Würzburg
Raub

490 Euro für drei Flaschen Mineralwasser in einer Laptop-Tasche

Nur noch heim zu seiner Frau und den Kinder, wollte der Angeklagte. Und sein Wunsch wurde erfüllt. Allerdings nimmt er eine Bewährungsstrafe mit.
Artikel drucken Artikel einbetten
Ein in Palermo lebender Marokkaner (36 ist in diesem Jahr ganz schön herumgekommen: Er hat in der Nähe des Würzburger Hauptbahnhofs mit einem Landsmann einen Algerier überfallen, wurde danach mit internationalem Haftbefehl gesucht, ist in Spanien festgenommen und nach Deutschland ausgeliefert worden zur Verhandlung beim Amtsgericht in Würzburg.
Die beiden Marokkaner wollten in Würzburg einen angeblich teuren Laptop günstig verkaufen. Ein Algerier, der daran interessiert war, aber nicht genügend Geld bei sich hatte, fuhr zur Freundin nach Kitzingen, holte sich den geforderten Kaufpreis von 490 Euro und kam zum vereinbarten Treffpunkt zurück. Nachdem der eine kassiert hatte, attackierte der jetzt Angeklagte den Kunden plötzlich mit der Laptop-Tasche, doch der duckte sich und wurde nicht getroffen: In der Tasche waren drei volle Mineralwasserflaschen. Die Tasche sollte als Schlagwerkzeug eingesetzt werden.

Die beiden Marokkaner, die sich "von zuhause" kannten, haben sich angeblich zufällig in Würzburg getroffen, der aus Palermo handelt dort mit Textilien und wollte in Deutschland einen gebrauchten Pkw kaufen, der Landsmann kam aus Frankreich und suchte angeblich ebenfalls einen Gebrauchten.
Eigentlich, so der Staatsanwalt, gibt es für schweren Raub "ab fünf Jahre aufwärts", aber der Fall weiche doch erheblich vom sonst Üblichen ab, die Täter haben gestanden und dem Opfer ist körperlich und vom Schrecken abgesehen, nichts passiert. Der Verteidiger hatte Zweifel, ob es sich bei der fliegenden Laptop-Tasche überhaupt um Gewaltanwendung handelte oder ob alles nur ein einfacher Diebstahl war. Und der nicht vorbestrafte Klamotten-Händler aus Sizilien bat um Verzeihung, für einen Fehler, den er nie mehr machen werde. Nachdem er seit der Festnahme in Spanien nun schon einige Monate in Untersuchungshaft sitzt, habe er nur den einen Wunsch: Heim zur Frau und den zwei Kindern.
Verurteilt wurde er zu 18 Monaten, bekam Bewährung und die Auflage, dass er künftig jede Einreise nach Deutschland vorher anzeigen muss mit Ziel und Dauer. Der Komplize, der das Laptop-Geschäft "eingefädelt" und auch alles zugegeben hatte, war bereits vor Monaten in seinem Prozess zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt worden, auch mit Bewährung.
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren