GNODSTADT

Aiwanger soll auf die Klötze hauen

Was den Münchnern ihr Nockherberg, ist den Freunden des kühlen Gerstensafts und der gepfefferten Reden zwischen Ochsenfurt und Kitzingen seit Jahren das Fest der Hausbrauerei Düll in Gnodstadt. Und es gibt eine Neuerung, die es in sich hat: Erstmals darf mit Hubert Aiwanger ein „Fremder“ (Freie Wähler) ans Rednerpult.
Artikel drucken Artikel einbetten
Prost: Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger soll am 2. Mai in Gnodstadt für Stimmung sorgen – nach 16 CSU-Größen seit 1998 ist das so etwas wie eine Zeitenwende. Foto: Foto: Angelika Warmuth/dpa
Was den Münchnern ihr Nockherberg, ist den Freunden des kühlen Gerstensafts und der gepfefferten Reden zwischen Ochsenfurt und Kitzingen seit Jahren das Fest der Hausbrauerei Düll in Gnodstadt.

Jedes Jahr kurz nach dem „Tag des Bieres“ (23. April) spielt die Blasmusik in der geschmückten Betriebshalle, es gibt Fränkisches wie Bratwürste oder Blaue Zipfel – und dazu bringt ein „großkopferter Schwarzer“, also ein CSU-Promi, Stimmung in die Bude.

2002 zum Beispiel war Ex-Wirtschaftsminister Michael Glos aus Prichsenstadt da, seinerzeit noch als Landesgruppenchef. Vor zehn Jahren kam Günther Beckstein nach Gnodstadt, vor fünf Markus Söder. Zuletzt brachten Christine Haderthauer (2012) und Ilse Aigner (2013) die gut 300 Festgäste in Wallung, sorgten für bierselige  Stimmung.

Frevel oder "längst überfällig"?

Der  Ursprung des Bierfests geht auf das Jahr 1996 zurück: Damals wurde noch im Festsaal des Lokals im ersten Stock gefeiert, gedacht war die Veranstaltung vor allem für die Dorfbewohner. Doch jetzt gibt es eine Neuerung, die es in sich hat, je nach Sichtweise „Frevel“ oder „längst überfällig“ ist: Erstmals darf am Freitag, 2. Mai (19 Uhr), mit Hubert Aiwanger ein „Fremder“ ans Rednerpult, und der Chef der Freien Wähler dürfte die Gelegenheit nutzen, den Freunden von der CSU kräftig einzuschenken.

In Deggendorf beim Politischen Aschermittwoch klang das so: „Wir Freie Wähler sind der gesunde Menschenverstand für Bayern und Deutschland – wir haben den Bayern-Plan.“ „Ich bin gespannt, habe ihn noch nie live gehört“, bekennt Düll-Seniorchef Sebastian Rank, der im Interesse des Publikums hofft, dass Aiwanger „auf die Klötze haut“. Beifall, Johlen, vielleicht sogar ein gellendes Pfeifkonzert – Hauptsache, das Publikum hat seinen Spaß.

Die Einladung für Aiwanger hat eine Vorgeschichte, die Rank nur widerwillig erzählt. 2013 hatte es, kurz vor der Landtags- und Bundestagswahl, einen Disput zwischen dem Hausherr und CSU-Kreischef Otto Hünnerkopf gegeben:
 

Hünnerkopf hatte sich geärgert


Der Landtagsabgeordnete hatte sich geärgert darüber, dass sich die CSU-Kandidaten nicht vorstellen durften, Rank wiederum hatte seinerzeit im proppenvollen Saal betont, dass es um den „Tag des Bieres“ geht und nicht um Parteipolitik, dies keine CSU-Veranstaltung sei – und was gemacht wird oder nicht, bestimme immer noch er, der Hausherr.

Für 2014 war dennoch CSU-Vize Peter Gauweiler als Redner anvisiert. Der Haudegen aus München („Stammtische sind die Versammlungsstätten des Volkes“) hätte Gnodstadt vermutlich locker gerockt. Doch als Hünnerkopf laut Rank  erst  von „Schwierigkeiten" sprach, dann eine Weile nichts von sich hören ließ, entschied sich der Hausherr für Aiwanger. Der Tipp sei, so heißt es, von Landrätin Tamara Bischof gekommen.

Otto Hünnerkopf sieht die Sache ein wenig anders: Nach den Querelen des Vorjahres wollte er diesmal schriftlich fixiert wissen, wer was wie zu machen hat. „Da ich auf meinen Vorschlag lange nichts gehört hatte, stand Peter Gauweiler nicht mehr zur Verfügung.“ Hünnerkopf hatte dann Monika Hohlmeier an der Angel, die 2005 in Gnodstadt gefeiert worden war und jetzt im Europaparlament tätig ist. „Doch zwischenzeitlich hat Herr Rank dann Hubert Aiwanger engagiert, ohne mir etwas zu sagen. Das hat mich betroffen gemacht, spricht Bände.“

Durchaus denkbar, dass nun ein Teil des Stammpublikums fernbleibt, sich in den Schmollwinkel verzieht. Selbst schuld, könnte man lästern, zumal Europa-Kritiker Peter Gauweiler einen Spruch des Europa-Kritikers Aiwanger vermutlich sofort unterschreiben würde: „Die Sicherheit der Atomkraftwerke ist Ländersache, aber der Zustand der Dorfmetzgerei wird von Brüssel aus geregelt. Genau anders herum müsste es sein.“

Otto Hünnerkopf wird Aiwangers Auftritt nicht verfolgen, nimmt stattdessen Ehrungen bei einer Veranstaltung des Obst- und Gartenbauvereins vor. CSU-Europakandidatin Barbara Becker indes neigt dazu, am 2. Mai dabei zu sein: „Ich schätze die Atmosphäre solcher Veranstaltungen.“

Ob 2015 dann wieder ein CSU-Redner eingeladen wird, ist momentan völlig offen. Rank und Hünnerkopf klingen nicht so, als sei die Sache für immer durch – vielleicht finden die Kontrahenten nach einer Denkpause im nächsten Jahr wieder zusammen.

Außerdem hat Brauereichef Rank insgeheim ja einen ganz großen Traum für 2016: Zum 500. Geburtstag des Reinheitsgebots fände er Horst Seehofer die Idealbesetzung. Aber jetzt ist erst mal Hubert Aiwanger dran!

Die Düll-Rednerliste

Die Liste der Festredner seit 1998 liest sich wie das „Who is who“ der CSU:
1998: Willi Müller;
1999: Hans Spitzner;
2000: Josef Miller;
2001: Eberhard Sinner;
2002: Michael Glos;
2003: Thomas Goppel;
2004: Günther Beckstein;
2005: Monika Hohlmeier;
2006: Joachim Hermann;
2007: Erwin Huber;
2008: Georg Schmid;
2009: Markus Söder;
2010: Georg Fahrenschon;
2011: Ludwig Spänle;
2012: Christine Haderthauer;
2013 Ilse Aigner;
2014: Hubert Aiwanger (Freie Wähler).

Kommentare (0)

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.