ALBERTSHOFEN

Alles andere als eine Gurkentruppe

Der Salat ist längst im Großmarkt. Jetzt, kurz nach 10 Uhr, zieht Wolfgang Gernert mit dem Traktor Hänger und Förderband über das Kohlrabi-Feld. Stück für Stück schneiden die Familienmitglieder und Helfer ab, legen das Gemüse auf das Band, oben auf dem Anhänger wird es gleich in die Kisten verpackt. Später wird Gernert erneut den Großmarkt ansteuern. Alltag in einer Albertshöfer Gärtnerfamilie.
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Handarbeit und Technik: Die Kohlrabi werden mit dem Messer abgeschnitten und aufs Förderband gelegt. Foto: Fotos: Daniela Röllinger
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Der Salat ist längst im Großmarkt. Jetzt, kurz nach 10 Uhr, zieht Wolfgang Gernert mit dem Traktor Hänger und Förderband über das Kohlrabi-Feld. Stück für Stück schneiden die Familienmitglieder und Helfer ab, legen das Gemüse auf das Band, oben auf dem Anhänger wird es gleich in die Kisten verpackt. Später wird Gernert erneut den Großmarkt ansteuern. Alltag in einer Albertshöfer Gärtnerfamilie.

Die Gärtner sind früh dran, in diesem Jahr – oder besser die Pflanzen. Wegen der milden Witterung ist die Saison für regionalen Salat und Gemüse zwei Wochen früher angelaufen als sonst. „Normalerweise ist am 1. Mai Saisonstart“, sagt Heinz Wenkheimer, Vorstandsvorsitzender der Gartenbauzentrale Main-Donau eG. Vor allem Rettich, Salat und Kohlrabi werden derzeit auf den Feldern geerntet. Unter Glas wachsen Strauchtomaten und Gurken.

Wenkheimer selbst baut auf 1,1 Hektar Unterglas Gurken und Strauchtomaten an. Im Familienbetrieb packen auch der Sohn, seine Frau und seine Eltern mit an, dazu kommen ein Saisonarbeiter und ab und zu Praktikanten, meist Studenten. Auch Auszubildende hatte er schon im Betrieb. „Aber es ist schwierig, Azubis zu finden“, weiß Wenkheimer. Der Beruf sei finanziell relativ uninteressant und von der Arbeit her anstrengend. Auch die Hitze im Sommer im Gewächshaus vertrage nicht jeder.

„„Wir bekommen immer neue Auflagen. Nicht vom Staat, sondern von den Discountern.“
Wolfgang Gernert Gärtner

Dass die Familie mit anpacken muss, ist bei den Gärtnern die Regel. Auch bei Wolfgang Gernert. Der Betrieb gehört Vater Adolf, der Sohn hat Gärtnermeister gelernt, Mutter und Patin stehen mit auf dem Feld. Auf 30 Hektar werden Kohlrabi, Salate, Rettich, Blumenkohl und Lauch angebaut, Unterglasanbaufläche haben die Gernerts nicht.

Früh um 6 Uhr geht's raus aufs Feld, der Salat wird geerntet. „Wir ernten nur auf Bestellung“, erklärt Wolfgang Gernert. Etwa zehn bis 14 Tage vorher wird mit der Gartenbauzentrale abgesprochen, was und wie viel geerntet wird, abends gibt es dann noch konkrete Absprachen für den jeweils nächsten Tag. Je nachdem, für welche Supermarktkette oder welchen Discounter geliefert werden muss, rüstet der 33-Jährige seine Anhänger mit bestimmten Kisten. Die sind je nach Kunde unterschiedlich groß, aus unterschiedlichem Material und unterschiedlich gestaltet. Kartons, Plastikkörbe und Holzkisten stehen dann später in den Hallen des Großmarktes gestapelt, mal ist die Ware mit Plastikfolie verpackt, mal liegt sie offen in der Kiste. „Wir müssen uns nach dem richten, was der Kunde verlangt“, so Wenkheimer. Und die Ansprüche werden nicht kleiner. Beispielsweise möchte eine Supermarktkette künftig Aufkleber auf jeder Gurke haben, die über die Herkunft informieren. Jedes Stück müsste dann also noch einmal einzeln in die Hand genommen werden. „Wir bekommen immer neue Auflagen“, sagt auch Wolfgang Gernert, „nicht vom Staat, sondern von den Discountern.“ So muss auch jeder einzelne Schritt von der Aussaat bis zur Ernte und Transporttemperatur dokumentiert werden.

Die Ware muss frisch beim Kunden ankommen – auf Vorrat kann und will Wolfgang Gernert nichts ernten. Schließlich dauert es vom Feld bis zum Supermarktregal sowieso zwei bis drei Tage. Die Ware wird in den Großmarkt geliefert, dort kommissioniert und wenige Stunden später abgeholt, kommt ins Zentrallager des jeweiligen Kunden und dann weiter in die Filialen. „Keiner erntet mehr als er braucht“, bestätigt auch Heinz Wenkheimer. „Die Ware wird bei uns frisch geschnitten und am gleichen Tag von uns verkauft.“ Das gelingt mit über 90 Prozent des Gemüses und Salats. Die ersten Kunden – insbesondere Supermarktketten oder Großhändler, die an Discounter liefern – sind bereits um 8 Uhr in Albertshofen, um Waren abzuholen.

Die kurzen Transportwege sind dabei natürlich ein großes Plus des regionalen Angebots. Ware aus Spanien beispielsweise hat viel längere Transportzeiten. „Wir sind ein guter Partner für die Region“, sagt Wenkheimer deshalb. Der Verbraucher wolle zunehmend regionale Produkte. Allerdings sei das Regionalkonzept nicht einfach umzusetzen. „Wir können nicht auf dem Niveau von Holland oder Belgien produzieren.“ Die dortigen Betriebe mit einer Größe von 50 Hektar hätten ganz andere Strukturen als die Familienbetriebe in unserer Region, zudem wolle man sinnvoll ökologisch und nachhaltig produzieren.

Den ganzen Vormittag über stehen die Familienmitglieder der Gernerts auf den Feldern. Nachmittags geht's an die Pflege, die Neupflanzung, das Säen. Und am Abend steht dann wieder der Kontakt mit dem Großmarkt an, um die Hänger und Kisten rüsten zu können. Alltag in einer Albertshöfer Gärtnerfamilie.

Gemüse aus der Heimat

Die Gartenbauzentrale Main-Donau eG ist 1998 aus dem Zusammenschluss der Gartenbauzentrale Gundelfingen und des Großmarktes Kitzingen hervorgegangen. Der Umsatz beträgt 20 Millionen Euro, die Freilandanbaufläche ist 700 Hektar groß. Blickt man nur auf den Bereich, der vom Team in Albertshofen betreut wird, geht es um 300 Hektar Freilandanbaufläche sowie 21,5 Hektar Unterglas. Angebaut wird in Mainsondheim, Albertshofen, Etwashausen, Segnitz und Unterpleichfeld.

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