Mainstockheim

Alte Bergstollen: Einblick in die Mainstockheimer Unterwelt

Acht Jahre nachdem die alten Bergstollen in Mainstockheim entdeckt wurden, steht ihre Verfüllung an. Letzte Gelegenheit, sich die Welt unter dem Mühlweg anzusehen.
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In der Güterlore transportieren die Bergarbeiter das Abraummaterial aus den alten Bergstollen in Mainstockheim. Foto: Lisa Marie Waschbusch
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Als Bürgermeister Karl-Dieter Fuchs 2011 zum ersten Mal die ehemaligen Bergstollen unter dem Mainstockheimer Mühlweg betritt, ist es ein Gang ins Unbekannte. Acht Jahre später grüßt er die Bergarbeiter aus Sachsen beim Namen und steigt mit Warnweste und Schutzhelm wie selbstverständlich die steile Leiter hinunter. Im Inneren transportiert eine Güterlore die letzten Reste des bröckeligen Gesteins durch die dunklen Gänge. Die Begehung wird möglicherweise eine der letzten sein; die Verfüllung der ausgedienten Bergstollen mit Beton hat begonnen.

Seit Mitte Januar dieses Jahres laufen die Arbeiten in "Bruch Hoffmann" und "Bruch Reichel" – beide wurden nach den damaligen Grundstücksbesitzern benannt. "Bruch Reichel" ist geräumt und wird seit wenigen Tagen verfüllt – tonnenweise Beton fließt in den Schacht. "Bruch Hoffmann" musste noch geräumt werden. In den kommenden Tagen soll auch er verfüllt werden. "Ich hoffe, dass wir bis Mitte Juni mit allem durch sind", sagt Bürgermeister Fuchs. 

Ein Blick zurück: 2011 stellt das Bergamt Bayreuth die Hohlräume fest. Ein Einbruch der Straße kann zu diesem Zeitpunkt nicht mehr sicher ausgeschlossen werden. Die Folge: ein beidseitiges Parkverbot in der Straße und eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Tempo 30. Doch allem voran besteht das Bergamt auf eine unterirdische Sanierung. Und schon der erste Schritt ist eine Herausforderung: Dafür sucht die Gemeinde eine Firma aus der Umgebung, ohne Erfolg. Dafür gebe es in der Region zu wenig Erfahrung im Untertagebau, erklärt Fuchs. Eine Firma aus Freiberg in Sachsen hat die alten Kalkstein-Stollen nun Meter für Meter freigeräumt.

Sanierung wird offenbar teurer als geplant

Eine teure Angelegenheit für die Gemeinde , denn diese trägt die Kosten für die Verfüllung. 650 000 Euro sollte die Sanierung die Gemeinde kosten. "Wird wohl nicht reichen", meint der Bürgermeister nun mit Hinblick auf einen baldigen Abschluss des Projektes. "Es wurden mehr Hohlräume gefunden, als ursprünglich angenommen." Besonders habe ihn schockiert, wie nah der Hohlraum im "Bruch Hoffmann" der Straßendecke sei. "Hier sind noch etwa zehn bis zwölf Zentimeter Beton dazwischen", erklärt einer der Bergarbeiter.

Um die Arbeiter vor herabstürzenden Felsbrocken zu schützen, haben sie in den Stollen Stahlträger angebracht. Wenn sie das überschüssige Material herausgeräumt haben, beginnt die Verfüllung mit dem Spezialbeton. Dieser ist besonders flüssig und muss in mehreren Schichten eingefüllt werden und aushärten. Kleine Hohlräume verfüllen die Arbeiter ohne Ausräumarbeiten durch Bohrlöcher in der Straßenoberfläche.

Bislang keine Gefahr für Bewohner

Mit dem Füllen der Hohlräume unter der Straße ist das Projekt vorerst abgeschlossen, obwohl es auch einige unter den Wohnhäusern gibt. Aktuell – und damit unterscheide sich der Fall von dem des Kitzinger Tierheims  – seien keine Häuser von Schäden betroffen, sagt Fuchs. Das Bergamt habe alle vor Beginn der Baumaßnahmen auf Risse kontrolliert. Die Stollen sollen dort erst einmal zugänglich bleiben, damit die Behörde alle fünf Jahre zentimetergenau nachmessen kann, ob sich etwas verändert hat. Klar ist: "Wenn etwas gemacht werden muss, wird es bitter für die Bewohner", sagt der Bürgermeister. "Es sei denn, das Gesetz wird bis dahin geändert." Denn Bayern sei noch immer das einzige Bundesland, das dem Bürger diese Kosten auferlegt.

Als Fuchs den Bergstollen verlässt, stößt er auf eine Delle in der Straße. "Die haben wir das erste Mal im November letzten Jahres entdeckt und vermutet, dass sie mit dem Bergstollen zusammenhängt", sagt er. Sie sei größer geworden, "schlimmstenfalls ein Stollen, von dem man noch nichts weiß". Doch er ist sich sicher: "Es wird das kleinere Übel sein."

Kalksteinabbau in Mainstockheim
Der Kalksteinabbau in der Gemeinde Mainstockheim fand nach Angaben zweier verstorbener Zeitzeugen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis in die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts statt. Der Schwerpunkt lag offenbar um 1900. Betrieben wurde dieser Abbau von zahlreichen Mainstockheimer Familien als Nebenerwerb, in der Regel zusätzlich zu einer Landwirtschaft und überwiegend in den Wintermonaten.
Die großen Steine wurden als Mauersteine für das sogenannte Bruchsteinmauerwerk verwendet. Kleinere Abfallstücke wurden gebrannt. Auf diese Weise entstand Löschkalk zum Verputzen.

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