WILLANZHEIM

72 Etagen im Laufschritt und in voller Feuerwehrmontur

Wenn es so etwas wie einen geborenen Feuerwehrmann gibt, gehört Wolfgang Eger auf alle Fälle dazu. Inzwischen gehören Wolkenkratzer-Läufe zu seiner Spezialität.
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2nd Annual New York City Firefighter Stair Climb at 4 World Trade
So wie dieser Feuerwehrmann aus Neuseeland hat auch Wolfgang Eger die 72 Etagen des neuen World Trade Centers erklommen – im Gedenken an die Kollegen, die bei den Anschlägen am 11. September 2011 in New York umgekommen sind. Foto: Fotos: Jason Szenes /dpa, Wolfgang Eger

Wenn es so etwas wie einen geborenen Feuerwehrmann gibt, gehört Wolfgang Eger auf alle Fälle dazu. Dass er in seinem Heimatort Willanzheim als Jugendlicher zur Feuerwehr gehen würde, war sowieso klar – allein schon, um in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Als es dann um die Berufswahl ging, gab es ebenfalls kein Vertun: Es konnte nur Berufsfeuerwehrmann sein. Die Gelegenheit bot sich für den 26-Jährigen bei der Bundeswehr auf dem Heeresflugplatz in Niederstetten. Über das Hobby des Willanzheimers muss auch nicht lange gerätselt werden: natürlich die Feuerwehr. Weshalb man ihn in seiner Freizeit gerne bei diversen Feuerwehrwettkämpfen trifft – national sowieso, zuletzt verstärkt auch international.

Auf nach New York

Ab 2013 ging's mit deutschlandweiten Veranstaltungen wie „Stair Run“, „Toughest Firefighter alive“ und dem Stairrun im Berliner Park-In-Hochhaus-Hotel los. Vergangenes Jahr wagte sich der Brandmeister zusammen mit einem Kumpel nach Amerika, um auf seine Kosten und eigene Faust an einer ungewöhnlichen Veranstaltung teilzunehmen: dem New York City Firefighter Stair Climb.

Ort des Geschehens: das neue 541 Meter hohe World Trade Center. Mit dem Lauf über 72 Stockwerke wird in den USA der 343 Feuerwehrkollegen gedacht, die am 11. September 2011 im eingestürzten World-Trade-Center ums Leben kamen. Bei dem Lauf gehen jedes Jahr 343 Kollegen in voller Einsatzuniform inklusive Atemschutzgerät an den Start. Jeder Teilnehmer trägt Namen und Bild eines der damaligen Opfer mit sich.

Vorbereitung in Schweinfurt

Vorbereitet hatte sich Wolfgang Eger auf die Hochhaus-Herausforderung seinerzeit übrigens in Schweinfurt. Wobei sein Trainingsplatz dort „nur“ 19. Stockwerke hatte. Weshalb es immer wieder schnell mit dem Aufzug nach unten ging, um gleich noch mal loslaufen zu können. Natürlich in voller Montur, was so manchen Passanten doch sehr irritierte und vergeblich Ausschau halten ließ, wo es denn brennt und warum da einer mit der 25 Kilo schweren Ausrüstung ohne Unterlass durch die Gegend rennt.

Einmal auf den Geschmack gekommen, ging's in diesem Jahr erneut über den großen Teich. Zuvor wurde natürlich wieder trainiert, diesmal in München im O2-Tower, der es immerhin auf 40 Stockwerke bringt. Dazwischen zum Ausgleich Rad fahren, wenn man das bei 20 Minuten im Vollsprint überhaupt so sagen kann.

Anfang März war es dann soweit: Diesmal ging es nicht nur nach New York, vielmehr stand eine kleine Rundreise an. Zunächst führte der Weg nach Seattle – zu einem weiteren Hochhauslauf für Feuerwehrmänner. Für einen guten Zweck rannten 1900 Feuerwehrmänner die 69 Stockwerke des Columbia Towers hoch, insgesamt 1700 Stufen. Die Startgebühr lag bei 300 Dollar, das gesammelte Geld floß in die Krebsforschung. Alles in allem waren es an Ende um die zwei Millionen US-Dollar.

Dritter seiner Altersklasse

Gewohnt hat der 26-Jährige, der 34. in seiner Altersklasse wurde, bei Allen Martinez, der Fire-Inspektor am Flughafen von Seattle ist. Die beiden Männer hatten sich im Jahr davor auf der Aftershow-Party in New York kennengelernt – prompt hatte es die Einladung gegeben.

Eine Woche später stand Wolfgang Eger in New York schon wieder für den nächsten Stairclimb bereit – hier kam er nach 72 Stockwerken als Dritter seiber Altersklasse oben an. Was sich unfassbar anstrengend anhört, ist für den 26-Jährigen tatsächlich „vor allem Spaß“. Und unabhängig von der guten Sache hat das Bezwingen von Wolkenkratzern über das Treppenhaus für ihn einen unschätzbaren Vorteil: „Es macht fit für den Einsatz!“

Weil das so ist, geht es diese Jahr munter mit den nächsten Wettbewerben weiter: Für dieses Jahr noch geplant sind Abstecher ins Burgenland, wo der härteste Feuerwehrmann Österreichs ermittelt wird. Dazu gesellen sich Wettbewerbe in Mönchengladbach, Berlin und Düsseldorf sowie die Firefighter Combat Challenge in Geiselwind. Dann heißt es wieder vorbereiten auf Amerika: Seattle und New York warten schon.

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