Obervolkach

Altes Schulhaus: Vom Traum zur ausgezeichneten Wirklichkeit

Was passiert, wenn Sohn und Vater gemeinsam in die Schule gehen? Eine historische Obervolkacher Schönheit wird zum Leben erweckt und gewinnt einen Preis.
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Es ist geschafft! Melissa Schlingloff und Martin Brändlein stehen auf dem Treppe ihres renovierten Hauses, dem ehemaligen Schul- und Rathhaus in Obervolkach. Foto: Hanns Strecker / Archiv Brändlein
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Jahrzehnte lang schlummerte in Obervolkach das etwa 1875 erbaute Schul-und Rathhaus – wird tatsächlich mit zwei H geschrieben, weil hier früher die Räthe tagten – im Dornröschenschlaf. Noch bis Mitte der Siebziger Jahre war im Obergeschoss die Schule untergebracht. Zwei Klassen. Eine mit Kindern der ersten vier Jahrgangsstufen, daneben die der oberen Klassen. Unten befand sich die Gemeindeverwaltung mit dem Rathszimmer und einer Lehrerwohnung.

Als Obervolkach 1978 nach Volkach eingemeindet wurde, verstummte der Kinderlärm. Das Haus stand leer und der Zahn der Zeit fing an zu nagen. Lediglich die Lehrerwohnung war noch einige Jahre von einer Person  bewohnt. Bis etwa Mitte der Neunziger. Dann entdeckte Martin Brändlein die schlafende Schönheit. "Das war genau mein Ding", sagt Brändlein vom gleichnamigen Antiquitäten- und Kunsthandwerkgeschäft in Volkach. Er suchte schon lange mit seiner Partnerin Melissa Schlingloff ein altes Haus auf dem Land, mit genügend Raum für seine Werkstatt.

"Ein Glücksfall. Hier war ein Objekt, das unseren Vorstellungen entsprach", schwärmt er noch heute. "Keine schlimmen Kaputtrenovierungen und sehr viel Originalsubstanz. Ein Traum!" 2007 entschlossen sie sich zum Kauf. Als erstes musste die Statik neu berechnet werden. So hing zum Beispiel der Kamin im Untergeschoss frei in der Luft. Er war weggebrochen. Weiter musste die Substanz umfangreich gesichert werden. Eine Mammutarbeit stand für den 49-jährigen Elektriker und Restaurator an, die alleine nicht zu bewältigen war. Hilfe fand er in der Verwandtschaft: Sein im Ruhestand lebender Vater stand Brändlein mit der nötigen Kompetenz zur Seite.

Spuren auf den Treppenstufen

Johannes Brändlein ist Diplom-Ingenieur und war bis zu seiner Pensionierung der stellvertretende Leiter der Fachhochschule Würzburg/Schweinfurt und Baubeauftragter für die gesamte Hochschule. Vater und Sohn bildeten ein exzellentes Team. Zuerst mussten alle Dachrinnen erneuert werden, damit kein Wasser in den Bau eindrang. Danach begann der Rückbau. Alles was an Farbe, Holz und anderen Materialien nachträglich hinzugefügt wurde, musste vorsichtig entfernt werden, um in den Ursprungszustand zu kommen.

"Die ersten Jahre waren schlimm", sagt der Hausherr. Allein die Renovierung der Originalfenster dauerte ein ganzes Jahr. Die 140 Jahre alten Eichenfenster waren in den vergangenen Jahrzehnten stark vernachlässigt  worden. Dann ging es an die Steintreppe, die die beiden Geschosse verband. Diese war mit Eisen und Zement überbetoniert worden. Alles wurde vorsichtig entfernt. Zum Vorschein kamen rötliche Sandsteinstufen. Noch heute sind die Abnutzungsspuren auf den Tritten zu erkennen.

18 000 Arbeitsstunden

Jahr für Jahr renovierten Vater und Sohn Brändlein Zimmer für Zimmer. Zudem installierten sie die Heizungsanlage und brachten die Elektrik auf Vordermann. Zehn Jahre vergingen bis ihr Werk vollendet war. Johannes Brändlein schätzt, "dass beide gut 18 000 Arbeitsstunden geleistet haben". "Ein Millionenprojekt, wenn wir das alles mit Firmen gemacht hätten", sagt sein Sohn stolz.

Im Erdgeschoss sind zwei Ferienwohnungen entstanden. Im Obergeschoss, sozusagen in den beiden Klassenzimmer, wohnen die neuen Besitzer. "Es war uns ganz wichtig, dass das Haus kein Museum wird, sondern lebt", sagt Martin Brändlein. So ist es nicht verwunderlich, dass die Unterfränkische Kulturstiftung dieses Projekt mit dem Förderpreis zur Erhaltung der historischen Bausubstanz auszeichnete. Ein Preis, der mit 25 000 Euro dotiert ist und von den Eigentümern natürlich sofort wieder "in das Haus gesteckt wird". Insgesamt wurden von der Stiftung fünf Objekte in Unterfranken ausgezeichnet.

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