Kitzingen

Aus dem Gericht: Belastungszeugin widerspricht sich

Einen Mann belasten, um den Kopf aus der Schlinge zu ziehen – das dachte sich eine Frau, die in Kitzingen mit Haschisch handelte. Doch der Richter durchschaute das Manöver.
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Um unerlaubten Handel mit Betäubungsmitteln ging es in einer Verhandlung im Kitzinger Gericht (Symbolbild). Foto: Frank Rumpenhorst

Unerlaubter Handel mit Betäubungsmittel in nicht geringer Menge hatte die Anklage einem 34-Jährigen vorgeworfen. Am Ende der Verhandlung vor dem Kitzinger Schöffengericht stand ein glatter Freispruch. Die Aussagen der einzigen Belastungszeugin waren zu widersprüchlich. Weitere Beweise gab es nicht. Ein "hinreichender Tatnachweis" war nicht zu führen.

"Freispruch, die Kosten trägt die Staatskasse", sagte die Vorsitzende des Schöffengerichts nach kurzer Beratung. Die war ebenso kurz wie die Plädoyers von Staatsanwalt und Verteidigung. "Herzlich unglaubhaft" hieß es da zu den Aussagen der Frau oder auch "es bleiben erhebliche Zweifel". Das Ergebnis war in beiden Fällen die Forderung nach einem Freispruch. Das Problem: Der Vorwurf gründet sich einzig und allein auf die Aussage der Hauptbelastungszeugin. "Sonst haben wir nichts", sagte der Staatsanwalt. Das war zu wenig für ein Urteil.

Der Anfang der Geschichte: ein Großdealer in Spanien wird gefasst

Die Anklage hatte es in sich. Der 34-Jährige soll im Herbst 2018 von einer 49-Jährigen in Kitzingen 400 Gramm Haschisch für 2400 Euro gekauft haben. Er wollte es gewinnbringend weiterverkaufen. Unerlaubter Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge heißt das und darauf steht mindestens ein Jahr Freiheitsstrafe. Der Fall war ins Rollen gekommen, als in Spanien ein Großdealer aufflog. Im Zuge der Ermittlungen war die 49-Jährige ins Visier der Fahnder gekommen. Nach einer Telefonüberwachung war sie als Dealer überführt. Bei ihrer Vernehmung hatte sie im Frühjahr 2019 den Kitzinger als Abnehmer von 400 Gramm Haschisch, vier Platten zu 100 Gramm, angegeben.

Der Mann fand sich auf der Anklagebank wieder und verstand nach eigenen Angaben die Welt nicht mehr. "Die Frau lügt ohne Ende", sagte er. Die Frau kenne er zwar, weil sie die gleichen Vorlieben für eine besondere Art des Geschlechtsverkehrs hat. Es habe ein "neutrales Treffen" am Main gegeben. Zu mehr sei es nicht gekommen. "Die war nicht mein Typ", sagte der Mann. Betäubungsmittel seien nie ein Thema gewesen, sagte der 34-Jährige, der eine Drogenvergangenheit hat, jetzt aber die Sache hinter sich haben will.

Widersprüche in zentralen Punkten

Damit stand Aussage gegen Aussage. Es kam auf die einzige Belastungszeugin und ihre Glaubwürdigkeit an. Und da wurde es schwierig. Die Frau widersprach sich in zentralen Punkten. Bei ihren Aussage bei der Polizei hatte von mehreren Treffen gesprochen. Vor Gericht war es erst eins, dann zwei oder doch drei? Bei der Polizei war von 400 Gramm Haschisch die Rede, für das der Mann 2400 Euro gezahlt habe, gestückelt in 100- und 50-Euro-Scheinen. Vor Gericht war es plötzlich ein Kommissionsgeschäft. Der Mann habe die Ware bekommen und später bezahlt. Dann gab es noch Differenzen beim Preis, einmal waren es 2400, dann nur noch 2200 Euro.

Vor allem der Rauschgiftverkauf auf Kommissionsbasis weckte die Zweifel aller Beteiligten. Ein Geschäft auf Vertrauen mit einem fast Unbekannten und das in der Drogenszene, das ließ dann doch viele Fragen offen, zu viele. Für die Verteidigung war klar, die Frau stand bei ihrer Vernehmung bei der Polizei unter Druck. Sie sah die Chance, mit der Belastung eines anderen glimpflich aus der Sache rauszukommen. "Sie hat irgendeinen Namen genannt, dem sie die vier Platten aufs Auge drücken konnte", stellte der Verteidiger fest. So oder so ähnlich sahen es am Ende alle Beteiligten. Logische Konsequenz: Freispruch. Damit wird die Frau wohl nicht rechnen können, wenn sie im Januar vor dem Richter verantworten muss. Da geht es auch um den unerlaubten Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge.

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