KITZINGEN

Aus dem Gericht: Leben vom Pfand

Der Angeklagte lebt vom Pfandflaschen-Sammeln. Um die zwei Euro kämen da am Tag zusammen, sagt er. Mit kleinen Diebstählen wurde er straffällig und landete vorm Amtsrichter.
Artikel drucken Artikel einbetten
114161823
justice Foto: liveostockimages (iStockphoto)

Der Angeklagte lebt vom Pfandflaschen-Sammeln. Um die zwei Euro kämen da am Tag zusammen, also um die 60 im Monat. Hin und wieder bekommt er von Freunden was zugesteckt – das war's. Dass sich die schlimmen Zustände zuletzt noch einmal verschlechterten, hat einen einfachen Grund: Der 58-Jährige hängt in den Seilen. Oder besser: zwischen Ämtern.

Scheinbar läuft bei ihm seit zwei Jahren ein Antrag auf Erwerbsunfähigkeit. Das führt jedoch dazu, so erzählt er es zumindest dem Gericht, dass es keine Hartz-IV-Leistungen gibt, weil man im Jobcenter erst auf den Ausgang des anderen Verfahrens wartet. Vielleicht ist es aber auch so, dass sich der Mann, der im Kitzinger Notwohngebiet untergebracht ist, nicht richtig gekümmert hat.

Aber egal wie, eines ist Fakt: Oft hat der Mann kaum etwas zum Essen. Weshalb es im Frühjahr 2014 zu kleinen Diebstählen in Kitzinger Einkaufsmärkten kam: Einmal ließ er zwei Dosen Limo für 1,60 Euro mitgehen, ein anderes Mal klaute er Nahrungsmittel im Wert von fünf Euro: Zwei Paar Knacker, Milch, Kartoffelpüree und Cola. „Es war aus einer Notlage heraus“, gibt der 58-Jährige gegenüber dem Kitzinger Strafrichter zu Protokoll.

Das eigentliche Problem liegt allerdings ganz woanders: Der Angeklagte wird seit über 35 Jahren regelmäßig straffällig. 1980 ging's mit Steuerhinterziehung los, es folgten mehrere Trunkenheiten im Verkehr sowie Probleme mit Betäubungsmitteln. Dazwischen Betrügereien und Diebstähle. „Ein bewegtes Leben“, so die Zusammenfassung von Strafrichter Bernhard Böhm mit Blick auf das Vorstrafenregister.

Weil er die eine oder andere Geldstrafe nicht zahlen konnte, saß der frühere Energieanlagenelektriker auch schon im Gefängnis. Auffällig aber auch: Immer, wenn es statt einer Geldbuße eine Bewährungsstrafe gab, hielt sich der Mann anschließend zurück und schaffte es, straffrei zu bleiben.

Drei Jahre unter Bewährung

Genau auf diesen Umstand zielt auch das Gericht ab. Während die Staatsanwaltschaft eine 700-Euro-Geldstrafe fordert (70 Tagessätze zu je zehn Euro), entscheidet sich das Gericht für einen anderen Weg und verhängt eine dreimonatige Freiheitsstrafe, die zu drei Jahren Bewährung ausgesetzt wird.

Dazu kommen 20 Stunden gemeinnützige Arbeit. Und der Angeklagte bekommt zwei Jahre einen Bewährungshelfer an die Seite gestellt – auf dass dieser das scheinbare Ämter-Wirrwarr beendet und der 58-Jährige endlich wieder aus den Seilen herausfindet.

Kommentare (2)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren