch des Bodens der linken Augenhöhle, eine Jochbeinfraktur links, eine vorübergehende Sehstörung auf dem linken Auge sowie Schwellungen im Gesicht.

Er musste unter Vollnarkose operiert und eine Woche lang stationär behandelt werden und konnte längere Zeit nur Püriertes essen. Demnächst muss eine Platte aus dem Gesicht entfernt werden, aber die psychischen Folgen dauern an – niemand weiß, wie lange. Der Mann hat Angst, wenn ihm fremde Menschen zu nahe kommen.

Der brutale Angreifer war erst am Mittag des Tattages gegen ärztlichen Rat aus dem Bezirkskrankenhaus in Ansbach entlassen worden. Dort war er einige Tage untergebracht, weil er im Nürnberger Hauptbahnhof Passanten angeschrien und sich auch sonst noch sehr merkwürdig benommen hatte – mit einem Messer in der Hand. Als Schwarzfahrer war er zufällig in Marktbreit gelandet. Vor dem Bahnhof saßen zu dieser Zeit zwei Berufsschüler, das 21-jährige Opfer und ein 17-Jähriger im Schatten; per Bus kamen sie von der Berufsschule in Kitzingen und wollten mit dem nächsten Zug nach Ochsenfurt.

Dem Opfer ins Gesicht getreten

Als der jüngere Schüler sich eine Zigarette drehte, so die Zeugen, sei der Fremde auf die Beiden zugegangen und habe mit den Fingern angezeigt, dass er auch gern rauchen würde.

Er bekam eine Zigarette, entfernte sich kurz, dann kam er zurück und trat ohne ein Wort zu sagen, dem anderen Schüler, der gerade am Smartphone spielte, ins Gesicht.

„Ein solcher Tritt gegen die Schläfe kann tödlich sein“, sagte der Staatsanwalt. Der Verteidiger des Angeklagten sprach von brutaler Aggression gegen einen wildfremden Menschen.

Der Angeklagte, der seit Jahren angeblich auf der Suche nach Arbeit die Justiz erheblich beschäftigt hat, behauptet, sich an das Geschehen nicht erinnern und sich sein Ausrasten nicht erklären zu können.

Auf die Frage des Gerichts nach seinem Alkoholkonsum kam vom Angeklagten eine auch für Richter, die schon viel erlebten, nicht alltägliche Antwort: Er trinke nur, wenn er Kopfschmerzen habe, je nachdem, wie heftig die seien, so fünf bis sechs Flaschen. Merkwürdig, sagte einer der Richter, bei ihm sei es gerade umgekehrt: Die Kopfschmerzen stellten sich oft erst nach erheblichem Alkoholkonsum ein. Und beim Nachfragen gab der Angeklagte dann offen zu, dass er recht oft Kopfschmerzen habe und deswegen zur Flasche greife – und zwischendurch auch zu Drogen. Das Gericht hat wegen Alkoholabhängigkeit die Unterbringung des Angeklagten in einer Klinik angeordnet, für maximal zwei Jahre.

Diebstahl kommt dazu

Nach dem Fußtritt waren die beiden jungen Männer in Angst, es könnte noch mehr passieren. Sie rannten davon und ließen ihre Rucksäcke zurück. Die nahm der Angeklagte vorübergehend an sich; daher wurde er auch wegen Diebstahls verurteilt.

Als er vom Tatort flüchtete, hat er die Rucksäcke allerdings nicht mitgenommen. Möglicherweise hatte er bemerkt, dass nur Schulbücher darin waren.

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