GROßLANGHEIM

Aufgehübschte Gößweinstein-Wallfahrer zuhause empfangen

Kurz vor den ersten Häusern Großlangheims auf einer Anhöhe von Kleinlangheim kommend: Die Gößweinstein-Wallfahrer stecken sich Blümchen an, richten ihre Kleidung, trinken noch einen Schluck, zünden die Kerzen an. „Einmal aufhübschen bitte“, heißt es am Mittwochabend für die Pilger, bevor sie in den Ort einziehen und dort traditionell mit Blumen empfangen werden.
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Kurz vor dem Ziel: Die Großlangheimer Wallfahrer sind am Mittwochabend aus Gößweinstein zurückgekehrt. Foto: Foto: Barbara Herrmann

Kurz vor den ersten Häusern Großlangheims auf einer Anhöhe von Kleinlangheim kommend: Die Gößweinstein-Wallfahrer stecken sich Blümchen an, richten ihre Kleidung, trinken noch einen Schluck, zünden die Kerzen an. „Einmal aufhübschen bitte“, heißt es am Mittwochabend für die Pilger, bevor sie in den Ort einziehen und dort traditionell mit Blumen empfangen werden.

Allerdings ist die Gruppe trotz des üblichen Stopps kurz vor dem Ziel fast zu flott unterwegs. 19.30 Uhr war im Pfarrbrief angekündigt gewesen. Als die 46 Teilnehmer des zweitägigen Rückwegs (59 meisterten heuer den Hinweg am Samstag und Pfingstsonntag) rund 20 Minuten früher an der Hauptstraße ankommen, eilen Familie, Freunde und weitere Begrüßer schnell herbei.

Sie treffen auf strahlende Jugendliche, Frauen und Männer, die eine fünftägige „Schönwetter-Wallfahrt“, wie es Karola Böhm ausdrückt, hinter sich haben. Nass geworden sind die Langemer während des Marsches heuer nicht, nur am Pausentag, dem Pfingstmontag in Gößweinstein, öffnete der Himmel seine Schleusen. Regen und Hagel lassen sich allerdings recht gut aushalten, wenn man gerade beim Mittagessen sitzt.

Gut 100 Kilometer beträgt die einfache Strecke von Großlangheim bis zu dem Wallfahrtsort in der Fränkischen Schweiz mit seiner von Balthasar Neumann erbauten Basilika. Von den rund 140 Pilgergruppen jährlich legen die Großlangheimer damit den weitesten Fußmarsch zurück.

Seit 1977 keine Wallfahrt verpasst hat Otto Sterk, der Vorsitzende des Wallfahrervereins. Es sei alles glatt gelaufen heuer, sagt er hinterher zufrieden. Nur relativ kalt war's, „uns hat's öfter mal gefroren“. Acht Grad zeigte das Thermometer morgens in Pommersfelden, wo die Pilger zwischendurch übernachteten.

Logistische Leistung

Der gesamte Ablauf ist logistisch ausgeklügelt, drei Fahrzeuge mit Koffern, Instrumenten und dem Tagesbedarf begleiten den Tross. Fahrer sowie die Träger der Fahnen und des Wallfahrtsbildes – immerhin 16 Kilo schwer – wechseln sich ab. Das holzgeschnitzte Prozessionsbild weise mit der Zahl 1852 auf das Gründungsdatum des Wallfahrervereins hin, erklärt Otto Sterk. Die Tradition der Wallfahrt von Großlangheim nach Gößweinstein reicht aber weitaus länger zurück. Noch heute erfüllen die Langemer mit ihrem weiten Marsch ein Gelübde aus dem 18. Jahrhundert, als man vor pestartigen Seuchen verschont blieb.

Dieses Versprechen ist gleichermaßen Herausforderung, sagt der Vorsitzende. Gerade für Neulinge, von denen heuer zwei dabei waren. „Es ist immer weiter, als man es sich vorher vorgestellt hat.“ Nur gut, wenn dann vor der Ankunft zuhause noch Zeit fürs Aufhübschen bleibt.

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