Hubschrauber über den Weinbergen, Windmaschinen auf der Rebfläche, Kerzen zwischen den Rebzeilen. Die Aktionen, die fränkische Winzer und Weinbau-Behörden in den vergangenen Nächten gestartet haben, mögen beim Laien Kopfschütteln hervorrufen. Spinnen die jetzt total?

Nein, das tun sie nicht. Sie haben schlicht und einfach aus schlechten Erfahrungen gelernt. Erfahrungen, die nicht nur ärgerlich waren, sondern gravierende negative Folgen hatten. Es war die Nacht des 4. Mai 2011, die sich als lehrreich herausstellen sollte. Völlig unerwartet fielen die Temperaturen deutlich unter den Gefrierpunkt. An der Vegetation, die zu diesem Zeitpunkt schon recht weit war, hinterließ der Frost Spuren – folgenreiche Spuren für die Ernte 2011. Manche Winzer kamen mit Verlusten von zehn bis 30 Prozent noch relativ gut davon, in einigen Weinlagen wurde der Jahrgang dagegen zum Totalausfall. Die wirtschaftlichen Auswirkungen waren zum Teil immens. Logisch, dass jetzt die Alarmglocken schrillten, als Nachtfrost angekündigt war.

Schon im Juli 2011 hatte man über die Idee gesprochen, Hubschrauber einzusetzen, um die Folgen von Frostnächten im Frühjahr einschränken zu können. Andere Länder wie Neuseeland und Australien waren diesen Weg damals bereits gegangen. Vor zwei Jahren gab es dann erste Versuche in Franken. Bei -4 Grad am Boden und -1,5 Grad an den Reben in den Sommeracher Weinbergen stieg der Hubschrauber nun am frühen Mittwoch- und Donnerstagmorgen erneut auf. In den nächsten Tagen werden die Pflanzen genau im Blick behalten, die Messungen der verschiedenen Versuche – Hubschrauber, die die Luftschichten verwirbeln, Windmaschine und Kerzen – ausgewertet. Je nach Ergebnis, werden die Rotoren und Kerzen in frostigen Frühjahrsnächten für uns vielleicht bald zum ganz normalen Anblick werden. Statt den Kopf zu schütteln werden wir uns auf einen guten Tropfen im folgenden Jahr freuen.