Claudia Brunner aus Geißlingen bei Martinsheim ist dafür bekannt, dass sie für den Tierschutz kämpft. Ihre "Lucky Farm" für Vierbeiner, die keiner mehr will, ist längst zur Marke geworden.
Nun hat sie ein neues Projekt ins Auge gefasst: die Gründung einer alternativen Grundschule im Maindreieck. Brunner, Jahrgang 1972, fasst ihre Motivation so zusammen: "Es sollte eine flächendeckende Bildungsvielfalt geben." Sie fragt sich, warum es eine wohnortnahe alternative Grundschule nicht schon längst in der Region gebe. In ihrer gewohnt kritischen Art stellt sie das herrschende staatliche Schulsystem in Frage und fordert: "Das System soll sich nach den Kindern richten, nicht die Kinder nach dem System." Manche Eltern hätten eine solche Furcht vor der Obrigkeit, dass sie sich nicht trauten, hier etwas zu ändern. Brunner hat keine Scheu, es mit Behörden und Paragrafen aufzunehmen. Sie ist auch nicht zu bequem, den ersten Schritt zu machen.
Um ihr Vorhaben voranzubringen, hat sich Claudia Brunner an den Marktbreiter Rechtsanwalt und Diplom-Pädagogen Professor Dr. Arnold Köpcke-Duttler gewandt. Köpcke-Duttler kann als Justiziar des Montessori-Landesverbandes Bayern wertvolle Tipps geben, auch im rechtlichen Sinne. Denn für die Gründung einer Schule müssen bestimmte Schritte gegangen werden. Gesetzliche Vorgaben müssen beachtet werden, soll das Vorhaben nicht von vornherein scheitern.
Bei einem ersten Treffen auf Einladung Brunners waren ihren Angaben zufolge knapp 20 Mitbürger aus dem Raum Ochsenfurt, Marktbreit und Kitzingen nach Marktbreit gekommen. Die Anwesenden sammelten bei dem Termin zunächst ihre Vorstellungen. Sie lauten in etwa: kleine altersgemischte Gruppen, Einzelförderung für behinderte und hochbegabte Kinder, notenfreie Bewertungsverfahren, Ganztagesbetreuung, Elternarbeit.
Eine Annäherung an die Montessori-Pädagogik scheint sich dadurch zu ergeben, weil es vor 13 Jahren schon einmal Bestrebungen gab, in Marktbreit eine Montessori-Schule zu gründen. Außerdem könnten die Sprösslinge, die den Montessori-Kindergarten "Mühlenkinder" in Marktbreit besuchen, in naher Zukunft in einer Grundschule mit gleichem pädagogischem Anspruch aufgenommen werden.
Nun müssen die Initiatoren der geplanten Schule in freier Trägerschaft eine pädagogische und gut begründete Konzeption ausarbeiten. Brunner will, dass dabei die Verschiedenheit der Kinder berücksichtigt wird, damit sie Freude an der Schule und an ihrer eigenen Leistung haben. Arnold Köpcke-Duttler rät, die Inklusion nicht zu vergessen und das grundsätzliche Recht auf inklusive Bildung in der Konzeption zu verankern. "Die Kinder, ob behindert oder nicht, sollen dort brüderlich miteinander umgehen", wünscht er sich. Nach dem bayerischen Erziehungs- und Bildungsgesetz muss der vollständige Genehmigungsantrag zur Prüfung und Genehmigung bis zum 31. März 2013 bei der Schulbehörde eingereicht sein. "Die Vielfalt des Schulwesens steht als Prinzip in der Verfassung. Eine Genehmigung darf nicht willkürlich versagt werden", macht Jurist Köpcke-Duttler Mut.
Es gibt viel zu tun, zum Beispiel, einen Standort im Maindreieck ausfindig machen. Es wird sich ein Trägerverein gründen, der dann den Plan in die Tat umsetzt und die Finanzen abwickelt. Schließlich sind Lehrer und Erzieher vielfältiger Ausbildungsrichtungen zu suchen, denn Schulen in privater Trägerschaft teilt der Staat keine Beamten zu. So geht Claudia Brunners neues Projekt Schritt für Schritt voran. Ende April soll das nächste Treffen aller Interessierten und Mitstreiter stattfinden. Dabei soll nicht nur geredet, sondern auch thematisch gearbeitet werden.