Münsterschwarzach am Main
Weltmissionstag

Arbeit der Missionare in der Abtei vorgestellt

Etwa 2000 Menschen kamen am Sonntag nach Münsterschwarzach, um sich über die Arbeit der Missionare zu informieren. In Brasilien gibt es mehrere drängende Probleme.
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Mit ihren Unterschriften sprechen sich viele Besucher beim Missionsfest in Münsterschwarzach gegen das brasilianische Staudammprojekt "Belo Monte" aus.  Fotos: Pfannes
Mit ihren Unterschriften sprechen sich viele Besucher beim Missionsfest in Münsterschwarzach gegen das brasilianische Staudammprojekt "Belo Monte" aus. Fotos: Pfannes
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Brasilianische Lebensfreude gepaart mit fränkischer Herzlichkeit erlebten mehr als 2000 Besucher beim Weltmissionssonntag in Münsterschwarzach. Während die Benediktinermönche in die Abteikirche einzogen, sangen die Mitglieder des brasilianischen Chores "Vozes do Brasil" die beschwingte Ouvertüre.

Mitten unter den Brüdern und Patres war Bischof Erwin Kräutler. Der Geistliche aus Altamira in Brasilien zelebrierte den Gottesdienst. Beim Gesprächsforum zum Thema "Amazonien" erzählte er vom Kampf der brasilianischen Kirche für die Rechte der Indios, bei dem schon viele seiner Weggefährten ihr Leben lassen mussten. "Ich lebe unter Polizeischutz", erklärte Bischof Kräutler. Der gebürtige Österreicher gilt als unermüdlicher Kämpfer und hat vor 25 Jahren nur knapp einen Mordanschlag überlebt.

Die Begegnung mit den Mönchen aus Münsterschwarzach und dem christlichen Leben am Amazonas stand für die Gäste der Traditionsveranstaltung im Mittelpunkt. Schon bei der Anfahrt wurde dem Besucher aufgrund der großen ausgewiesenen Parkflächen klar, dass bei den Benediktinermönchen ein großes Fest stattfindet.

Urwald wurde abgeholzt


Seit 32 Jahren ist Erwin Kräutler Bischof der Diözese Xingu im Amazonasgebiet. In der einstigen Kleinstadt Altamira hat er in dieser Zeit einen unglaublichen Wandel miterlebt. Das Städtchen wuchs von einst 4000 Einwohnern auf heute 120.000 Menschen. Mit Bedauern musste der "Dom Erwin", wie ihn die Einheimischen nennen - mit ansehen, wie der Urwald rund um Altamira abgeholzt wurde. Die vielen Menschen mussten ja irgendwie untergebracht und versorgt werden.

"Ich kann teilweise 250 Kilometer am Stück fahren und sehe keinen einzigen Urwaldbaum mehr", erzählte der Seelsorger von überdimensionalen Viehweiden und monokulturellen Plantagen multinationaler Unternehmen. "Diese Probleme beschäftigen mich sehr. Mit jedem gefällten Baum wird der Lebensraum der Ureinwohner immer kleiner."

Der Bischof aus Altamira ist stets unterwegs für die Sache des Lebens. Riesige Projekte wie der Bau des Belo Monte Staudamms sind für ihn schon fast "Völkermord". Bei dem Stauseeprojekt soll etwa ein Drittel der Stadt Altamira überflutet werden. Die Heimat von 40.000 Indios ist damit bedroht. "Vielleicht steht unsere Kathedrale in ein paar Jahren auch im Wasser", warf der Bischof fragend in die Runde.

Weil das Staudammprojekt die Lebensgrundlage der Ureinwohner in der Diözese Xingo gefährdet, waren in der Turnhalle des Egbert-Gymnasiums Unterschriftenlisten gegen das Vorhaben ausgelegt. Viele Besucher trugen sich ein, um ihre Solidarität zu zeigen und ihre Meinung kund zu tun. "Dom Erwin" hofft auf die tatkräftige Unterstützung der deutschen Bischofskonferenz. Denn auch deutsche Firmen wollen bei dem Projekt mitmachen.

30 Seelsorger sind zu wenig


Fortschritt beim christlichen Leben am Amazonas ist nur langsam möglich. 30 Seelsorger sind dort aktiv - in einem Gebiet so groß wie Deutschland. Für eine Pfarrei mit rund 80 Kirchenstandorten ist nur ein Priester zuständig, unterstützt von einigen Ordensschwestern.

Lebhaft diskutiert wurde diese Entwicklung in der Gesprächsrunde mit Moderatorin Bernadette Schramma, Pirmin Spiegel (Misereor), Christiane Hetterich und Christoph War-muth (Diözese Würzburg). Laut Christiane Hetterich von der Diözesanstelle Mission-Entwicklung-Frieden habe man in Würzburg ebenfalls eine Unterschriftenaktion durchgeführt, die Indios im Kampf gegen einen Bergbaukonzern unterstützte. "Ohne solche Hilfe könnten wir nicht arbeiten", antwortete Bischof Kräutler.

Beim Weltmissionssonntag wurden aber nicht nur Probleme und Konflikte besprochen. Unterhaltung und Kurzweil machten sich am Nachmittag auf dem Klostergelände breit. Die kleinsten Besucher durften sich bei der Märchenstunde, beim Pferdezirkus und beim Kutschenfahren amüsieren. Große Anziehungskraft hatten der "Markt der Möglichkeiten" und der Elektroflohmarkt. Die Klosterküche zeigte sich wieder einmal von ihrer leckersten Seite. Lebensfreude gibt es eben trotz all der Schwierigkeiten und Aufgaben auf der ganzen Welt - am Amazonas und am Main.

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