Prichsenstadt

Angelseen werden zu Ausgleichsflächen

Sie werden schon seit dem Oktober 2017 nicht mehr so genutzt, wie sie hätten genutzt werden sollen: Die vier kleinen Seen im südwestlichen Bereich des Prichsenstadter Ortsteils Järkendorf.
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Sie sind jetzt keine Angelseen mehr, sondern werden dem Ökokonto der Stadt Prichsenstadt zugeschlagen: die Angelseen in Järkendorf. Foto: Guido Chuleck

Sie werden schon seit dem Oktober 2017 nicht mehr so genutzt, wie sie hätten genutzt werden sollen: Die vier kleinen Seen im südwestlichen Bereich des Prichsenstadter Ortsteils Järkendorf. Ende Oktober 2017 hatte die Gemeinde den Pachtvertrag mit dem Angelverein auslaufen lassen, der die Seen als Angelseen genutzt hatte. Den Verein gibt es nicht mehr, und die bisherigen Pächter "haben die Seen und die Fläche drumherum nicht fachgerecht in Schuss gehalten, so dass eine nahtlose Weiterverpachtung nicht in Frage kam", so Prichsenstadts Bürgermeister René Schlehr in der Ratssitzung am Donnerstagabend. Der Bauhof musste anrücken, um zum Beispiel den Durchlauf vom dritten zum vierten See wieder aufzupeppen. Jetzt wären die Angelseen wieder bereit für neue Pächter, doch das Interesse ist eher mau.

Deshalb hatten sich der Bürgermeister und Hartmut Brick, dem Fachreferenten für Naturschutz und Landschaftspflege von der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Kitzingen, gemeinsam die Seen in Augenschein genommen. "Ich habe dabei erfahren, dass wir diese Flächen ohne großen Aufwand in unser Ökokonto aufnehmen können", schlug Schlehr den Bogen zu seinem eigenen Antrag in der Sitzung: Die Seen sollen nicht für die Fischerei verpachtet, sondern dem Ökokonto der Stadt zugeführt werden. 

Sucht eine Kommune beispielsweise eine Ausgleichsfläche für ein Baugebiet, muss sie dafür eine Fläche schaffen, falls sie keine "vorrätig" hat. Ist diese Fläche jedoch vorhanden und wird sie nicht in Anspruch genommen, darf die Kommune zehn Jahre lang pro Jahr drei Prozent der Ausgleichsfläche wegrechnen. Im Falle der Angelseen in Järkendorf wären das bei einer Fläche von 6330 Quadratmeter in zehn Jahren 633 Quadratmeter Bauland.

Und: "Wir würden dadurch auch einen aktiven Beitrag zum Naturschutz leisten, weil in dieser Fläche die Artenvielfalt an Pflanzen und Insekten erhalten bleiben kann", so der Bürgermeister weiter. Großen und teuren Aufwand müsse der Bauhof auch nicht betreiben, "vielleicht einmal im Jahr das Schilf zurückschneiden, das war's auch schon". Weil sich seit dem Ende der Pacht nur ein Interessent bei der Stadt gemeldet hatte, dessen Interesse bald schon verpufft war, bestimmte der Rat mit 15:1 Stimmen, die ehemaligen Angelseen seinem Ökokonto einzuverleiben.

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