KITZINGEN

Adem Can will Schadenersatz

Vor gut zwei Jahren, am 8. März 2012, erlebte Adem Can einen Albtraum, der ihn bis heute nicht loslässt: Der frühere Kitzinger Jugendbürgermeister wurde verhaftet. Vorwurf: Er sollte Kopf einer Bande sein, die Dachbleche im Wert von 300 000 Euro erst nicht bezahlt und dann illegal veräußert hatte.
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Tanzen macht stark: So kennt man Adem Can (vorn) aus Kitzingen, hier im März in Margetshöchheim nach einem von rund 30 Workshops. Der vor gut zwei Jahren zu Unrecht verhaftete Inhaber der KDS-Tanzschulen hofft, demnächst Schadenersatz geltend machen zu können. Foto: Foto: Sandra Hien

Vor gut zwei Jahren, am 8. März 2012, erlebte Adem Can einen Albtraum, der ihn bis heute nicht loslässt: Der frühere Kitzinger Jugendbürgermeister wurde verhaftet. Vorwurf: Er sollte Kopf einer Bande sein, die Dachbleche im Wert von 300 000 Euro erst nicht bezahlt und dann illegal veräußert hatte.

Im belgischen Tongeren, wo der Schwindel aufgeflogen war, wurde kurz danach eindeutig klar: Dem in Würzburg geborenen türkischen Staatsbürger ist eine Namensgleichheit zum Verhängnis geworden, die Namen „Adem“ und „Can“ sind in der Türkei weit verbreitet.

Die Ermittlungspanne wurde aufgeklärt, weil einer der Täter nach seiner Festnahme bei einer Gegenüberstellung mit dem Kitzinger Adem Can klipp und klar verneint hatte, dass dieser sein Komplize gewesen ist. Infolgedessen war der Kitzinger unter Auflagen nach 23 Tagen wieder aus der Haft entlassen worden.

Nun gibt es für ihn eine weitere, gute Nachricht: Der andere Adem Can, also der Kopf der Hehlerbande, wurde inzwischen in der Türkei ausfindig gemacht und dort von belgischen Ermittlern verhört, weil es kein Auslieferungsabkommen zwischen diesen beiden Ländern gibt.

Der Kitzinger Adem Can hofft nun, dass die Ermittlungen in dem Fall bald abgeschlossen werden. „Mein belgischer Anwalt hat mir mitgeteilt, dass dies im Juni der Fall sein soll. Und erst dann darf er Einsicht in die Akten nehmen.“ Can erhofft sich dabei vor allem die Antwort auf die Frage, warum er in den Fokus der Ermittler geriet, wer den für ihn folgenschweren Fehler zu verantworten hat. „Generell ist festzuhalten: Persönlich habe ich mit dem Fall abgeschlossen. Aber natürlich geht es um den Ersatz meiner Auslagen, zum Beispiel für meine Anwälte, und um Schadenersatz.“

Auf große Summen allerdings darf er laut seinem belgischen Anwalt wohl nicht hoffen: Rund 60 Euro etwa könnte es Haftentschädigung pro Tag geben, laut Can „könnte es mit Glück für einen Urlaub langen.“ Die Feststellung des wirtschaftlichen Schadens hat Can dem Kitzinger Wirtschaftsprüfer Michael Bastert (Kanzlei Dr. Klee) übergeben. „Dort ist das bestens aufgehoben. Ich versuche mich stattdessen, auf meine Arbeit zu konzentrieren.“

In den vergangenen Wochen hat Adem Can in Schulen und Kindergärten der Region wieder seine stark nachgefragten Workshops (Motto: „Tanzen macht stark“) abgehalten. Im Mai folgen Zusatztermine, beispielsweise in der Paul-Eber-Realschule in Kitzingen sowie in Ochsenfurt.

Hochkarätiger Besuch wird zudem am 4. Mai zu einem Workshop im Kitzinger Bürgerzentrum (Schrannenstraße) erwartet: Die Deutschen Meister im HipHop werden mit Kindern und Jugendlichen aus der Region zusammen üben. Was für letztere ein großer Spaß, ein großes Erlebnis wird, hat für die Gäste einen finanziellen Hintergrund: Sie sind für die HipHop-Weltmeisterschaft in Las Vegas (USA) qualifiziert und versuchen mit ihrer Tour einen Teil der Reise- und Verpflegungskosten einzuspielen. „Was in Kitzingen zusammen kommt, geht ohne Abzug an unsere Gäste“, verspricht Adem Can.

Der Kitzinger sieht nach der schwierigen Zeit im Frühjahr und Sommer 2012 längst wieder voller Optimismus in die Zukunft: Gerade ist er in Würzburg auf der Suche nach einem Mietobjekt, um Tanztraining für Kinder und Jugendliche anzubieten. „Die Nachfrage ist unglaublich groß. Entscheidend für das gesuchte Objekt ist die Anbindung: Die Eltern müssen mit dem Auto gut halten können, um die Kleinen aussteigen zu lassen. Und für die Größeren sollte Bus oder idealerweise Straßenbahn in der Nähe sein.“

Wenn Adem Can Glück hat, findet sich ein Objekt – und im Sommer könnte passend Geld aus Belgien fließen. Eines betont der 26-Jährige zum Schluss: „Ich bin durch die Sache als Person gereift, noch stärker geworden. Und, wichtig: Es hat sich klar gezeigt, auf wen ich mich verlassen kann – und auf wen nicht.“

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