KITZINGEN

400 Hektar auf der Erfolgsspur

Die zivile Nachnutzung (Konversion) der 2006 geräumten Kitzinger US-Militärflächen ist eine Erfolgsgeschichte. Die gut 400 Hektar sind komplett verkauft.
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Tag der offenen Tür in den Marshall Heights
Großes Interesse: Eine kleine Völkerwanderung hat der neue Eigentümer der Marshall Heights, Georg Wittmann ausgelöst, als er im Mai zu einem Tag der offenen Tür in die ehemalige Us-Wohnsiedlung eingeladen hat. Am Ende des Jahres haben sich Investor und Stadt so geeinigt, dass mit der Vermarktung 2016 begonnen werden könnte. Foto: Foto: Daniel Peter

Die zivile Nachnutzung (Konversion) der 2006 geräumten Kitzinger US-Militärflächen ist eine Erfolgsgeschichte. Die gut 400 Hektar sind komplett verkauft. Und etliche der Großimmobilien lieferten 2015 Schlagzeilen: Die Ex-Wohnsiedlung Marshall Heights als kommender Stadtteil, der Technologiepark „conneKT“ mit der Weltfirma Schaeffler als Investor, Innopark und Corlette Circle als Unterbringungsorte für gut 400 Flüchtlinge.

Einsame Spitze im Publikumsinteresse: Marshall Heights. Die Zukunft der 32 Hektar großen Fläche mit gut 700 Wohneinheiten in Blocks und Reihenhäusern beschäftigte viele Kitzinger, seit Investor Georg Wittmann Mitte Februar das Gelände erwarb.

Bei der geplanten Vermarktung stellten sich Stadt und eine Stadtratsmehrheit anfangs quer. Basis des Widerstands war ein Ratsbeschluss von 2013. Nach dem sollten sieben (von 30) der ältesten Wohnblocks auf dem Gebiet erhalten, ein Teil des Areals für Gewerbe genutzt und rund die Hälfte der „Natur zurückgegeben“ werden. Der Versuch, die Planungshoheit der Stadt durchzusetzen, scheiterte an einer Rechtsauskunft der Obersten Baubehörde in München. Danach genießt die Wohnsiedlung Bestandsschutz.

Damit war der Teilabriss vom Tisch. In der Folge bemühten sich beide Seiten um eine Annäherung. Die mündete in einen Kompromiss, den der Stadtrat am 15. Dezember mit Mehrheit (vier Gegenstimmen) absegnete: Danach darf Wittmann die 103 Texashäuser und fünf Blocks als ersten von sieben Teilabschnitten vermarkten, wenn beide Seiten einen Erschließungsvertrag erarbeitet und – nach Zustimmung des Stadtrats – unterschrieben haben.

„conneKT“ kommt voran

Auf der Überholspur sind die einstigen Harvey Barracks, die 2013 an die Blumquadrat GmbH verkauft wurden. Gut 70 der insgesamt 200 Hektar entwickelte das Unternehmen zum Technologiepark „conneKT“. Der bekam seinen amtlichen Startschuss Anfang 2015 mit der Genehmigung des Bebauungsplans.

Gut 150 Arbeitsplätze sind hier entstanden. 500 weitere sollen in naher Zukunft noch entstehen. Die meisten dürfte das Weltunternehmen Schaeffler (Schweinfurt) stellen, das auf rund 15 Hektar Fläche ein europaweites Verteilerzentrum bauen will. 2016 sollen die Bauarbeiten beginnen, 2017 soll das Ganze in Betrieb gehen.

Noch in der Warteschleife ist der seit vielen Jahren geplante Sonderlandeplatz, den der Kitzinger Luftsportclub (LSC) betreiben will. Wann hier die erste Maschine nach Jahren des Stillstands startet, ist noch ungewiss.

Der Flüchtlingsnot gehorchend hat sich im Innopark (Ex-Larson Barracks) ein ungewöhnliches Nebeneinander entwickelt. So wächst der Gewerbepark – die 52 Hektar gingen 2010 an die Innopark GmbH – ständig: 54 Unternehmen mit gut 500 Beschäftigen sind hier tätig, ein Gründerzentrum hat hier unter anderem seinen Sitz.

Daneben hat der Strom der Flüchtlinge dem vor allem auf innovative Unternehmen spezialisierten Gewerbepark eine neue Nachbarschaft beschert. Die ehemalige US-Bibliothek (sie war auch mal Golfclub-Vereinsheim) ist inzwischen eine Notunterkunft für rund 260 Asylbewerber. Zwei weitere Bauten, ehemalige Mannschaftsunterkünfte, werden derzeit umgebaut, um im Frühjahr 2016 Platz für eine Gemeinschaftsunterkunft zu bieten – für rund 400 Flüchtlinge.

Eine (Zwischen-)Heimat für Asylbewerber ist auch der Corlette Circle an der Staatsstraße Richtung Großlangheim. Rund 150 Menschen zogen in diesem Jahr in die 26 Häuser auf dem 2,6 Hektar großen Gelände, das der Kitzinger Immobilienmakler Georg Wittmann 2011 erwarb.

Reiten, Wohnen und ein Hotel

Eine eher unauffällige, aber laut OB Siegfried Müller „prächtige“ Entwicklung nahm der Richthofen Circle. Das Reit- und Freizeitzentrum auf 10,7 Hektar ist inzwischen auch eine gute Wohnadresse geworden. Und weil die Gäste das Hotel Cavallestro so gut angenommen haben, gab's bereits eine Erweiterung. Inzwischen, so Müller, leben 38 Menschen dauerhaft auf dem Gelände an der Straße nach Großlangheim. Mitbewohner seien 45 Pferde.

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