Kitzingen

Aus dem Gericht: Rad im Gebüsch einfach mitgenommen

Ein 18-Jähriger kann bei 80 Sozialstunden darüber nachdenken, ob man ein gefundenes Rad einfach selbst nutzt oder den Fund der Polizei meldet.
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Vor dem Kitzinger Gericht musste sich ein junger Mann wegen Unterschlagung verantworten (Symbolbild). Foto: Oliver Berg/dpa

Weil er ein Fahrrad im Wert von gut 500 Euro in einem Gebüsch gefunden, mitgenommen und es eineinhalb Monate genutzt hat, stand jetzt ein 18-Jähriger vor dem Jugendgericht. Wegen Unterschlagung  wurde er zu 80 Sozialstunden verurteilt. Das Rad hat der rechtmäßige Besitzer unbeschadet zurückbekommen.

"Ich habe mir nichts dabei gedacht und es einfach mitgenommen", sagte der junge Mann zu dem Vorwurf in der Anklage. Der Fund des Rades in einem Gebüsch an der Mainbrücke in der Nähe des Kitzinger Schwimmbads hat im November 2018 auch gerade gepasst. Der 18-Jährige musste sehen, wie er zu seinem Ausbildungsplatz kommt, nachdem der Arbeitgeber ihn nicht mehr mit dem Firmenwagen abholen ließ. Da kam das Rad gerade recht.

Das Rad war beileibe keine Schrottlaube, sondern gut in Schuss. Man hätte schon auf die Idee kommen können, dass es einen Besitzer hat, so Jugendrichter Wolfgang Hülle. Das sah der "Finder" offenbar nicht so.  Der junge Mann richtete die Schaltung, stattete das Rad mit einem Schutzblech und einem Schloss aus. Und schon waren die Fahrten zum Ausbildungsplatz gesichert.

Es war nicht die erste Unterschlagung

Allerdings nur für eineinhalb Monate. Dann beobachtete eine Polizeistreife, wie junge Männer ein Rad durch die Gegend trugen. Bei der Kontrolle stellte sich heraus, dass sie das Rad zu ihrem Kumpel bringen wollten. Und wenig später war auch klar, dass der 18-Jährige nicht der reguläre Besitzer des als gestohlen gemeldeten Rades war.

Die Anzeige  wegen Unterschlagung und die Verhandlung vor dem Jugendgericht folgten. Dort verbuchte der Heranwachsende vor allem das Geständnis auf der Habenseite. Auch dass das Rad unbeschädigt zu einem Besitzer zurückgekommen ist, hielt ihm das Gericht zugute. Was weniger gut ankam, waren drei Einträge im Bundeszentralregister, unter anderem einer wegen Unterschlagung.

Dass das nicht ohne ist, machte ihm Jugendrichter Wolfgang Hülle mehrfach klar, zumal das Rad einen relativ hohen Wert hatte. Dennoch setzte er noch einmal auf soziale Hilfsdienste in der Hoffnung, dass die Maßnahmen dauerhaft Eindruck verleihen können. "80 Stunden sind notwendig und sachgerecht", sagte Hülle und ging damit über die 60 Stunden hinaus, die der Staatsanwalt gefordert hatte. "Das finde ich in Ordnung", sagte junge Mann, dem Hülle mit auf den Weg gab: "Die nächste Straftat führt direkt in den Jugendknast."

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