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Wiesentheid

Apotheke reagiert auf Corona: Plexiglas und Drive-In gegen Viren

Apotheken haben derzeit extra viel Arbeit. Neben einem Ansturm an Kunden sind besondere Schutzmaßnahmen gefragt. Eine Apotheke in Wiesentheid hat sich etwas einfallen lassen.
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Medikamente am Drive-In-Schalter in Wiesentheid: Nicht nur Patricia Warta bevorzugt zur Zeit diese Lösung, anstatt die Apotheke von Johannes Lechner zu betreten. Foto: Andreas Stöckinger
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Schnell gehandelt haben mit Johannes und Eva Lechner die Betreiber der Franconia-Apotheke in Wiesentheid, was den Schutz ihrer Mitarbeiterinnen vor einer möglichen Infektion mit dem Corona-Virus betrifft. An den Schaltern dort stehen seit einigen Tagen die mobilen Scheiben aus Plexiglas, die die Angestellten von den Kunden trennen. Der Schutz soll die Möglichkeit einer Ansteckung des Personals mit den Coronaviren durch Tröpfchen-Infektion verringern.

Der Kunde bemerkt erst beim genaueren Hinsehen, dass da zwischen ihm und dem Personal noch was ist. Unterhalb der Plexiglasscheibe ist eine Lücke als Durchreiche, durch die Medikamente und Geld hin und her übergeben werden. Die Möglichkeit einer Ansteckung reduziert sich damit deutlich. Denn: "Wir gehören zu den Branchen, die als Letzte schließen. Wir müssen extrem aufpassen und die Mitarbeiter schützen. Was sie derzeit leisten, ist eh der Wahnsinn", schildert es Apotheker Johannes Lechner.

Er las vor etwa zwei Wochen einen Beitrag im Internet von einem Kollegen in Nordrhein-Westfalen, der sich zum Einbau von Plexiglas entschloss. Klingt interessant, dachte Johannes Lechner. "Wir haben daraufhin mal unseren Einrichter kontaktiert, und gefragt, was er davon hält. Er sagte, er habe einige auf Vorrat gefertigt. Wir überlegten nicht lange und haben welche bestellt", schildert es Eva Lechner. Da der Unternehmer in Wiesentheid wohnt, sei es schnell gegangen. Wenige Tage später war der Schutz installiert.

Kunden zeigen Verständnis für Schutzmaßnahmen

Das möchten nun viele aus der Branche ebenfalls möglichst schnell haben, die Nachfrage ist enorm, so dass derzeit erhebliche Wartezeiten auf das Plexiglas bestehen. In der Wiesentheider Apotheke ist Johannes Lechner froh, dass er den zusätzlichen Schutz eingebaut hat. Die Kunden zeigten Verständnis und fänden es positiv, die Scheiben werden regelmäßig gereinigt.

Mit Mundschutz könne sein Personal nicht arbeiten, weil man selbst kaum welchen auf Vorrat habe, geschweige denn verkaufen könne. "Den Bestand, den wir haben, brauchen wir für das Labor. Ich kann im Moment nichts bestellen."  Ähnlich, so Lechner, sei es bei Desinfektionsmittel. "Bestimmt hundert Anfragen" habe man täglich, schätzt Lechner. Auch hier bekommt er kaum etwas geliefert, die Nachfrage ist nahezu explodiert. Nur in dringenden Fällen werde welches ausgegeben, und wenn, dann verkaufe man es nur in kleinen Mengen.

Was den momentanen Betrieb in der Franconia-Apotheke betrifft, da geht es Johannes Lechner wie den meisten seiner Kollegen. Wenn er um 7.30 Uhr öffnet, beginnt gleich der Andrang der Kunden. "Im Moment ist die Hölle los. Wir haben einen großen Ansturm, weil sich die Leute mit normalen Medikamenten eindecken, diese scheinbar bunkern, weil sie glauben, es gibt irgendwann vielleicht keine mehr", beschreibt er es.

Für Apotheker sind 350 Medikamente nicht zu bekommen

Ob die Menge, die mancher sich verschreiben lässt, überhaupt irgendwann verbraucht wird, bezweifelt der Pharmazeut. Der Großhandel habe enorme Lieferschwierigkeiten bei den Medikamenten. Das gehe "querbeet durch die gesamte Palette". Das Problem sei nicht neu in der Branche, im Moment seien rund 350 Arzneimittel, die er normalerweise auf Lager habe, einfach nicht zu bekommen.

Wer nicht in die Apotheke möchte, der kann in Wiesentheid auch den Auto-Schalter nutzen. Er wurde im Zuge des Neubaus des Ärztehauses im Jahr 2013 gleich mit eingerichtet. Ähnlich wie etwa bei Schnellrestaurants, gibt es dort einen Drive-In: Der Kunde fährt mit dem Auto an den Schalter an der Seite, reicht sein Rezept in die Durchreiche und wartet, bis der Angestellte ihm die Medikamente überreicht. Das werde derzeit auch um einiges häufiger als sonst genutzt, hat Johannes Lechner festgestellt. "Hier wird der Mindestabstand auch eingehalten, das ist gut." Mehr zu tun hat momentan der Lieferservice, der die Tabletten zuhause bei den Patienten vorbeibringt. Gleich zwei Fahrer sind momentan täglich im Einsatz.

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