Geiselwind

A 3 bei Geiselwind: Neun Meter gegen den Lärm

Seit einiger Zeit türmen sich an der A 3 bei Geiselwind imposante Steilwälle auf. Der lange ersehnte Lärmschutz ist (fast) fertig.
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Die mit Steinkörben verkleideten Steilwälle geben der A 3 bei Geiselwind ein neues Gesicht. Das Ganze wird noch eindrucksvoller, wenn die eigentlichen Lärmschutzwände im kommenden Jahr noch auf die Wälle kommen.
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Eines kann man schon mal festhalten: Geiselwind ist steinreich. Das hängt mit dem neuen Lärmschutz an der Autobahn zusammen: Seit einiger Zeit türmen sich an der A 3 imposante Steilwälle auf. Was die Sache noch eindrucksvoller macht: Die Wälle sind mit nicht minder imposanten Körben voller Steine verkleidet. Schallschluckendes Lavagestein, so weit das Auge reicht.

Steinige Wand

Die steinige Wand zieht sich – beiderseits der Autobahn – über 4,2 Kilometer hin. Die entscheidende Zahl für die Geiselwinder Glückseligkeit: Knapp 29 000 Quadratmeter Lärmschutzanlagen werden den Ort schützen. Oder besser: einigermaßen ruhigstellen. Bereits gebaut wurden 11 900 Quadratmeter Lärmschutzwälle sowie 7600 Quadratmeter Steilwälle.

Fertig ist die Lärmschutzmaßnahme – auch wenn es auf den ersten Blick ganz anders wirkt – damit allerdings noch nicht. Die steinverkleideten Wälle gehören nur zur ersten Ausbaustufe. Was noch fehlt, ist ein nicht minder entscheidender zweiter Teil: Auf die Wälle kommen zusätzlich Lärmschutzwände. Die Pläne sehen weitere 9500 Quadratmeter vor – samt eines Wermutstropfens: Es dauert noch einige Zeit, bis die Wände aufgestellt werden.

90 Prozent weniger Lärm

Die noch zu bauenden Lärmschutzwände sind bis zu sechs Meter hoch und werden in erster Linie auf die bereits gebauten Steilwälle aufgesetzt. Damit entsteht am Ende ein bis zu neun Meter hohes Lärmschutzbauwerk, das laut Berechnungen de Autobahndirektion bis zu 90 Prozent des Lärm von den geplagten Geiselwindern abhalten soll (siehe auch Info-Box). Weitere Lärmschutzwände werden zudem auch an den neuen Brücken sowie nördlich der A 3 im Bereich der Anschlussstelle Geiselwind aufgestellt.

Rundum abgeschlossen ist dagegen inzwischen der sechsstreifige Ausbau der A 3 im Bereich von Geiselwind. Zunächst war vor einigen Wochen die Fahrtrichtung Nürnberg freigegeben worden. Seit Oktober rollt nun auch der Verkehr auf der Gegenrichtung gen Würzburg auf drei Streifen – auf lärmminderndem Asphalt. Damit endete ein langjähriger Kampf der Geiselwinder: 2005 hatte sich das Autobahndorf auf die Hinterbeine gestellt und den vorzeitigen Ausbau der A 3 samt Lärmschutz vehement gefordert.

Kaum 50 Meter zu den Häusern

Der Verkehr auf einer der wichtigsten deutschen Hauptverkehrsachsen rollte teilweise weniger als 50 Meter an den Häusern vorbei. An der engsten Stelle lagen 33,5 Meter zwischen rauschendem Verkehr und Wohnung. Das öffentlichkeitswirksame Aufbegehren begann mit der Gründung einer Interessengemeinschaft. Am Ende trugen elf Jahre Zähigkeit und Rebellion den Sieg davon. Für den Geiselwinder Abschnitt gab es 2009 Baurecht, Anfang 2016 begann dann der vorzeitige Bau für die knapp fünf Kilometer rund um die Anschlussstelle.

Sechs Unterführungen

Auf der kurzen Strecke mussten gleich sechs Unterführungen gebaut werden. Was entsprechend ins Geld ging: Von den veranschlagten gut 57 Millionen Euro ging mehr als die Hälfte für die Brückenerweiterungen drauf. Das Projekt war aber auch noch in anderer Hinsicht ungewöhnlich. An der Baustelle lag mit dem Autohof Strohofer eine der meistfrequentierten Rastanlagen in Europa – samt Großveranstaltungen wie dem Truckerfestival. Schließlich ist da noch – genau auf der anderen Seite der Autobahn – das Freizeitland.

Nadelöhr

Pro Saison vergnügen sich dort bis zu einer halben Million Menschen, die ebenfalls alle mit Auto oder Bus durch das Nadelöhr mussten.

Die Geiselwinder Baustelle ist noch in einer weiteren Hinsicht ungewöhnlich: Sie bildete den Auftakt zu der Mammutaufgabe, die A 3 auf den knapp 80 Kilometern zwischen Biebelried und dem Kreuz Fürth/Erlangen sechsstreifig auszubauen. Während die Arbeiten zwischen Biebelried und Frankfurt gerade auf Hochtouren laufen, steht man zwischen Biebelried und Nürnberg erst am Anfang. Ein Anfang, der auf völlig neue Füße gestellt wird: Nicht mehr die Autobahndirektion Nordbayern ist Bauherr, sondern ein privates Konsortium.

Privat-Investoren im Spiel

Möglich wird dies durch den früheren Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), der Anfang 2015 verstärkt Privat-Investoren ins Spiel brachte und die bereits bestehende Öffentlich-Privaten-Partnerschaft (ÖPP) unter neuen Vorzeichen und unter dem Titel „Neue Generation ÖPP“ auf den Weg brachte. Die Autobahn wird bei diesem Modell nicht privatisiert und bleibt in öffentlicher Hand, was in diesem Zusammenhang oft durcheinandergebracht wird.

Es gibt inzwischen einige dieser ÖPP-Projekte, der A 3-Ausbau dürfte jedoch das größte werden. Das Ganze funktioniert so: Ein privates Konsortium, hinter dem im Regelfall größere Baufirmen stecken, baut auf zunächst eigene Rechnung und ist anschließend auch 30 Jahre für Erhaltungs- und Betriebsmaßnahmen zuständig.

Dafür gibt es innerhalb dieses Zeitraumes eine monatliche Vergütung, die der Staat dem Konsortium zahlt. Das Modell ist nicht unumstritten, hat aber nachweislich zwei Vorteile: Es wird zum einen zügig gebaut. Zum anderen werden die Kosten für die öffentliche Hand – es geht um weit über eine Milliarde Euro – sozusagen gestreckt.

Letzte Verhandlungen

Derzeit befindet man sich laut Autobahndirektion in letzten Verhandlungen. Anfang kommenden Jahres soll die Zielgerade erreicht sein, dann könnte im Mai mit den Arbeiten begonnen werden. Und das möglichst zügig, wenn möglich bis Ende 2024. Für Geiselwind bedeutet das: Weil die Herstellung der Lärmschutzwände bereits in den Aufgabenbereich des ÖPP-Projektes fällt, wird man sich in Geiselwind ein letztes Mal gedulden müssen – aller Voraussicht nach bis Mai 2019.

Lärmberechnung

Die künftige und endgültige Reduzierung des Lärms rund um die Anschlussstelle Geiselwind wird durch eine Kombination erreicht: Auf der einen Seite durch die Lärmschutzwände und Wälle, auf der anderen Seite durch einen durchgehenden lärmmindernden Fahrbahnbelag.

Im Bereich Langenberg beträgt die Lärmminderung laut Autobahndirektion vier bis acht Dezibel Ampere dB (A). Im Bereich Geiselwind werden die zu erwartenden Verkehrsgeräusche um rund acht bis elf dB (A) gemindert.

Eine Lärmreduzierung von zehn dB (A) entspricht einer Reduktion der Lärmquelle um 90 Prozent. Im Falle Geiselwind entspricht also die künftige Lärmbelastung einer Straße mit 6500 Kfz/Tag gegenüber bisher 65 000 Kfz/Tag. (fw)



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