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Kitzingen

Aus dem Gericht: Am Ende blieb nur der Firmenparkplatz

Führerschein weg, Familie weg, Wohnung weg: Nach einer Alkoholfahrt ist das Leben eines 59-Jährigen aus den Fugen geraten – jetzt saß er erneut auf der Anklagebank
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Vor dem Gericht in Kitzingen: eine Trunkenheitsfahrt (Symbolbild). Foto: Volker Hartmann

Die Arbeit und ein Leben im Auto auf dem Firmenparkplatz: Das war zeitweise alles, was einem 59-Jährigen geblieben ist. Der Produktionshelfer hatte nach einer Alkoholfahrt den Führerschein, dann die Familie und die Wohnung verloren. Was ihm blieb, war die Arbeit: Um an den Arbeitsplatz zu kommen oder sich Lebensmittel zu besorgen, setzte er sich fünfmal ans Steuer, ohne Fahrerlaubnis.

Dafür präsentierte ihm das Kitzinger Amtsgericht jetzt die Rechnung: 4900 Euro (140 Tagessätze zu 35 Euro) für vorsätzliches Fahren ohne Fahrerlaubnis. Was den Mann vermutlich noch härter trifft: Erst in einem Jahr kann er eine neue Fahrerlaubnis beantragen.

Polizei erwischte ihn fünf Mal ohne Führerschein

Mit einer Verurteilung wegen Trunkenheit im Verkehr hat sich im Frühjahr 2018 das Leben des Arbeiters total verändert. "Ich haben alles verloren, Führerschein, Familie und die Wohnung", sagte er dem Gericht. Was ihm blieb, war die Arbeit. Als Produktionshelfer arbeitet er seit über 20 Jahren bei einer Firma im Landkreis. Mithilfe von Bekannten schaffte er in der Regel den Weg zur Arbeit und wieder zurück. Das klappte aber nicht immer: Zweimal ist er auf dem Weg zur Arbeit am Steuer seines Autos von der Polizei erwischt worden. Als der die Wohnung verloren hatte, campierte er in seinem Auto auf dem Firmenparkplatz seines Arbeitgebers. Um Lebensmittel zu besorgen, ist er dann noch dreimal mit dem Auto gefahren – und wieder erwischt worden.

Die Fahrten hatte er bei der Polizei eingeräumt und mit dem Hinweis auf seine schwierige Situation auch in der Verhandlung zugegeben. Damit standen die fünf vorsätzlichen Fahrten ohne Fahrerlaubnis fest. Der Staatsanwalt sah einmal die "Dreistigkeit", sich trotz des Verlusts der Fahrerlaubnis hinter das Steuer zu setzen, aber auch die Umstände, die den Mann dazu brachten. 180 Tagessätze zu 45 Euro (8100 Euro) hielt er für angemessen, "um auf das Unrecht und die individuelle Schuld angemessen zu reagieren". Dazu eine Sperre von sieben Monaten bis zur Neuerteilung einer Fahrerlaubnis.

Die verlängerte das Gericht auf zwölf Monate. Dafür kam der Mann bei der Geldstrafe mit 140 Tagessätzen zu 35 Euro besser weg. Aber auch an der wird er Mann zu knabbern haben, auch wenn er inzwischen nicht mehr auf dem Firmenparkplatz campieren muss.

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