VOLKACH

Altort-Serie: Mit 63 zurück ins Elternhaus

Roman Wagner und seine Frau Andrea renovieren ein denkmalgeschütztes Haus in Volkachs Altstadt. Mit einem Experten – und viel Idealismus – gehen sie das Großprojekt an.
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Blick in den Innenhof: Wo früher die Mistgrube war, lässt es sich jetzt schon gemütlich sitzen und eine Kaffeepause machen. Foto: Barbara Herrmann
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Wenn die Lage einer Immobilie tatsächlich das wichtigste Kriterium für deren Wert ist, haben Andrea und Roman Wagner alles richtig gemacht: Das Haus, mit dessen Renovierung sie gerade beginnen, steht in der Sommeracher Straße in Volkach, das Obere Tor und somit die Altstadt sind nur einige Schritte entfernt. Ebenfalls gleich ums Eck liegt Volkachs Einkaufszentrum mit Supermärkten, Drogerie und Apotheke. „Die Lage ist unschlagbar, wir haben hier alles vor der Haustür“, sagt Roman Wagner begeistert.

Anwesen nach dem großen Brand 1859 gebaut

Doch für den 63-Jährigen zählt noch etwas ganz anderes. Er ist hier aufgewachsen, im Flur hängt eine Schwarz-Weiß-Fotografie, auf der seine Großmutter als junge Frau aus einem Fenster im ersten Stock schaut. Deren Mann Johann Wagner war Volkachs letzter Ochsenbauer, wie sein Enkel nicht ohne Stolz erzählt. Gebaut wurde das Anwesen vermutlich um 1860, nachdem am 18. Juli 1859 die gesamte Volkacher Vorstadt (Sommeracher Straße bis Oberer Markt) abgebrannt war. Bis 2005 lebte Roman Wagners Mutter noch in dem Haus. Die Spuren dieses Lebens sind im Inneren noch zu sehen: Bücherregale warten darauf, ausgeräumt zu werden, alte Teppiche auf ihre Entsorgung.

Diese Arbeiten sind für die kommenden Monate geplant. Zum Jahresende soll dann der Umbau beginnen und die ersten Gewerke wollen loslegen. „Für unser Alter ist das eine Herausforderung“, sagt die 53-jährige Andrea Wagner. Doch ihr Sohn Fabian wird mitanpacken, wenn es sein Job in Frankfurt am Main zulässt. Zudem haben sich die Wagners mit Bauingenieur Rainer Fuchs einen Fachmann ins Boot geholt, der bereits das denkmalpflegerische Konzept erstellt hat. Das sieht unter anderem vor, „Raumaufteilungen, Fenster- und Türöffnungen sowie historische Oberflächen“ zu erhalten.

Gewölbekeller als perfekter Lagerraum

Wagner und Fuchs setzen auf die gute Substanz des Einzeldenkmals. Die Wände sind trocken, der feuchte Gewölbekeller hat selbst bei Hitze noch kühle zehn Grad und bietet somit optimale Bedingungen, um Gemüse und Obst zu lagern. Die Erfahrung des Experten, der selbst in einem historischen, aufwändig sanierten Winzerhof in Sommerach lebt: „Am besten fürs Haus sind arme Vorbesitzer, dann ist das Haus ursprünglich erhalten.“ Einbauten aus der Nachkriegszeit mit ihrem Drang zur Moderne seien oft Fremdkörper, die zurückgebaut werden müssen. Von denen gibt es bei Wagners wenige.

An dem Gebäude mit seinen dicken Backsteinmauern und dem bereits erneuerten Dach wird sich von außen kaum etwas verändern. Drinnen hält moderne Technik Einzug. Die Außenwandflächen etwa werden von innen gedämmt, eine Wandheizung wärmt die Räume zukünftig. In den ehemaligen Stall ziehen Hauswirtschafts- und Heizraum ein. Größte Veränderung im Wohnbereich wird das neue Wohnzimmer sein. Es entsteht ebenso wie Schafzimmer und Bad im Dachboden der Scheune, der zuvor nur als Lagerraum genutzt worden war. Der Clou: Eine Loggia wird dort viel Luft und Licht in den neuen Wohnraum lassen.

Große Strapazen, aber auch große Vorfreude

So sollen 185 Quadratmeter Wohnfläche plus eine ähnlich große Nutzfläche auf dem 240 Quadratmeter großen Grundstück entstehen. Zudem gibt's einen kleinen Innenhof mit gemütlicher Sitzecke. Trotz der bevorstehenden Strapazen ist sie groß, „die Vorfreude auf ein schönes, altes Haus mit Wohnkomfort mitten in der Stadt“, sagt Andrea Wagner.

Ihr Mann fügt hinzu: „Man muss Interesse mitbringen – und einen gewissen Idealismus.“ Doch auch bei ihm überwiegt die positive Erwartung. Zudem fühlen sich beide mit Rainer Fuchs an ihrer Seite gut beraten. Einen Fachmann einzubinden, ist ohnehin ein Tipp Roman Wagners, der zwar selbst Bauingenieur ist, allerdings für Straßen- und Brückenbau. „Kopflos kann man ein solches Projekt nicht angehen“, betont der Volkacher. Unbedingt sollte man sich auch schlau machen, ob es beispielsweise Fördergelder für den denkmalpflegerischen Mehraufwand gibt.

100 Jahre zuvor hatte der Opa dort eingeheiratet

Für sein Elternhaus rechnet Wagner mit einem Zuschuss. 1919 hatte sein Großvater dort eingeheiratet. Genau 100 Jahre später, Ende 2019, möchte dessen Enkel mit seiner Frau dort einziehen – und in der Altstadt einen neuen Lebensabschnitt beginnen.

Kaum Leerstand in Volkachs Altstadt

Ulla Gistel-Gareiß von der Bauverwaltung freut sich über die positive Entwicklung Volkachs:

Leerstände gibt's aktuell nur geschätzte fünf im Volkacher Altort, ein Leerstandskataster gibt es nicht. Auch gewerbliche Immobilien im Bereich der Hauptstraße finden erfreulicherweise immer wieder Nachnutzer.

Die Städtebauförderung habe sehr zu dieser positiven Entwicklung beigetragen, seit der Altort von Volkach 2000 zum Sanierungsgebiet erklärt worden ist. Das kommunale Förderprogramm gewährt für die äußerliche Gestaltung (Dach, Fenster, Fassade etc.) einen Zuschuss von 30 Prozent, maximal rund 10 000 Euro.

Die Einwohnerzahl in Volkachs Stadtgebiet ist leicht gestiegen in den vergangenen zehn Jahren: Hauptwohnsitz in Volkach (ohne Ortsteile) hatten 2007: 4992 Einwohner - 2017: 5079. Inklusive Ortsteile waren es 2007: 8999 - 2017: 8771.

Die zehn Ortsteile zeigen zum Teil Bevölkerungsverluste,darum gab es Bürgerworkshops zur Innenentwicklung. Das Amt für Ländliche Entwicklung fördert Verbesserungsmaßnahmen privater Grundstücksbesitzer. bh

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