Kitzingen

Ankreuzen

Bei Landtagswahl und Bundestagswahl geht es viel um das Ankreuzen, womit man als Bürger seine Stimme für die eine oder andere politische Partei deutlich machen kann. Das Kreuz – ein Zeichen politischer Willensbildung und Selbstbestimmung.
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Wahl: Ankreuzen gilt als Zeichen demokratischen Lebens. Foto: Foto: Farkas

Bei Landtagswahl und Bundestagswahl geht es viel um das Ankreuzen, womit man als Bürger seine Stimme für die eine oder andere politische Partei deutlich machen kann. Das Kreuz – ein Zeichen politischer Willensbildung und Selbstbestimmung.

Das Kreuz hat eine lange Geschichte. Schon seine Herkunft aus dem lateinischen Wort „crux, crucis“ zeigt sein Alter. Im Römischen Reich wurden Kreuze auch schon zu politischer Willensbildung eingesetzt. Allerdings gerade nicht von den Bürgern, sondern im Gegenteil, von der Staatsmacht: Wer aufbegehrte, wer Veränderungen wünschte, wurde gekreuzigt. Zu Jesu Zeiten galt Israel, oder Palästina, wie es die Römer nannten, als Unruheherd. Bekannt ist jene Geschichte, als die Römer auf der halben Strecke von Jerusalem nach Jericho Kreuze und Gekreuzigte zur Abschreckung ausstellten. Steuererhöhungen sollen übrigens damals schon häufiger Grund für Aufstände gewesen sein, die regelmäßig am Kreuz endeten.

Wenn das Kreuz heute als Abstimmungssignal einer friedlichen Demokratie verstanden wird, so kann man dieses mit Fug und Recht als großen Fortschritt bezeichnen. Diese Demokratie haben wir schätzen und lieben gelernt. Mit den Jahrzehnten ist dieses Liebesverhältnis etwas in die Jahre gekommen. Manch einer schätzt die Chance des Wählen könnens gering ein. Das ist schade, lebt doch die Demokratie von der Meinungsäußerung ihrer Bürger.

Das Kreuz ist so vom Zeichen der Unterdrückung zu einem Zeichen demokratischer Freiheit geworden, von etwas Schlechtem zu etwas ganz besonders Gutem.

Bedenkenswert ist, dass das Kreuz auch im religiösen Bereich eine ähnliche Wandlung mitgemacht hat. Die Kreuzigung Jesu galt damals als Schandmal, den Römern zur Abschreckung für Menschen, die Aufstände wagten. Der religiösen Oberklasse Israels damals ebenfalls als Zeichen der Abschreckung dafür, wie man mit religiös anders Denkenden umzugehen gedachte. Welche Wandlung zum Heilszeichen der Christenheit dieses Kreuz durchgemacht hat, hätten sich die damals Verantwortlichen wohl kaum träumen lassen.

Für uns Christen gilt das Kreuz heute als Zeichen der Versöhnung. Das mag schwer verständlich klingen. Aber es gilt: Wie groß muss die Liebe Gottes zu uns Menschen sein, wenn er bei all den menschlichen Schwächen und Gemeinheiten, die Jesus ans Kreuz gebracht haben, Vergebung und Gnade walten lässt. All denjenigen, die so schnell nach Vergeltung oder Rache rufen, sei dies ein mahnendes positives Beispiel.

Für uns Christen ist das Kreuz auch zum Zeichen der Hoffnung geworden. Zeichen dafür, dass mit dem Tod nicht alles zu Ende ist. Der Gedanke einer Zukunft jenseits unserer Todeslinie bringt eine neue Perspektive in unser Leben. Wir müssen nicht mehr ängstlich darauf bedacht sein, alles Mögliche im Leben an uns zu raffen. Wir können gelassen leben und teilen: Wir haben noch eine lange Zukunft vor uns.

Nehmen wir also das Kreuz als gutes Zeichen an. Benutzen wir es in der Demokratie beim Wählen und im Glauben zum Zeichen der Hoffnung für unser Leben.

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