So hat es die Polizei gern: Schriftlich, aber anonym, wurde der Inspektion Kitzingen im März 2011 mitgeteilt, dass ein Kraftfahrer aus dem Landkreis Kitzingen mit der synthetischen Droge "crystal speed" handelt und manchmal sogar selbst zum Einkaufen nach Tschechien fährt. Seine Handynummer stand auch auf dem Zettel. Aus dem Hinweis wurde ein Volltreffer.
In dieser Woche wurde der Kraftfahrer mit großem Kundenstamm und guten Kontakten zu Lieferanten wegen mehr als 30 Drogengeschäften, von einem halben bis zu 60 Gramm, illegaler Einfuhr und Besitz, zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt. Für das Gericht war es ein absolut ungewöhnlicher Fall, denn der Angeklagte habe erst "im hohen Alter" von 27 Jahren überhaupt mit dem Drogenkonsum begonnen und sei dabei gleich, ohne die sonst üblichen Einstiegsdrogen wie Haschisch, LSD oder Marihuana, an das schnell abhängig machende, gefährliche "crystal speed" geraten.
Ungewöhnlich für den Deliktsbereich war für die Richter auch, dass der Angeklagte zum ersten Mal überhaupt vor Gericht stand. Die Staatsanwältin Monika Schramm bedankte sich in ihrem Plädoyer bei ihm ausdrücklich dafür, dass er Namen aus der Szene genannt und so weitere Ermittlungen möglich gemacht hat.
Bei den Drogengeschäften sei es dem Angeklagten, so sein Verteidiger, nicht ums schnelle Geld gegangen, sondern allein darum, sich als Abhängiger aus dem Verkauf des Rauschgifts seinen eigenen Konsum zu finanzieren. Für 50 Euro pro Gramm hatte der Angeklagte eingekauft, den Stoff dann gestreckt und das Gramm für 100 Euro an seine Kunden weiter gegeben.
"Ohne umfangreiches Geständnis und die nicht ungefährliche Preisgabe von Namen aus der Szene wäre die Strafe erheblich höher ausgefallen", sagte der Vorsitzende Richter Hans Brückner. Damit habe der Kraftfahrer für sein weiteres Leben gerade noch rechtzeitig die Notbremse gezogen.
Da der Mann, der als Zehnjähriger aus Kasachstan nach Deutschland kam, an einer Therapie selbst sehr interessiert ist, wird in der schriftlichen Urteilsbegründung stehen, dass die Strafvollstreckung deswegen zurückzustellen ist. Die Möglichkeit, Verurteilte schnell in die Therapie zu bringen, gibt Paragraph 35 des Betäubungsmittelgesetzes vor.
Der anonyme Hinweis, der die Polizei auf die Spur dieses Dealers geführt hatte, war vom Absender offensichtlich bewusst mehr gekrixelt als geschrieben. Er handle mit harten Drogen, die er sich in "Zhechien" besorgt, stand da. " Hört ihn ab, dann wissen Sie mehr".
Darauf wurde eine Telefonüberwachung angeordnet mit bereits am ersten Tag sehr interessanten Gesprächen: Da meldete sich der Angeklagte auf der Rückfahrt aus Tschechien und teilte einem Geschäfts-Partner mit, dass er leer zurück fahre, die Vietnamesen seien alle festgenommen worden.
Tatsächlich hatte es am Tag vorher, so ein Beamter von der Rauschgift-Fahndung, auf dem bekannten Vietnamesen-Markt in Cheb (Eger) eine Razzia mit zahlreichen Festnahmen gegeben, bei der unter anderem ein Labor für synthetische Drogen ausgehoben worden war.
Der überwachte Angeklagte teilte bei der Heimfahrt aus Tschechien mehreren Kunden über Handy ganz korrekt mit, dass die Fahrt ein Flop war und dass er ihnen das Geld, das sie ihm zum Einkaufen gegeben hatten, wieder vorbei bringen werde.
Der anonyme Hinweis auf den crystal speed-Händler kam vermutlich, so Prozessbeteiligte, von einer ehemaligen, langjährigen Freundin.