"Es ist schwer für ihn, das einzuräumen, aber er hat sich doch dafür entschieden", erklärt der Verteidiger Jochen Kaller. Die Anklageschrift zu bestätigen war das einzig Richtige. "Das hat ihn gerettet. Ohne sein Geständnis wäre das ganz anders ausgegangen", sagte Richter Marc Betz.

Mit etwas Gewinn weiterverkauft


Und was gab es zu gestehen? Der Angeklagte hat im Zeitraum von September 2009 bis Dezember 2009 insgesamt vier mal Amphetamin gekauft. "Ich habe ungefähr zehn bis 15 Prozent selbst konsumiert und den Rest für zwei, drei Euro mehr weiterverkauft", erzählt der 32-Jährige. Er habe die Drogen aber nicht an verschiedene Personen, sondern immer nur an ein und denselben verkauft.
Die ganze Sache hat einen Hintergrund: "Er ist konservativ geprägt und hatte eine Freundin. Es hat ihn also sehr gestört, dass er arbeitslos war und wenig Geld hatte", meint der Bewährungshelfer des
32-Jährigen. Bewährungshelfer? Der Angeklagte handelte auf offener Bewährung. Im Jahr 2006 wurde er ebenfalls wegen Handels mit Betäubungsmitteln verurteilt. Die Freiheitsstrafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Allerdings war diese im Jahr 2009 noch nicht abgelaufen und somit ist der 32-Jährige Bewährungsversager. Eigentlich keine guten Aussichten für den Angeklagten.
Doch es gibt noch einiges, was für ihn spricht: "Er war von Anfang an motiviert, Arbeit zu finden. Die Schichtarbeit in der Produktion hat ihn aufleben lassen", meint der Bewährungshelfer. "Er hat ein gutes Verhältnis zu seiner Familie, besonders zu seiner Mutter hat er eine sehr enge Beziehung."

Rückhalt in der Familie


Der 32-Jährige bestätigt dies: "Meine Familie steht voll hinter mir und hilft mir, dass ich keine Drogen mehr nehme." Denn wie der Angeklagte eingesteht: "Ich bin hyperaktiv. Wenn ich beschäftigt bin, ist alles gut. Sobald ich aber nichts zu tun habe, kommt die Sucht in mir hoch." Das ist auch einer der Gründe, warum er neben der Schichtarbeit seiner Schwester in deren neu gekauften Haus hilft. Der 32-Jährige weiß, dass sich etwas ändern muss: "So kann es nicht weitergehen, ich habe schon mit meinem Arbeitgeber gesprochen. Eine Beurlaubung ohne Bezahlung für ein Jahr Therapie ist möglich." Er habe außerdem auch schon die Kostenübernahme für die Therapie beantragt.
Auch in Sachen Zukunft hat der 32-Jährige Pläne: "Ich will mir ein Haus kaufen. Es ist alles geklärt, ich wollte aber noch die Verhandlung abwarten, bevor ich zum Notar gehe." Der Bewährungshelfer erinnert sich, dass der Angeklagte schon einmal ein Haus im Blick hatte: "Das Dorf und die Nachbarn haben mitbekommen, dass er auf Bewährung ist und haben den Besitzer gebeten, einen anderen Käufer zu suchen." Das habe den 32-Jährigen hart getroffen.

Nochmal gut gegangen


Die Staatsanwältin und der Verteidiger waren sich am Ende einig und fordern eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die zu einer Bewährung von vier Jahren ausgesetzt werden soll. Auch Betz hatte gegen diese Lösung nichts einzuwenden: "Die Bewährungszeit ist gut gelaufen, er hat einen festen Job, gute Verhältnisse in der Familie. Außerdem hat er die Abhängigkeit eingesehen und schon eine Kostenübernahme beantragt."
In der Geldauflage gab es allerdings unterschiedliche Meinungen bei den beiden Parteien. Der Richter entschied sich für die Höhe von 2000 Euro. Zusätzlich wird ihm eine einjährige Therapie auferlegt. "Die Therapie machen Sie nicht fürs Gericht, die Therapie machen Sie für sich", verdeutlichte Betz.
Weder der Verteidiger, noch die Staatsanwältin wollen Rechtsmittel gegen die Entscheidung einlegen, das Urteil ist also rechtskräftig.