Albertshofen
Nachwuchs

Alte Traditionen jung halten

Während viele Brauchtums- und Trachtenvereine um die Existenz kämpfen müssen, haben etliche Jungtänzer ihren Spaß beim Kurs mit "Urfranke" Reinhard Hüßner - aber auch ihre Schwierigkeiten.
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Alles andere als peinlich: Auch die jüngsten Tänzer waren mit Feuereifer dabei - zum Beispiel beim Rheinländer. Fotos: Berthold
Alles andere als peinlich: Auch die jüngsten Tänzer waren mit Feuereifer dabei - zum Beispiel beim Rheinländer. Fotos: Berthold
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"In der globalisierten Welt braucht man eine Heimat", so hat Ortsbäuerin Gerlinde Geiling in Schernau bei der Dorfjugend für die Teilnahme beim fränkischen Tanzkurs geworben. Ob´s der kernige Spruch war, der sie zur Teilnahme bewegte oder der Gruppenzwang, jedenfalls haben sich zwölf Jugendliche von 12 bis 16 Jahren aus dem Ort beim fränkischen Tanzkurs des Bauernverbandes in Schwarzach angemeldet. Und dank dem begeisternden Tanzlehrer Reinhold Hüßner, der seit Jahren im Namen der Fränkischen Volksmusik Tanzkurse im ganzen Umkreis leitet, haben sie den Kurs dann auch wirklich durchgezogen.
"Obwohl ich am Anfang schon dachte, dass ich da fehl am Platz bin", gesteht Michael Frieß. "Am meisten Schwierigkeiten hatten wir mit dem Doppelschritt beim Walzer", sagt Moritz Drum.
Doch mit Hilfe der versierteren Tänzer im Kurs, haben am Ende dann doch Anfänger den Schritt intus gehabt.

Liebgewonnenes Brauchtum

Für Ursula und Bertram Weikert ist gerade der Walzer ihr Lieblingstanz. Die beiden Sommeracher haben diesmal mit "Vitus", wie Reinhard Hüßner von seinen Fans genannt wird, bereits ihren dritten Tanzkurs absolviert. Zum ersten Kurs animierten sie ihre Musikkollegen aus Wiesentheid. "Obwohl wir die Tänze schon alle können, gehe wir doch gerne am Sonntagabend zum fränkischen Tanzkurs. Wo sonst macht Bewegung so viel Spaß und ansonsten säßen wir ja doch nur vor der Glotze", bestätigt Bertram Weikert.
Hilde Valentin aus Markt Einersheim trägt ein rot-weißes Bändchen um den Oberarm geschlungen. Früher musste auf dem Tanzboden für jeden Tanz ein Zehnerl an die Musik gezahlt werden. Die Tänzer, die ganz tanzbegeistert waren, durften am Anfang gleich ein bisschen mehr zahlen und hatten dann alle Tanzrunden frei: "Von der Tradition hat uns Reinhard Hüßner im Tanzkurs erzählt und ich hab vor heute Abend keine Runde auszulassen!", lacht die junge blonde Frau im kurzen Dirndl. Ihr Tanzpartner Harald Warmuth aus Schonungen schwitzt zwar nach den drei "Schechern", die grad die Hellmsemmer Dorfmusikanten im steigenden Tempo hintereinander weg gespielt hatten, aber auch er nickt zustimmend.

Gute und sehr gute Tänzer

Ihnen gefällt die traditionelle Francaise sehr gut und auch die Figurentänze mit Partnerwechsel, wie die Sternpolka. "Da kommt Stimmung auf", auch wenn man dabei mal einem Tänzer oder Tänzerin erwischt, mit denen Schottisch oder Walzer nicht so gut harmonieren. "Der Vitus sagt, es gibt nur gute und sehr gute Tänzer", bekräftigt Harald Warmuth.
"Wir sind mittlerweile eine große Familie und heute hier in Albertshofen ist unsere Familie zwischen 12 und über 70 Jahre alt", so beschreibt es die Organisatorin des Bayerischen Bauernverbandes Gertrud Schwab. Immer wieder gerne treffen sich die Tänzer zu den Abenden mit fränkischer Musik und dabei ist es egal, ob man sich in traditionelle Tracht mit gelber Lederhose, roter Weste und langen Trachtenkleid, in Lederhose und fetzigem Dirndl oder in chicke Ausgekluft kleidet, dabei sein ist hier alles. Und als am Ende des Abends nach vielen Runden Walzer, Rheinländer und Schottisch dann das gemeinsame Abschiedslied erklang, waren sich alle Teilnehmer des Ostertanzfestes wieder mal einig. Das war "ausgezeichnet".
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