Kitzingen

Als der Saturn kleine Hüpfer machte

Hobbyastronom Thilo Nedwidek und seine überraschende Beobachtung. Erdbeben bis nach Franken nachzuweisen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Mit der richtigen Ausrüstung lassen sich Sterne und Planeten wunderbar beobachten. Thilo Nedwidek aus Volkach ist seit mehr als 20 Jahren begeisterter Hobbyastronom. Foto: Foto: Nedwidek
+1 Bild

„Das klingt absolut plausibel.“ Prof. Dr. Bernd Zimanowski zögert keinen Augenblick. Die Auswirkungen der Erdbeben von Amatrice in Mittelitalien können durchaus auf dem Kreuzberg bei Volkach registriert worden sein. Allerdings nur dank ganz besonderer Gerätschaften.

Thilo Nedwidek verfügt über solche ganz besonderen Gerätschaften. Seit seiner Kindheit beobachtet der Volkacher leidenschaftlich Sterne und Planeten, seit mehr als 20 Jahren mit entsprechenden Gerätschaften. Unter anderem hat er sich ein Teleskop angeschafft, mit dem sich – vorausgesetzt das Wetter spielt mit – der Saturn und andere Planeten beobachten lassen. Am Mittwochabend letzter Woche gab es freie Sicht, also machten sich Nedwidek und ein Freund auf den Weg zum Kreuzberg bei Volkach. Sie packten das Celestron C6 mit seiner Brennweite von 1500 Millimetern aus, richteten es auf den Sternenhimmel aus und schon konnte es losgehen.

Doch Nedwidek staunte nicht schlecht. „Der Saturn hat alle paar Sekunden kleine Hüpfer gemacht“, erinnert er sich. „Jedes Mal, wenn er durch das Gesichtsfeld des Okulars wanderte.“ So etwas hatte der 47-Jährige noch nie erlebt. Der Wind war gering, schwere Bauarbeiten im näheren Umfeld waren ausgeschlossen. „Ich sagte noch so aus Spaß, da bebt die Erde.“

Ganz Unrecht dürfte Nedwidek mit dieser Vermutung nicht gehabt haben, auch wenn die Erde nicht an der Mainschleife, sondern rund 830 Kilometer entfernt, in Mittelitalien bebte. „Wenn die Energie des Bebens an die Erdoberfläche steigt, bilden sich Oberflächenwellen“, erklärt Prof. Zimanowski vom Institut für Geografie und Geologie der Uni Würzburg. Und diese Oberflächenwellen können sehr weit „wandern“ – und sehr schnell. Die ersten Wellen, die meist nicht verspürt werden, kommen schon nach nach etwa zwei Minuten an in Franken an, die etwas größeren nach rund dreieinhalb Minuten. „Die Oberflächenwellen, die in dieser Entfernung die größten Amplituden aufweisen, dürften so nach fünf Minuten durch sein“, erklärt Dr. Joachim Wassermann vom Geophysikalischen Observatorium in Fürstenfeldbruck. An besagtem Mittwochabend ist ein kleines Beben gegen 20.40 Uhr aufgezeichnet worden.

Dutzende Seismografen hat das Observatorium in ganz Bayern aufgestellt. Die meisten am Alpenrand und in der Nähe des „Egergrabens“ an der Grenze zur Tschechei. „Im Vogtland, aber auch in der Hohen Rhön, messen wir immer wieder relativ kräftige Beben“, berichtet Dr. Wassermann. Im Vogtland gab es in den 80er-Jahren sogar Schäden an Gebäuden. „Es gibt auch in Bayern regelmäßig Erdbeben“, bestätigt Prof. Zimanowski. Anders als in Italien seien dafür aber nicht die afrikanische und die apulische Erdplatte verantwortlich, die aufeinander schieben, sondern in der Regel Hohlräume unterhalb der Erdoberfläche, die in sich zusammenfallen. „So etwas kann auch in Mainfranken passieren“, sagt Prof. Zimanowski. Im Würzburger Stadtteil Sanderau kommt es immer wieder mal zu solchen Ereignissen wegen des relativ porösen Karstgesteins. Sorgen müssten sich die Mainfranken aber nicht machen. „In Bezug auf Erdbeben liegen wir hier in einem ruhigen Gebiet“, beschwichtigt er.

„Die Wahrscheinlichkeit für ein schweres Erdbeben in Deutschland bleibt gering“, bestätigt Dr. Wassermann. Am ehesten könnte es bei Leipzig, in der Schwäbischen Alb oder im Frankenjura zu einem größeren Ereignis kommen. Als Zeitraum für diese Prognose gibt Dr. Wassermann die nächsten 450 Jahre an.



was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren