CASTELL

95 Luftballons mit Thesen stiegen in den Himmel

Luthers Thesen waren ein Angelpunkt der Aktion „Reformation reloaded“ in Castell. Der Reformator (Daniel Ott) suchte dabei das Gespräch mit der evangelischen Jugend.
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Lebendige Feuerwehrgeschichte
Thesen hat die Evangelische Jugend der Dekanate Castell und Markt Einersheim an 95 Luftballons gebunden und ins Land geschickt. Foto: Gerhard Krämer

„Ab nach Berlin!“ Mit diesen Worten begleitete eine Teilnehmerin die 95 Luftballons mit ihren Wünschen an Politik, Kirche und Gesellschaft, die am Samstag in den Himmel über Castell stiegen. Die Evangelische Jugend (EJ) der Dekanate Castell und Markt Einersheim hatte zur Aktion „Reformation reloaded“ eingeladen. Zu Gast waren auch Paula Tiggemann, Vorsitzende der EJ Bayern und Landesjugendpfarrer Hans-Gerd Bauer.

In Anlehnung an die 95 Thesen Martin Luthers 1517 hatten Jugendliche ein Jahr lang rund 250 Thesen und Forderungen formuliert. Bei einer Abstimmung wurden 95 ausgewählt und am Samstag, 1.7.17, um 17 Uhr an vielen Orten in Bayern zeitgleich veröffentlicht. In Castell wurde publikumswirksam ein langes Transparent von der Kanzel über dem Altar nach unten entrollt. Um 17.17 Uhr läuteten im ganzen evangelischen Dekanat wie an vielen weiteren Orten fünf Minuten lang die Glocken.

Luther im Gespräch

Im Gottesdienst der EJ rund um diese Aktion suchte Luther (Daniel Ott) das Gespräch mit jungen Leuten des 21. Jahrhunderts. Er erinnerte sich mit Bedauern an seine nicht sehr glückliche Rolle im politischen Diskurs um die Bauern seiner Zeit und machte sich mit modernen politischen Fragen vertraut: Flüchtlinge, die Rolle der Frauen oder die für ihn nur schwer vorstellbare Partnerschaft gleichgeschlechtlicher Paare. Leicht entrüstet vernahm Luther, dass Jugendliche alte Lieder in der Kirche nicht besonders schätzen. Einig war man sich, dass die Stimme der Jugend in der Politik stärker gehört werden sollte.

Dazu sollen unter anderem die gesammelten Thesen dienen, die in neuneinhalb Themenfeldern gesammelt wurden: Gerechtigkeit stärken, friedlich zusammenleben, Gottesdienst feiern, Position beziehen, Vielfalt annehmen, Schöpfung bewahren, Beteiligungsräume schaffen, Demokratie gestalten, Dialog fördern, Weitblick zeigen.

Thesen als Diskussionsgrundlage

Die so gebündelten Thesen sollten in den Dekanaten weiter diskutiert werden, erläuterte Tobias Creutzner von der EJ. „Martin Luther“ erinnerte abschließend an seine wichtige Erkenntnis, dass es bei Gott nicht aufs Tun und Machen ankomme, sondern dass er die Menschen zuallererst beschenke mit seiner Liebe.

Die neuneinhalb Themenfelder entrollten Paula Tiggemann und Hans-Gerd Bauer noch einmal in einem Transparent nach dem Gottesdienst. Sie ermutigten die Jugendlichen, sich weiterhin einzumischen. Bauer sagte, man habe einen langen Weg vor sich. Aber er sei zuversichtlich, dass dieser Weg zu einer besseren Welt führe. Bei alkoholfreien Cocktails und Gebäck ließen Gottesdienstbesucher und Akteure den Nachmittag ausklingen. Manch einer steckte den Kopf in die Öffnung eines Luther-Porträts und ließ sich so ablichten.

 

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