Dettelbach

Auf Denkmalschutztour durch Dettelbach Bedarf diskutiert

Gut zwanzig Dettelbacher hatten sich am Marktplatz versammelt, um gemeinsam mit Sabine Weigand von den Grünen einen Rundgang durch die Altstadt zu machen. Seit November 2018 ist Weigand denkmalschutzpolitische Sprecherin im bayerischen Landtag und bereist aktuell auf ihrer Denkmalschutztour verschiedene Orte in Bayern. Laut Pressemitteilung ist es ihr wichtig, Positivbeispiele zu sammeln, aber auch festzustellen, wo es noch Bedarf gibt.
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Auf ihrer Denkmalschutztour machte Sabine Weigand, denkmalschutzpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, auch Halt in Dettelbach, um mit Einheimischen die historische Altstadt zu besichtigen. Foto: Julia Gilfert
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Gut zwanzig Dettelbacher hatten sich am Marktplatz versammelt, um gemeinsam mit Sabine Weigand von den Grünen einen Rundgang durch die Altstadt zu machen. Seit November 2018 ist Weigand denkmalschutzpolitische Sprecherin im bayerischen Landtag und bereist aktuell auf ihrer Denkmalschutztour verschiedene Orte in Bayern. Laut Pressemitteilung ist es ihr wichtig, Positivbeispiele zu sammeln, aber auch festzustellen, wo es noch Bedarf gibt.

Eine Stadt mit hohem Potential

Wie die fränkische Toskana mute der Ort mit seinen schmalen Gassen und schiefen Häuschen an, sagte sie angesichts des Dettelbacher Stadtbildes. Einzig Cafés fehlten noch, ergänzte Weigand mit einem Augenzwinkern. Insgesamt sieht sie – trotz des allgegenwärtigen Leerstands – viel Potential im Altstadtkern. Auch die beinahe vollständig erhaltene Stadtmauer stieß auf Begeisterung bei der engagierten Denkmalschützerin. Darüber, ob der Rundweg entlang der Mauer für Touristen ausgeschildert werden müsste, wurde kontrovers diskutiert.

Spätestens dort, wo die Würzburger Straße in die Schweinfurter Straße mündet, werde deutlich, dass Dettelbach nach Weigands Ansicht eine Autostadt sei. Wenige Bürgersteige, keine Fußgängerüberwege, ein Strom an Autos, der sich zu den Stoßzeiten durch die Engstelle am historischen Rathaus drückt, zählte sie auf. "Nicht einmal der Marktplatz ist verkehrsberuhigt", sagte sie.  Weigand sieht die Dettelbacher Altstadt im Würgegriff zweier Staatsstraßen: eine verwehrt den Zugang zum Main, die andere durchschneidet die Altstadt mit Schwerlastverkehr. Ein Verkehrskonzept, das man ihrer Ansicht nach überdenken sollte.

Baudenkmäler als Anker in die Vergangenheit

Auch wegen des Leerstands brauche Dettelbach ein Gesamtkonzept, fand Weigand. Eines, das darauf abzielt, herauszufinden, was die „historische DNA“ der Stadt sei und wohin sie sich entwickle. In diesem Zusammenhang kam die Problematik zur Sprache, dass – im Stadtgebiet wie auch in den Dettelbacher Ortsteilen – viele Privatleute ihre leerstehenden Häuser nicht sanieren wollen oder es aus finanziellen Gründen nicht können. Vielerorts, sagte Weigand, fehle es noch am Bewusstsein für das, was man besitze. „Baudenkmäler sind Anker in die Vergangenheit – wenn sie verfallen, sind sie unwiederbringlich verloren.“

Aussprache im KuK

Dass das nicht sein muss, zeigte Fritz Herrmann, der die Gruppe in den Innenhof seines Wohnhauses – die alte Posthalterei – führte, das er in jahrelanger Arbeit saniert hat. Mit diesem positiven Beispiel endete der Rundgang und die Beteiligten erreichten das Kultur- und Kommunikationszentrum. Dort fand bei einem Gläschen Wein eine Aussprache statt, bei der Sabine Weigand ihre Eindrücke nochmals zusammenfasste. Sie machte deutlich, wie sehr sie es bedauere, dass die staatliche Förderung für den Denkmalschutz in den letzten zwanzig Jahren kontinuierlich zurückgefahren wurde. Im Landtag möchte sie sich deshalb für höhere Fördergelder und ein einfacheres Antragsverfahren stark machen. In Weigands Augen müsse der Denkmalschutz flexibler werden, damit auch energieeffiziente Sanierungen möglich seien.

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