Kitzingen

Aufgebrachter Angeklagter: Vom Brillantring verlockt

Aus dem Gericht: Ein 38-jähriger Frührentner ist bekennender Drogenkonsument und hat sich nicht im Griff. Doch nun bekommt er enge Grenzen gesetzt.
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Betrunken Rad gefahren und ein Diebstahl - das brachte einen vorbestraften Kitzinger jetzt fast ins Gefängnis. Foto: Oliver Berg (dpa)

Wenn der Angeklagte und der Zeuge unisono vor Gericht von einem "Verkaufsgespräch" sprechen, heißt das nichts anderes, als dass der Besucher vorbeikam, um Drogen an den Mann zu bringen. Bei einem dieser Besuche im Januar dieses Jahres passierte es: Der Drogenverkäufer, ein 38-jähriger Frührentner, sah einen Brillantring auf dem Tisch liegen. Als der Wohnungsinhaber, ebenfalls ein Rentner, kurz in einen Nebenraum ging, schnappte sich der Besucher den 745 Euro teuren Ring und verschwand schließlich damit.

Dieser Diebstahl, den der Angeklagte bestreitet, war indes nicht der einzige Vorfall, der den 38-Jährigen vor Gericht brachte. Da gab es im Juni vergangenen Jahres beispielsweise noch eine Trunkenheitsfahrt mit dem Rad: Am Hindenburgring in Kitzingen fiel der Mann früh gegen halb vier Uhr auf, weil für seine Schlangenlinien die Straße kaum ausreichte. Mit Drogen zugedröhnt, konnte der Mann kaum unfallfrei absteigen, als ihn die Polizei anhielt.

Denkwürdiger Auftritt

Schließlich war da noch ein denkwürdiger Auftritt im Kitzinger Landratsamt vergangenen Sommer. Der Mann schrie herum, führte sich auf, war gar nicht zu bändigen. Grund für die Erregung: ein Bußgeldbescheid.

Den Auftritt in der Behörde kann man sich insofern lebhaft vorstellen, als der Angeklagte auch während seiner Verhandlung nur schwer an sich halten kann: Allen fällt er ins Wort, mischt sich ständig ein, kommentiert und echauffiert sich. Immer ganz knapp vor einem Verwarnungsgeld. Die Schreierei im Landratsamt blieb nicht ohne Folgen: Für die entsprechende Abteilung gab es seinerzeit ein Hausverbot.

Hausverbot missachtet

Ein Monat später verstieß der 38-Jährige dann gegen das Hausverbot: Er stand genau an den Türen, die ihm verwehrt worden waren. Dass der Fall am Ende doch nicht gerichtlich geahndet wird, liegt an einem kuriosen Zufall: An jenem Tag befand sich ein Großteil der Mitarbeiter auf Betriebsausflug. Weshalb das Gericht davon ausging, dass der Mann bei seiner vergeblichen Suche nach Ansprechpartnern womöglich auch in dem Bereich Ausschau hielt, für den er eigentlich Hausverbot hatte.

Während dieser Fall somit eingestellt wurde, sah das Gericht die Trunkenheitsfahrt und den Diebstahl jedoch als erwiesen an.  Nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass der 38-Jährige über ein Dutzend Vorstrafen und sich weiterhin nicht im Griff hat, gab es diesmal ein ganzes Paket an Strafen: Zum einen ist da eine sechsmonatige Freiheitsstrafe, die zu drei Jahren Bewährung ausgesetzt wird. Dazu kommen 100 Stunden gemeinnützige Arbeit. Außerdem muss der Mann, bekennender Drogenkonsument, seine Sucht in den Griff bekommen und regelmäßig entsprechende Tests machen lassen. Und er muss die 745 Euro für den Ring an die Versicherung zurückzahlen, die den Schaden zwischenzeitlich übernommen hatte.

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