LANDKREIS KITZINGEN

Aus dem Gericht: Eine Festnahme mit Hindernissen

Eines lässt sich der Angeklagte dann doch nicht nehmen: Er legt sich vor dem Richtertisch auf den Boden. Um zu demonstrieren, wie schwer ihm das Auf und Ab fällt. Wie schlecht er seine Beine bewegen kann.
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Symbolbild

Eines lässt sich der Angeklagte dann doch nicht nehmen: Er legt sich vor dem Richtertisch auf den Boden. Um zu demonstrieren, wie schwer ihm das Auf und Ab fällt. Wie schlecht er seine Beine bewegen kann.

Der Mann ist seit einem Unfall auf seinem Bauernhof zu 100 Prozent körperbehindert, bezieht deshalb Frührente und ist auf seine Art sehr eigen. Diese Eigenheit war wohl auch verantwortlich, dass sich der Landwirt immer wieder auf seinen Traktor schwang, obwohl er keinen Führerschein besaß. Es folgte Anzeige auf Anzeige, ab 2007 erhöhten sich die Strafen kontinuierlich und schließlich ging's wegen der Schwarzfahrten geradewegs für ein Jahr ins Gefängnis.

Wobei die Sache so geradewegs nun auch wieder nicht war, wie der Tag der Festnahme zeigen sollte.

Ende Oktober rückte eine Polizeistreife mit einem Haftbefehl bei dem Landwirt an. Und weil ihm ein gewisser Ruf vorauseilte und die Befürchtung bestand, dass da jemand renitent werden könnte, hatte sich gleich eine zweite Streife mit auf den Weg gemacht. Was nicht verkehrt war, wie sich schnell zeigen sollte.

Freiwillig jedenfalls wollte der Mann nicht mitkommen: Er beleidigte die Polizisten und versuchte schließlich sogar zu flüchten. Weshalb es zu einer Rangelei kam und der Mann zu Boden gebracht wurde. Dabei soll er um sich geschlagen und getreten haben. Was dazu geführt haben soll, dass sich ein Polizeihauptmeister Verletzungen an Schulter und Ellenbogen zuzog und einige Tage nicht einsatzfähig war. Weil das noch nicht reichte, wurde ein weiterer Polizist gebissen, als er den Hund des Mannes wegführte.

Entgegen der Vorführung am Boden versicherten die Polizisten vor Strafrichter Marc Betz, dass der aus dem Gefängnis vorgeführte Angeklagte durchaus „Kräfte entwickelt“ und sich doch recht heftig gewehrt habe. Wenn sich das bewahrheitet und auch die Beleidigungen zutreffen sollten, droht eine Verlängerung der Haftstrafe – was der Angeklagte aber um alles in der Welt verhindern und lieber eine Geldstrafe zahlen will.

Für endgültige Aufklärung sollen nun weitere Zeugen bei der Fortsetzung der Verhandlung am kommenden Donnerstag beitragen.

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