Kitzingen

Aus dem Gericht: Das Problem mit zu engen Parkplätzen

Eine 63-Jährige wehrt sich vor Gericht gegen den Vorwurf, Unfallflucht begangen zu haben. Dank einer Skizze nimmt der Prozess eine überraschende Wendung.
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Ist der Parkplatz am Bleichwasen voll (im Bild), sind die Parkplätze in der Kitzinger Innenstadt erst recht begehrt. Auf beiden Seiten des Mains geht es mitunter recht eng zu. Foto: Max Schäfer

Mit dem Parken in Kitzingen hat die ehemalige Geschäftsfrau schon so ihre Erfahrungen gemacht: Manche Stellflächen sind so eng, dass es nur mit mehrmaligem Rangieren möglich ist, ein- oder auszuparken. Im Juni dieses Jahres hieß es wieder einmal rangieren: viel zu wenig Platz, obendrein noch eine angrenzende Mauer. "Ich bin öfter hin und her", erinnert sich die Frau.

Dass sie dabei einen neben ihr stehenden Wagen beschädigt haben soll, bestreitet die Frau jedoch. Trotz aller Probleme habe sie an jenem Abend keinen anderen Wagen touchiert, da ist sie sich ganz sicher. Sie sei sogar mehrfach ausgestiegen, um zu schauen, wie viel Platz noch ist und um eben ganz sicher zu sein, dass sie ihrem Nachbarn nicht zu nahe kommt. Trotzdem ist das der Vorwurf:  Sie soll 1300 Euro Schaden angerichtet und anschließend Fahrerflucht begangen haben.

Polizei klingelte bei der Frau

Ein Autofahrer, der nur wenige Stellplätze weiter parkte und gerade seinen Kofferraum entlud, hatte die Rangier-Probleme der  Frau mitbekommen und messerscharf daraus geschlossen, dass nur sie den Schaden angerichtet haben konnte. Wenig später klingelte die Polizei bei der perplexen Frau und konfrontierte sie mit den Anschuldigungen.

Vielleicht wäre der Fall mit einem Blick auf den Wagen der Frau an dieser Stelle ausgestanden gewesen, wenn es da nicht einige Wochen zuvor tatsächlich ein paar Schrammen am Kotflügel gegeben hätte: An einem weiteren viel zu engen Parkplatz war die Frau – als sie mit einer Kundin unterwegs war – einer Mauer zu nahe gekommen. 

Einspruch gegen Strafbefehl

Das zu glauben, fiel der Polizei allerdings schwer. Weshalb die Frau wenig später für den Parkrempler und die anschließende Unfallflucht auch einen Strafbefehl bekam. Dagegen legte sie Einspruch ein und es kam zur Verhandlung vor der Kitzinger Strafrichterin. "Ich war das nicht", beteuerte die 63-Jährige und hatte auch eine Skizze mitgebracht, die noch einmal einen genauen Blick auf die Örtlichkeiten zuließ.

Und siehe da: Nachdem alle Beteiligten die Köpfe über der Skizze zusammengesteckt hatten, war schnell klar: Der angegebene Schaden  konnte niemals von der Frau verursacht worden sein.

Angaben passen nicht zusammen

Die Angaben passten einfach nicht zusammen. Der alte Schaden am Auto der Frau ist am rechten Kotflügel. In dem strittigen Fall hätte der Fall jedoch an der linken Seite sein müssen. 

Damit ist klar: Thema erledigt, das Verfahren gegen die 63-Jährige wird eingestellt. Das sei letztlich "wie ein Freispruch", betonte das Gericht und konnte nach nicht einmal 20 Minuten die Aktendeckel zuklappen – und eine sichtlich erleichterte Angeklagte ungestraft entlassen.

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