Als Angelika Howard vor 16 Jahren ihr Amt als Iphöfer Jugendbeauftragte antrat, ging Jugendarbeit so: Um eins war für die jungen Leute die Schule zu Ende, um drei kamen sie ins Jugendhaus, um acht gingen sie wieder nach Hause, zuweilen auch erst um neun oder zehn. Heute sitzen viele Jugendliche bis halbfünf nachmittags in der Schule, kommen dann nach Hause und gehen danach gar nicht mehr weg. Für Howard hat das weitreichende Folgen. „Die klassische Jugendarbeit“, sagt sie „ist ein Auslaufmodell.“

Damit sie das nicht auch wird, hat sie andere Formen entwickelt, um die Jugendlichen heute zu erreichen. Sie schauen inzwischen in der Mehrzahl während ein- oder eineinhalbstündiger Schulpausen bei ihr und ihrer Kollegin Judith Hein vorbei. „Das funktioniert gut“, sagt Howard am Montagabend beim Informationsbesuch des Iphöfer Stadtrates. Die Jugendlichen kommen in Gruppen, auf diese Weise werde auch die Schwellenangst abgebaut, das Jugendhaus überhaupt anzusteuern.

„Manche trauen sich nicht als einzelne hierher. Sie denken, das ist eine eingeschworene Gruppe“, erklärt Howard das Phänomen. Wenn sie dann einmal da waren, kommen sie immer wieder. Großteils sind es Schüler der sechsten bis neunten Klassen, die regelmäßig vorbeischauen. Ältere zwischen 15 und 18 Jahren seien inzwischen die Ausnahme – eben, weil sie durch die Ganztagsschule keine Zeit mehr hätten.

Trotz veränderter Altersstruktur ist das Jugendhaus im Laufe der Jahre zu einem „Social Point“ geworden, wie Howard den Räten erläutert, eine soziale Anlaufstelle für Probleme jeglicher Art, und wenn die Jugendlichen nach einem Streit nur ein Pflaster benötigen. Für Howard ist dies auch ein Indiz gewachsenen Vertrauens in die Einrichtung und die geleistete Arbeit. „Es hat lange gedauert. Früher hatte das Jugendhaus ja auch einen gewissen Ruf.“ Nicht den besten, dabei gebe es dort seit jeher etwa ein Alkoholverbot.

Bürgermeister Josef Mend erinnert am Montag an die Anfänge der offenen Jugendarbeit in Iphofen, als die Jugendlichen sich in einem kleinen, düsteren Raum der Alten Schule am Marktplatz trafen. Immer wieder gab es in dieser „Dunkelkammer“ (Mend) Probleme mit der Sauberkeit und mit den Anwohnern. Im April 2004 wurde dann das Jugendhaus am Herrengraben eröffnet, was seinerzeit umstritten war im Stadtrat. Mancher hielt den Standort eher für suboptimal.

Mend verteidigt die Entscheidung und sagt, aus gesellschaftlicher Sicht sei ein Jugendhaus für eine Stadt wie Iphofen unerlässlich. Das sieht auch Howard so. „Die Kinder und Jugendlichen sprechen hier über ihre Probleme und schütten uns ihr Herz aus. Sie sind für uns wie die eigenen Kinder.“