DETTELBACH

An der Schleuse: Voller Einsatz rund um die Uhr

Der Main ist gesperrt Seit Montag steht der Schiffsverkehr auf dem Main für 16 Tage still: Seither ist die Schleuse in Dettelbach eine Baustelle. 100 Leute sind sieben Tage in der Woche 24 Stunden im Einsatz.
Artikel drucken Artikel einbetten
Gute Übersicht: Der „Kommandostand“ der Schleuse ist derzeit leer. Foto: Foto: Hans Will
+4 Bilder
"

Seit Montag herrscht Schifffahrtssperre auf dem Main. Die dauert 16 Tage und die nutzt das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Schweinfurt, um einige der 19 Schleusen in seinem Zuständigkeitsbereich zu überprüfen, Reparaturen durchzuführen und die in die Jahre gekommenen Schleusentore auszutauschen. Ein Schwerpunkt ist Dettelbach.

Dort hat sich das Gelände um Schleuse und Staustufe in eine Großbaustelle verwandelt. In der gut 55 Jahre alten Schleuse wird ein Teil der für das Bau- und Instandhaltungsprogramm im Bereich der WSA Schweinfurt vorgesehenen 3,2 Millionen Euro verbaut – mit Hochdruck. „Wir haben rund 100 Leute sieben Tage in der Woche 24 Stunden im Einsatz“, sagte der zuständige Außenbezirksleiter mit Sitz in Volkach, Arnold Bitterlich, beim Baustellenbesuch am Dienstag.

Die Mitarbeiter der Stahlbau- und weiterer Spezialfirmen aus ganz Deutschland arbeiten Hand in Hand und an verschiedenen Stellen gleichzeitig. „Das ist auch nötig“, sagte Bitterlich mit Blick auf den „strengen“ Terminplan. Die Vorgabe ist klar: Am Mittwoch, 29. April, um 12 Uhr heißt es wieder „Freie Fahrt“ für die Schifffahrt auf dem Main. Die ist übrigens seit zwei Jahren informiert über das, was mit der Schifffahrtssperre auf sie zukommt. Sie konnte sich darauf einstellen, ist in der Zeit auf dem Rhein oder der Donau unterwegs oder lässt die Schiffe überholen.

Damit auf den Tag genau in zwei Wochen wieder geschleust werden kann, sind die Experten in diesem Jahr in Dettelbach besonders gefordert. Die Vorbereitungen für die Maßnahmen laufen seit Monaten, manche seit Jahren. Die Liste ist lang: Trockenlegung der Schleusenkammer, Erneuerung der Mauerplattenträger, Ausbau der drei alten und Einbau von drei neuen Schleusentoren, Einbau von neuen Nischenpollern und die Bauwerksinspektion stehen an.

Am Montag, 12 Uhr, hat es mit der Trockenlegung angefangen. Beim Ortstermin am Dienstag ist die Kammer trocken, beeindruckt mit einer Tiefe, die man so nicht so oft sieht. In der Nacht noch wurden die alten Tore ausgebaut. Die sechs zwischen 29 und 39 Tonnen schweren Flügel des Oberhaupt-, Mittel- und Unterhaupttores liegen am Ufer. Dass sie zwischen 30 und gut 50 Jahre alt sind, sieht man ihnen an. „Die müssen rechtzeitig erneuert werden“, sagte Bitterlich. Denn eines darf nicht passieren: Der Stop der jährlich rund 6000 Schiffe, die allein auf dem Main oberhalb von Würzburg rund sechs Millionen Tonnen Güter transportieren wäre eine Katastrophe. Um die zu vermeiden, gibt es die jährliche Schifffahrtssperre und die genauen Überprüfungen.

Neben den alten und mit Muscheln besetzten Toren am Ufer bereiten die Stahlbauer die neuen Tore auf ihren Einsatz vor. „An allen Toren wird gleichzeitig gearbeitet“, sagte Bitterlich. „Da sind mehrere Trupps unterwegs, sonst ist der Zeitplan nicht zu schaffen“.

Der ist besonders eng, weil zum Austausch der Tore die Erneuerung der so genannten Mauerplattenträger kommt. Die sind aus Stahl, bis zu elf Meter hoch, werden mit Beton ausgegossen. Durch Sie wrid der Wasserdruck auf die Tore in die massiven Wände eingeleitet. Die alten Träger aus dem Beton zu sägen, sie herauszunehmen und die neuen einzusetzen, ist ebenso eine Knochen- wie Millimeterarbeit. „Da geht es um 0,2 Millimeter“, sagte einer der Monteure – und das teilweise bei Dunkelheit und immer unter Zeitdruck.

Den gibt es auch beim Austausch der 160 Nischenpoller. Die sind über die Schleusenkammer verteilt und zum Festmachen der Schiffe beim Auf- und Ab des Schleusens da. Auf zwölf Hebebühnen gleichzeitig soll das in zehn Tagen erledigt sein. Erledigt oder zumindest urlaubsreif dürfte bis dahin auch Bitterlich sein. Aber wenn bis zum 29. alles klappt, ist das zu verkraften, sagte er und hofft vor allem auf gutes Wetter. Noch ein Faktor, der den Zeitplan durcheinanderbringen kann. Nach der Sonne vom Dienstag ist das derzeit allerdings kein Thema.

Die Schleuse Dettelbach

Zuständigkeit: Die Dettelbacher Schleuse ist eine von 19 Schleusen zwischen Vierreth und Rothenfels im Zuständigkeitsbereich des Wasser- und Schifffahrtsamts Schweinfurt (WSA). Sie wird von der Fernsteuerzentrale in Marktbreit aus ebenso gesteuert wie die Schleusen in Goßmannsdorf, Marktbreit und die in Kitzingen-Hohenfeld.

Bau: Fertigstellung Schleuse: 1957, Wehr: 1958; Inbetriebnahme: 1959

Schleuse: Oberwasser: 187,70 Meter über dem Meeresspiegel, Unterwasser: 182,20 Meter. Die Fallhöhe beträgt 5,50 Meter.

Abmessungen: Schleusenkammer: 300 mal zwölf Meter. Obere Teilkammer: 114,50 Meter; Untere Kammerlänge: 167,60 Meter.

Bootsanlage: 12,5 mal 2,5 Meter.

Quelle: Wasser- und Schifffahrtsamt Schweinfurt

Kommentare (0)

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.