Kitzingen

Auf der Erfolgswelle

Es ist eine Erfolgsgeschichte, von der Touristen und Einheimische gleichermaßen profitieren. Der Main ist zum Ausflugsziel geworden.
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Urlaubsstimmung: Der Main hat sich zum Freizeitgebiet gemausert. Möglichkeiten gibt es genug, beispielsweise Fische fangen an der Kanuanlegestation in Marktbreit.
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Es ist eine Erfolgsgeschichte, von der Touristen und Einheimische gleichermaßen profitieren. Der Main ist zum Ausflugsziel geworden.

Das Projekt „Gelbe Welle“ war ursprünglich für Kanutouristen gedacht. Weithin sichtbar stehen die auffälligen Informationsschilder an den Ufern des Mains und informieren über die Wegstrecke und die Sehenswürdigkeiten des jeweiligen Ortes. Die Bademöglichkeiten am Mainufer sind längst ein Teil der Attraktionen.

„Wir waren die ersten, die bei dem Projekt mitgemacht haben“
Horst Reuther Bürgermeister Albertshofen

Beispiel Marktbreit: Zwischen Sportgelände und Mainbrücke ist ein Erholungsgelände entstanden, das von Einheimischen und Touristen gleichermaßen frequentiert wird, wie Bürgermeister Erich Hegwein versichert. Halbkreisförmig ist eine Badebucht angelegt worden, in der auch kleine Kinder gefahrlos planschen können, für die Kanuwanderer ist eine Ein- und Ausstiegsplattform gebaut worden, die angrenzende Wiese kann zum Zelten genutzt werden. In unmittelbarer Nähe ist ein Kinderspielplatz entstanden und die Fläche für die Wohnmobilisten entsteht gerade – inklusive Ver- und Entsorgungsstation sowie Internetzugang. „Wir haben uns den Tourismus auf die Fahnen geschrieben“, sagt Hegwein.

Und die Stadt lässt sich den Ausbau der Infrastruktur am Main einiges kosten. Spielplatz und Badebucht schlagen mit 261 000 Euro zu Buche, für den Wohnmobilstellplatz und die notwendige Zufahrt sind 385 000 Euro veranschlagt. Die Kanuanlegestelle und die Gelbe-Welle-Schilder haben ebenfalls 261 000 Euro gekostet. Für die letztgenannte Maßnahme gab es einen Zuschuss in Höhe von 75 000 Euro aus der Leader-Förderung.

Die Investitionen in das Projekt „Gelbe Welle“ und in die nachfolgenden Maßnahmen dürften im Landkreis Kitzingen die Halbe-Millionen-Euro-Grenze deutlich überschritten haben. Förderanträge haben die Gemeinden Volkach, Segnitz, Kitzingen, Nordheim und Marktbreit gestellt. Alleine diese Maßnahmen summieren sich auf 370 000 Euro. Dazu kommen Projekte, die von den Gemeinden selbst initiiert wurden. Voller Lob ist deshalb auch die Vizepräsidentin Freizeitsport im Bayerischen Kanuverband, Elisabeth Winter-Brand, über die gebündelten und gut organisierten Aktivitäten im Landkreis Kitzingen. „Die Landkreise Würzburg und Main-Spessart haben sich leider nicht so gut eingebracht“, bedauert sie. Dort wurde es den Kommunen selbst überlassen, ob sie sich an dem Projekt beteiligen. Im Landkreis Kitzingen war das Landratsamt federführend.

Ein paar Kilometer flussaufwärts von Marktbreit tummeln sich an warmen Sommerwochenenden Dutzende Sonnenhungrige vor der historischen Kulisse von Sulzfeld. Aus dem ehemaligen Sportplatz und dem unansehnlichen Parkgelände ist ein beliebtes Freizeitgelände geworden. Ingrid Henning-Luckert betreibt dort seit vier Jahren einen schmucken Verkaufswagen mit Außengastronomie. „Bei schönem Wetter brummt es hier“, sagt sie. Die Einheimischen kommen nach der Arbeit auf einen Sprung in den Main oder ein Volleyballspiel vorbei, die Radtouristen stoppen ebenfalls gerne. „Nur schade, dass der Radweg nicht bis Segnitz durchgeht“, bedauert sie. „Das hält gerade Familien mit kleinen Kindern ab, die die Straße nicht benutzen wollen.“

Von Fahr bis Segnitz haben sich alle Gemeinden am Main im Landkreis Kitzingen an dem Beschilderungsprojekt für die „Gelbe Welle“ beteiligt. Sehr zur Freude von Susanne Müller. „Wir wollen Kirchturmdenken vermeiden“, sagt die Geschäftsführerin des Tourismusverbandes „Fränkisches Weinland“. Im Gegensatz zum Wandern oder zum Radfahren wird das Kanuwandern zwar immer ein Nischenprodukt im Tourismussektor bleiben. „Aber es ist ein attraktives Zusatzangebot, das wir gerne bewerben.“ Sichtbares Zeichen dieser Aussage ist eine neue, 115 Seiten starke Broschüre mit dem Titel „Freie Fahrt mit Kanu & Kajak“. Von Kulmbach bis Aschaffenburg wird die rund 360 Kilometer lange Bootswanderstrecke beschrieben und beworben. „Die Broschüre ist gut nachgefragt“, freut sich Müller.

Auf ihrer Fahrt durch den Landkreis Kitzingen kommen die Kanuwanderer natürlich auch an Albertshofen vorbei. Direkt neben der Fähre ist ein Badestrand entstanden, der vor allem von den Einheimischen genutzt wird. „Wir waren die ersten, die bei dem Projekt mitgemacht haben“, sagt Bürgermeister Horst Reuther. Auf eine professionelle Planung haben die Albertshöfer allerdings verzichtet. In Eigenregie sind Kanuanlegestelle und Badebucht angelegt worden. Die Kosten lagen laut Reuther weit unter 5000 Euro.

Zusammen mit dem Wohnmobilstellplatz sei die Anlage ein echter Gewinn für den Ort. Die örtliche Gastronomie, die Bäcker und Metzger profitieren von den zusätzlichen Gästen. Und die Einheimischen haben vor der eigenen Nase einen Platz zum Abkühlen und Entspannen.

Zu den ersten Gemeinden, die das Projekt umgesetzt haben, gehörte auch die Winzergemeinde Nordheim. „Wir sind froh, dass wir mitgemacht haben“, sagt Bürgermeister Guido Braun. 48 000 Euro für den Kanuanleger und 10 000 Euro für den Strand mitsamt Strandkörben sind gefördert worden. Die örtliche Jugend und Familien mit Kindern nehmen die Bademöglichkeit an. Gerade wird der Wohnmobilstellplatz von 25 auf 50 Plätze erweitert. Ein WC-Container und eine Stromversorgung sind geplant. Braun würde das Angebot gerne Richtung Volkach erweitern. „Die Gastronomie und die Heckenwirtschaften vor Ort profitieren von den Gästen“, sagt er.

Der Main ist zum Ausflugsziel geworden. Gäste und Einheimische bevölkern die neu geschaffenen Uferbereiche. Und ins Wasser können sie sich unbedenklich wagen. Die Qualität wird regelmäßig überprüft. Keine Beanstandungen heißt es aus dem Landratsamt in Kitzingen.



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