Kitzingen

Aus dem Gericht: Jugendlicher verletzt vier Polizisten

Zweimal in kurzer Zeit hat sich ein 18-Jähriger massiv mit der Polizei angelegt – jetzt warten Wochenendarreste und Sozialdienst auf ihn.
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Ein Jugendlicher verletzte vier Polizisten und stand deswegen jetzt vor Gericht.
Foto: Micha? Chodyra

Weil er sich nicht kontrollieren lassen wollte, hat ein Jugendlicher Anfang des Jahres zweimal Polizisten verletzt. Wegen tätlicher Angriffe auf Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung stand der Asylbewerber jetzt vor dem Jugendrichter. Bei zwei Freizeitarresten und 120 Stunden Sozialdiensten kann er darüber nachdenken, dass man so mit Polizeibeamten nicht umgehen kann.

Mit seinem Urteil lag Jugendrichter Wolfgang Hülle unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die acht Monate Jugendstrafe gefordert hatte. Er lag aber auch über den Antrag der Verteidigung, die "eine angemessene Anzahl von Hilfsdiensten" für ausreichend hielt. Für eine so milde Sanktion waren dem Gericht die Angriffe in sieben Fällen und die vier Körperverletzungen dann doch zu heftig.

Aus Westafrika über Libyen und Italien nach Deutschland

In der Verhandlung wurde deutlich, dass der heute 18-Jährige mit seiner Gesichte zu kämpfen hat. Aus Westafrika ist er über Libyen und Italien Ende 2017 nach Deutschland gekommen. Der junge Mann wurde immer wieder von Weinkrämpfen geschüttelt, wenn es um diese Zeit ging. Trotz der Erlebnisse attestierte ihm nicht nur sein Verteidiger eine erstaunliche Entwicklung. Er spricht gut Deutsch, hat ein Zeugnis mit besten Noten und eine Auszeichnung der  Regierung von Unterfranken. Zudem hat er eine Ausbildung begonnen, ist in einem Sportverein aktiv und lebt seit Februar unauffällig in der Kitzinger Asylbewerberunterkunft.

Doch es gab den Januar 2019 und die Vorfälle, die ihn vor Gericht brachten. Da war er in Miltenberg untergebracht und hatte Probleme. Als ein erster Asylantrag abgelehnt wurde, traf ihn das schwer. "Danach war mein Kopf kaputt", sagte er dem Gericht. Wenig später flippte er zweimal aus. "Aus nichtigem Anlass" wie das Gericht in der Urteilsbegründung sagte. Es ging jeweils um eine Personenkontrolle. Die erste Mitte Januar in Miltenberg. Der damals 17-Jährige randalierte nach einem Streit um einen nicht erlaubten Fernseher im Zimmer. Die Polizei wurde gerufen, wollte seinen Ausweis sehen. Den hatte er zerrissen. Also ging es auf die Inspektion, um die Identität festzustellen. Dann sollte der Man zurück in die rund 250 Meter entfernte Unterkunft gehen. Das aber verweigerte er. Er bestand darauf, gefahren zu werden. Das wiederum lehnten die Polizisten ab. Das reichte für einen Aufritt, an dessen Ende drei Beamte im Einsatz waren und einer leicht verletzt wurde.

Wieder eskalierte eine Kontrolle

Wenig später war der Mann war mit dem Bayernticket im Zug nach Frankfurt unterwegs. Ab der bayerischen Grenze hätte er ein Ticket nachlösen müssen. Das sah er aber nicht ein. Die Zugbegleiterin informierte die Polizei. Wieder wollten die Beamten die Identität feststellen und wieder eskalierte die Situation. Diesmal waren sechs Beamte nötig, um den Mann in den Griff zu kriegen. Danach waren drei Polizisten verletzt, zwei kurzzeitig dienstunfähig.

Danach wurde der junge Mann nach Kitzingen verlegt. Seither herrscht Ruhe, wie vor den beiden Auftritten auch. Das sprach am Ende für den 18-Jährigen ebenso wie seine positive Entwicklung. Schädliche Neigungen und damit die Notwendigkeit einer Jugendstrafe sah das Gericht nicht, die für einen Denkzettel aber schon. Am Ende wurden es zwei Freizeitarreste und die 120 Sozialstunden. Damit muss er leben, ebenso wie mit dem nach wie vor offenen Ausgang seines Asylverfahrens.

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