Der Aufstieg auf den Dachboden des Hellmitzheimer Bürgerhauses erfolgt über eine enge Stiege. Doch die Bewohner, die sich hier so heimlich, still und leise eingenistet haben, kommen durch zwei schmale Spalte im Giebel. In der Dämmerung quetschen sie sich durch die Öffnungen, um sich im Inneren unter einer Wärmeglocke hängen zu lassen. Seit geraumer Zeit haben Fledermäuse in dem kargen Spitzboden ihr Quartier bezogen. Vom nächsten Jahr an wird eine Kamera sie dort aufnehmen, die Bilder werden ein Stockwerk tiefer zu sehen sein.

„Wir erhoffen uns davon einen Zuwachs der Population.“
Christian Söder Fledermausbetreuer

Es ist nicht die einzige Attraktion, die das Flatterhaus Hellmitzheim seinen Besuchern bieten wird. Mit einer interaktiven Dauerausstellung sollen Interessierte mehr erfahren über eine Spezies, der in gewissen Kreisen noch immer ein dunkler Mythos anhängt: Unheimliche, blutsaugende Nachgestalten seien das, geheimnisumwobene Tiere mit übernatürlichen Kräften. Über derlei Legenden kann Christian Söder schmunzeln. Er will sie als Türöffner für die Ausstellung nutzen, als amüsanten Einstieg, der so wenig mit der Realität gemein hat wie die filmische Verwandlung der Fledermaus in einen Vampir.

Als Fledermausbetreuer weiß Söder einiges über die kleinen Säuger zu erzählen, nur keine Horrorgeschichten. Mit ihrem Appetit auf Fliegen, Falter und Käfer sind sie dem Menschen im Sommer nützliche Helfer. Schon kleine Tiere fressen in einer Nacht bis zu 1000 Mücken. Dabei suchen sie über Generationen jedes Jahr zur warmen Jahreszeit dasselbe Quartier auf. Hellmitzheim eignet sich dafür nach Söders Worten bestens. Auf den breiten Streuobstwiesen gibt es nicht nur geeignete Jagdhabitate, sondern in den Kartoffel- und Lagerkellern alter Häuser auch feuchte, frostsichere Winterquartiere.

Mit der Fledermausausstellung vor einem Jahr in der Kitzinger Rathaushalle wuchs bei Söder und manchem seiner Mitstreiter die Idee, das Thema im Bewusstsein der Menschen zu verankern. „Durch Zufall“ fand sich das Bürgerhaus in Hellmitzheim, wo das Obergeschoss derzeit leer steht. Nach positiven Signalen der Stadt Iphofen als Hauseigentümerin kam die Sache in den Stadtrat, der sich ebenfalls aufgeschlossen zeigte. Nun, nach einem Jahr Vorlauf, kann das Projekt starten, die Finanzierung der gut 60 000 Euro steht. Die Hälfte des Budgets trägt der Bayerische Naturschutzfonds, für den Rest kommen Stadt Iphofen, der Landesbund für Vogelschutz (LBV), Sparkasse, Knauf und der Wirtschaftsverband ABBM auf, wie Söder bei einem Pressetermin am Freitagabend erfreut verkündete.

Die nächsten Wochen und Monate wird in den historischen Räumen im Obergeschoss des mehr als 400 Jahre alten Hauses alles für die Ausstellung vorbereitet – „ohne dabei in die wertvolle Bausubstanz einzugreifen“, wie Iphofens Vize-Bürgermeister Ludwig Weigand sagte. Wer die steile Treppe nach oben nimmt, soll bereits mit an die Wand projizierten fliegenden Fledermäusen und Originalgeräuschen empfangen werden. Der größere der beiden Räume ist dem Thema Fledermausschutz gewidmet. Im kleineren, angrenzenden Raum geht es um Fledermausquartiere. Hier soll der direkt dahinterliegende Dachstuhl mit einbezogen werden.

„Wir werden sicherlich keine ausgestopften Fledermäuse zeigen“, sagt Söder. Besucher sollen sich die Informationen selbst erschließen, etwa über bewegliche Modelle. Interaktiv nennt das der Fachmann. Eine Kamera soll Livebilder aus dem Dachgeschoss übertragen, wo sich die Fledermäuse nach dem Wunsch Söders zur Dämmerung sammeln. Dafür hat der in der Sache äußerst engagierte Bürgerhaus-Verein um seinen Vorsitzenden Harald Heinritz eine Wärmeglocke angebracht, die wie ein weiteres kleines Dach anmutet. In den unterschiedlich breiten Spalten des Holzverbaus finden die Tiere einen Hangplatz. „Wir erhoffen uns davon einen Zuwachs der Population“, sagt Söder. Frische Kotspuren am Boden zeigen, dass hier seit einiger Zeit Fledermäuse abhängen.

Spätestens in einem Jahr soll alles stehen; abgeschlossen sieht Söder das Projekt damit aber nicht. Der Fledermausbetreuer hat schon einen weiteren Raum im Visier, der sich für seine Zwecke nutzen ließe. Außerdem hofft er auf die Gründung eines Förderkreises, der sich des Projektes annimmt. Das Wichtigste dabei: Die geflügelten Bewohner sollen sich in dem historischen Haus richtig heimisch fühlen. Und: „Leute der näheren Umgebung, ob Alt oder Jung, sollen etwas davon haben.“