KITZINGEN

700 Reisen nach Russland

Bernd Klaube, Jahrgang 1953, kennt Russland wie seine Westentasche: Seit 35 Jahren zieht es den Kitzinger immer wieder beruflich gen Osten. Zusammen mit dem Fotografen Olaf Meinhardt hat er jetzt das Buch „Reise durch Russland“ neu aufgelegt. Was läuft gerade schief zwischen Europa und Russland? Fragen an den Experten.
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Eine Reise durch Russland: Der Kitzinger war schon 700 Mal im größten Land der Erde – und möchte gerne auch andere dafür begeistern. Foto: Foto: Olaf Meinhardt
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Bernd Klaube, Jahrgang 1953, kennt Russland wie seine Westentasche: Seit 35 Jahren zieht es den Kitzinger immer wieder beruflich gen Osten. Zusammen mit dem Fotografen Olaf Meinhardt hat er jetzt das Buch „Reise durch Russland“ neu aufgelegt. Was läuft gerade schief zwischen Europa und Russland? Fragen an den Experten.

Frage: Wann war Ihre erste Reise nach Russland?

Bernd Klaube: Im Dezember 1979 ging es nach Moskau, dann weiter nach Sotschi. Ich war Reiseleiter von 30 Touristen aus Thüringen.

Wie viele Reisen kamen seither zusammen?

Klaube: Etwa 700 Einreisen nach Russland beziehungsweise in die ehemalige Sowjetunion.

Sie sprechen auch russisch?

Klaube: Ja, zunächst habe ich russisch in der Schule gelernt, später dann beim Studium sowie während meiner beruflichen Tätigkeit vor Ort.

Für wen waren Sie tätig?

Klaube: Als Reiseleiter für Reisebüros, als Einkäufer beim Erdgasleitungsbau im Ural, für deutsche Firmen als Leiter von Firmenvertretungen in Moskau – etwa für die Firma Huppmann in Kitzingen. Seit 1999 bin ich regelmäßig Manager auf dem Sonderzug Zarengold von Moskau nach Peking sowie bei Flusskreuzfahrten auf der Wolga und sibirischen Strömen und Städtereisen.

Wann war Ihre letzte Reise nach Russland – und welche Eindrücke hatten Sie vor Ort?

Klaube: Im August diesen Jahres. Ich war in Sankt Petersburg und im Ural in Perm sowie Jekaterinburg mit Gästen aus Deutschland. Die Einreise in Sankt Petersburg dauerte übrigens nur noch drei Minuten, statt wie früher bis zu einer Stunde.

Was fasziniert Sie an Russland?

Klaube: Die Menschen. Aber auch die Hauptstädte Moskau und Sankt Petersburg, die schöner denn je erstrahlen. Zudem haben sich Städte wie Nishnij Novgorod, Kasan, Perm, Jekaterinburg und Irkutsk in den vergangenen 15 Jahren gewaltig zum Positiven verändert.

Welche Lehren kann man aus der aktuellen Krise ziehen?

Klaube: Wir im Westen sollten wieder lernen, dem Anderen – in diesem Falle Russland – zuzuhören. Daraus sollte resultieren, miteinander zu reden. Wir sollten uns, bevor wir uns ein Urteil erlauben, mit den Fakten und Daten der jüngeren und älteren Geschichte beschäftigen.

Wie würden Sie die aktuelle Staatsform Russlands bezeichnen?

Klaube: Das kann man schwer beschreiben. Russland wird seit Jahrhunderten von Diktatoren – egal ob Zaren oder Kommunisten – beherrscht. Seit dem Ende der Sowjetunion, dem gleichzeitigen Aus dieser Diktaturen, hat sich Vieles im Lande geändert. Es gibt Reisefreiheit. Und es gibt eine andere Rede-und Meinungsfreiheit als vor 20 Jahren – aber eben keine Demokratie nach westlichem Verständnis. Die wäre in Russland nicht machbar, dann würde das Land auseinanderbrechen und im Chaos versinken. Das versteht nur, wer das Land von innen kennt.

Was läuft gerade schief zwischen Russland und Europa?

Klaube: Unter der Führung der USA hat sich leider eine unglückliche Allianz, politisch und militärisch, gegen Russland formiert, der sich auch die EU angeschlossen hat. Dazu nutzt man die Krise mit der Ukraine. Die USA sind innenpolitisch sehr schwach, Obama ist am Ende. Außenpolitisch will man Stärke zeigen, die man aber nur noch bedingt hat. Russland wird nicht mehr als Partner und schon gar nicht als Weltmacht gesehen oder akzeptiert. Das ist falsch und kränkt Putin und ganz Russland, immerhin 140 Millionen Menschen im größten Land der Erde. Nur ein Beispiel: Es ist kaum publik gemacht worden, dass vor Kurzem unter der Westukraine wie auch der Ostukraine riesige Gasvorkommen entdeckt wurden. Die Rechte dafür haben sich die US-Konzerne Exxon und Chevron zu 100 Prozent gesichert und die neue ukrainische Regierung spielt da voll mit!

Wie lassen sich weitere Eskalationen vermeiden?

Klaube: Wenn der Westen sich etwas mehr raushält und beide Seiten miteinander reden. Und wenn wir nicht auf Scharfmacher und Aufrüster bei der NATO oder in anderen Staaten hören.

Putin ist für mich . . .

Klaube: . . . der gewählte Präsident Russlands, der von der Mehrheit der Russen unterstützt wird.

Muss man vor dem Mann Angst haben?

Klaube: Nein! Weder persönlich noch politisch. Man sollte nicht das, was zwischen der Ukraine und Russland passiert, wenn es negativ ist, alles Putin in die Schuhe schieben.

Wie könnte eine Lösung des Problems aussehen?

Klaube: Wenn ich das wüsste, müsste ich Merkel oder Junker heißen oder in der UNO sitzen.

Wie europäisch ist die Ukraine?

Klaube: Ethnisch und sprachlich tendierte die Ukraine immer mehr zu Russland. Seit 2005 können EU-Bürger visafrei in die Ukraine einreisen. Ein Großteil der westukrainischen Bevölkerung sieht durchaus eine Annäherung an die EU als sinnvoll und erstrebenswert an, während der Osten das eher skeptisch sieht.

Ein Wort zu Ihrem Buch: Ist es ein Russlandversteher- oder Putinversteher-Buch?

Klaube: Nein! Es ist ein Reisebildband, der die Schönheit Russlands, seiner Natur, der Städte mit ihren Kunstschätzen und nicht zuletzt seiner Menschen dem Leser näher bringen möchte. Man kann sich Appetit holen für eine Reise durch Russland.

Reise durch Russland, Neuauflage, 140 Seiten, 202 Abbildungen, Stürtz-Verlag Würzburg, 16,95 Euro.

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