SEGNITZ

Alles Wissenswerte rund um den Bocksbeutel

Viele Segnitzer, aber auch Prominenz, wie Landtagsabgeordneter Volkmar Halbleib, Weinbaupräsident Artur Steinmann oder stellvertretender Landrat Paul Streng waren am Sonntagvormittag zur Eröffnung der Sonderausstellung „Der Bocksbeutel – Die Entwicklung einer besonderen Flaschenform“ in die Alte Schule nach Segnitz gekommen.
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Aufmerksam: Schon bei der Eröffnung der Ausstellung “Der Bocksbeutel“ im Segnitzer Museum gab es aufmerksame Betrachterinnen. Foto: Foto: Robert Haass
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Viele Segnitzer, aber auch Prominenz, wie Landtagsabgeordneter Volkmar Halbleib, Weinbaupräsident Artur Steinmann oder stellvertretender Landrat Paul Streng waren am Sonntagvormittag zur Eröffnung der Sonderausstellung „Der Bocksbeutel – Die Entwicklung einer besonderen Flaschenform“ in die Alte Schule nach Segnitz gekommen.

In seiner Begrüßung sprach Bürgermeister Rudolf Löhr von einem „ungewöhnlichen Streifzug durch die Winzergeschichte“. Und dieser Streifzug beginnt bereits im 7. Jahrhundert nach Christus mit der Darstellung einer stark an einen Bocksbeutel erinnernden Flasche auf einem Grabstein eines fränkischen Kriegers. Ob diese Flasche allerdings bereits Wein enthielt, bleibt offen.

Überhaupt Wein: Sowohl die Ausstellung selber, als auch der Vortrag von Margarete Klein-Pfeuffer über Glas und den Bocksbeutel speziell, machten deutlich: Die Flaschenform selber ist zwar heute stark als Gefäß für Wein geprägt, es gibt aber auch heute noch ovale, flachgedrückte Flaschen, die auch Bier, Wasser oder Sekt enthalten.

Erste Glasfunde gibt es aus der Bronzezeit, Schmuck und Perlen vor allem. Was damals wohl eher zufällig beim Tonbrennen entstanden ist, entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einer hochentwickelten Kulturleistung und schon lange Jahre vor Beginn der Zeitrechnung war es möglich, nach der Entwicklung einer Glasmacherpfeife Glasflaschen zu produzieren. Einen ersten Höhepunkt erreichte die Kunst zur Römerzeit – der Niedergang erfolgte etwa zur Karolingerzeit.

Erst im 16 Jahrhundert tauchen dann wieder Glasflaschen auf. Mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts konnte Dank maschineller Produktion die Glasflasche zum Massenartikel werden. Noch zu Goethes Zeiten wäre es viel zu teuer gewesen, den von ihm geliebten Frankenwein in Flaschen zu liefern. Die Flaschenform des Bocksbeutels ist viel länger in Gebrauch, erste Funde gibt es aus Holz gedrechselt, oder auch in Ton gebrannt. Denn das flachgedrückte Gefäß war praktisch: Es konnte leichter am Körper getragen werden und rollte nicht weg.

Um 1700 dürften die ersten Objekte der Ausstellung in Segnitz stammen, allerdings sind das noch runde Flaschen. Natürlich liegt der Ausstellungsschwerpunkt auf dem Wein-Bocksbeutel, dessen Entwicklung der Schwerpunkt ist, sie zeigt aber auch andere Nutzungsmöglichkeiten und beschäftigt sich mit dem Namen Bocksbeutel.

Gut 100 Objekte zeigt die Ausstellung in der Alten Schule, zu denen am Sonntag ein weiteres gekommen sein dürfte: Volker Halbleib hatte eine Foto eines Reliefs aus der Spitalkirche Ochsenfurt dabei, das in einer Mariendarstellung auch einen Pilger mit flacher Flasche zeigt. Sie könnte aus dem frühen 15. Jahrhundert stammen.

Geöffnet ist die Ausstellung bis zum 22. März 2015 jeweils sonntags von 14 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung mit Wilhelm Lauck, Tel. (0 93 32) 94 58.

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