PRICHSENSTADT

Ärztestreit: Bürgermeister Schlehr gesteht Fehler ein

In der Bürgerversammlung sagt das Prichsenstädter Bürgermeister René Schlehr: Ein Gespräch mit den Ärzten wäre sinnvoll gewesen.
Artikel drucken Artikel einbetten
René Schlehr
In der Bürgerversammlung sagt das Prichsenstädter Bürgermeister René Schlehr: Ein Gespräch mit den Ärzten wäre sinnvoll gewesen.
+1 Bild

Zum Hauptthema Ärztehaus brauchte es einen Anschub aus der Bevölkerung. Gerhard Zapf, einem Prichsenstadter Bürger dauerte dies zu lange. Er forderte Bürgermeister Schlehr auf zum Kernthema Arztpraxis zu kommen.

Die Vorgeschichte seit 2004

Mit einem detaillierten Vortrag ab dem Jahr 2004 über die Vorgänge beim Umbau der Arztpraxis stieg Schlehr ein und zitierte aus Protokollen von Ratssitzungen und Gesprächen der Stadt seitens seines Amtsvorgängers Adolf Falkenstein mit den Ärzten. Der niedrige Mietpreis, so schien es, war ein Entgegenkommen der Kommune und ein Stück Sicherung der Grundversorgung.

Ob der niedrige Mietpreis von 523,43 Euro gerechtfertigt war, dazu gab es unterschiedliche Meinungen zwischen den beiden Parteien Ärzte und Stadt, aber auch unter der Bevölkerung. Die geschätzten Umbaumaßnahmen hätten einen Mietpreis von 7,50 Euro seitens der Ärzte (1200 Euro monatlich) erfordert. Diesen Preis wollten die niedergelassenen Ärzte aber nicht bezahlen und verglichen das Mietniveau mit Würzburg.

Viele Gespräche und Diskussionen

Nach mehreren Gesprächen und Diskussionen seitens seines Amtsvorgängers und dem angeblich geplanten Abzug der Ärzte 2011 nach Wiesentheid in das dortige Ärztehaus habe sich das Ratsgremium im Oktober 2011 auf diesen niedrigen Mietpreis eingelassen, so Schlehr. Sein Amtsvorgänger Falkenstein sah dies als ein Stück Grundversorgung. Andernorts versuche man händeringend, Ärzte mit allermöglichen Angeboten zu locken.

Da sich das Ärztehaus im Gebäude der Hospitalstiftung befindet, drohte durch den niedrigen Mietpreis eine Schmälerung des Kapitals. Die Stadt egalisierte den Unterschiedsbetrag von zirka 7000 Euro jährlich aus Steuereinnahmen. „Wenn ich von Haus zu Haus gehe und fordere von jedem Bürger zwei Euro ein, was würden sie da sagen?“ fragte Schlehr in die Runde. Falkensteins Antwort: „Auch für ein Doppelgrab in Friedhöfen müsste ein Betrag von 130 Euro gefordert werden“. Der Preis dafür liege auch weit niedriger, so seine Aussage.

Verdreifachung der Miete

Mittlerweile ist im Juni bei den Ärzten eine Änderungskündigung mit einer Verdreifachung der Miete seitens der Stadt eingegangen. Dass dies so ohne Vorankündigung im Briefkasten der beiden Ärzte landete empfand man als taktlos. Seither brodelt es zwischen den beiden Parteien. Eine Kommunikation scheint schier unmöglich, da jede Partei auf ihrem Standpunkt beharrt. In der Bürgerversammlung gestand Bürgermeister Schlehr ein: „Ich habe einen Fehler gemacht“. Vor der Änderungskündigung wäre ein Vorgespräch mehr als sinnvoll gewesen. In der Zwischenzeit, da keine Bewegung in die Angelegenheit kam, sollen die Ärzte den Umzug nach Wiesentheid geplant haben. Die Ärzte fühlten sich ausgebootet.

Seitens der Ärzte sei aber auch kein Gegenvorschlag gekommen, monierte Schlehr. Dem widersprach Schöpfel. Ein Gespräch mit Stadtrat Werner Klüber, bei dem die Ärzte sechs bis sieben Euro Mietpreis ins Gespräch brachten, hätte keinen Anklang gefunden.

Schöpfel: "Ehrlicher Makler"

Beim Mietpreis sei seitens der Stadt „Ende Gelände“ gewesen, so Schöpfel. Immer wieder seien neun Euro und kein Cent weniger vom Bürgermeister gefordert worden. Stellvertretender Bürgermeister Alfons Saugel habe in seiner Vertretungszeit alles Mögliche versucht, Bewegung in die Angelegenheit zu bringen. Bis zum Abend der Versammlung sei es ihm aber nicht gelungen, so Saugel.

Schöpfel verspürte allerdings erstmals bei den Gesprächen mit Saugel und der Geschäftsstellenleiterin Heidi Isidorzcyk, „hier sei ein ehrlicher Makler am Werk.“

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.