Kitzingen
Tierquälerei

Angeschossen und angefressen

Ein junges Kätzchen und ein Kaninchen haben erleben müssen, wie grausam Menschen sein können.
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Mit einem Schrotgewehr hat ein Unbekannter auf dieses Kätzchen geschossen. In einer Quarantänebox erholt es sich nun von seinen Wunden. Fotos: Tierschutzverein Kitzingen
Mit einem Schrotgewehr hat ein Unbekannter auf dieses Kätzchen geschossen. In einer Quarantänebox erholt es sich nun von seinen Wunden. Fotos: Tierschutzverein Kitzingen
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Seine grünen Augen leuchten. Ganz zutraulich kommt das Kätzchen auf die Pfleger im Kitzinger Tierheim zu, will schmusen. Obwohl es noch vor wenigen Tagen Schreckliches durchgemacht hat, hat es das Vertrauen in die Menschen nicht verloren.

Iris von Crailsheim vom Kitzinger Tierschutzverein kann es nicht fassen. Innerhalb von nur acht Tagen gab es im Landkreis zwei Fälle von Tierquälerei. Wenn sie sieht, was den Tieren angetan wurde, leidet auch sie. Das junge Kätzchen, das jetzt im Tierheim wieder aufgepäppelt wird, ist mit Schrot beschossen worden. Keinen Deut besser erging es einem Kaninchen. Völlig verwahrlost brachte es die Besitzerin in einem Pappkarton ins Tierheim. Es war bereits von Maden angefressen - jede Hilfe kam zu spät. "Es starb auf dem Weg zum Tierarzt", erzählt Angela Drabant, die Leiterin des Kitzinger Tierheims.

Dass Menschen so grausam sein können, kann Iris von Crailsheim nicht verstehen. "Die Frau, die das Kaninchen brachte, hat noch nicht mal ein Unrechtsbewusstein an den Tag gelegt", erzählt sie. Dass ihr eine Anzeige wegen grober Tierquälerei droht, ist zumindest ein kleiner Trost - auch wenn das das kleine Häschen nicht mehr lebendig macht. Die Besitzerin gab an, dass das Tier bereits innerhalb der Familie von einem zum nächsten geschoben worden war. Zuletzt lebte es in einem offenen Käfig auf dem Balkon. Es muss dort sowohl der Hitze als auch dem Starkregen der letzten Tage ausgesetzt gewesen sein, vermutet Iris von Crailsheim. "Schutzlos war es Schmerzen und Qualen ausgeliefert."

Das ganze Ausmaß der Quälerei wurde den entsetzten Tierpflegern erst bewusst, als sie das Tier nach der Annahme näher untersuchten. Beim Anheben des Tieres seien die Maden in Scharen heruntergefallen. Das Hinterteil war bereits angefressen. "Die Menschen, die Verantwortung für dieses Tier übernommen haben, haben es zu Tode gequält." Iris von Crailsheim schaudert. Fälle von Tierquälerei seien selten. Dass jetzt gleich zwei Fälle aufgefallen sind, also eher ein Zufall.

Die verletzte Katze war einer Hundebesitzerin beim Gassigehen aufgefallen. In der Nähe einer Wiese auf Albertshöfer Gemarkung hatte sie das merkwürdige Verhalten des Tieres bemerkt. Die Tierfreundin fing das Kätzchen ein und brachte es auf dem schnellsten Weg zum Tierarzt. Der stellte einen Bruch des linken Vorderbeines fest. Zudem entdeckte er auf einem Röntgenbild, dessen Kosten die Finderin übernahm, Schrotkugeln in der Schulter und im Halsbereich.

Mittlerweile geht es dem knapp einem Jahr alten Kätzchen schon wesentlich besser, auch wenn vorerst noch "Boxenruhe" verordnet ist. Der Bruch muss noch verheilen. Wie Angela Drabant informiert, hat sich ein Besitzer bisher nicht gemeldet - neun Tage ist der Vorfall nun schon her. Die Katze war nicht gechipt und auch nicht kastriert.

"Wenn sich nach zwei Wochen niemand meldet, dann kommt auch keiner mehr", vermutet Iris von Crailsheim. In der Regel ist es so, dass Fundtiere nach vier Wochen vermittelt werden. Gesetzlich haben die Besitzer jedoch ein halbes Jahr Anspruch auf "ihr Tier", müssen dann aber auch sämtliche Auslagen tragen.

Anders als bei manch anderen Tierheimen ist in Kitzingen die Annahme von Tieren kostenlos. "Wer sein Tier loswerden will, der zahlt nicht auch noch dafür", weiß Angela Drabant aus Erfahrung - und hofft, dass sie es so vermeiden kann, dass Tiere einfach ausgesetzt werden.
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