Prichsenstadt

35-jährige Autofahrerin wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht

Am Amtsgericht Würzburg beginnt der Prozess um einen tödlichen Unfall bei Prichsenstadt (Lkr. Kitzingen) im Herbst 2018. Die Frage: Saß die Angeklagte am Steuer? Und wurde sie bedroht?
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Der Prozess um einen tragischen Unfall mit zwei Toten und zwei Schwerverletzten bei Prichsenstadt (Lkr. Kitzingen) im Oktober 2018 beginnt: Am Amtsgericht Würzburg ist eine 35-Jährige angeklagt. Foto: Bertold Diem
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15 Monate nach einem tragischen Unfall mit zwei Toten und zwei Schwerverletzten bei Prichsenstadt im Landkreis Kitzingen muss eine 35-jährige Autofahrerin auf die Anklagebank. Das Amtsgericht Würzburg geht ab diesem Mittwoch – wie zuletzt nach ähnlich folgenschweren Unfällen in Untereisenheim und Hettstadt – dem Vorwurf der fahrlässigen Tötung nach.

Am 21. Oktober 2018  war der VW Beetle der Angeklagten nachts auf einer abgelegenen Kreisstraße bei Prichsenstadt-Altenschönbach aus der Kurve getragen worden, hatte sich mehrfach überschlagen und war im Acker liegen geblieben. Zwei der vier Insassen wurden dabei so schwer verletzt, dass sie starben.

Die Angeklagte gibt laut Staatsanwaltschaft Würzburg an, keine Erinnerung daran zu haben, gefahren zu sein.  "Allerdings sind die Ergebnisse der Ermittlungen eindeutig", machen Tobias Knahn, der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft, und Oberstaatsanwalt Boris Raufeisen vor Prozessbeginn deutlich.

Die Frau sei von den Helfern am Unfallort barfuß angetroffen worden, alle anderen Insassen des Wagens hätten zum Unfallzeitpunkt Schuhe getragen. Im Fußraum auf der Fahrerseite, so die Staatsanwälte, seien Schuhe gelegen, die der 35-Jährigen zuzuordnen waren. Überdies seien bei einem Gutachten Fasern ihrer Kleidung am Gurt am Fahrersitz gefunden worden. Zur Unfallzeit, bestätigt Raufeisen, habe die Angeklagte 0,83 Promille Alkohol im Blut gehabt.

Aus der Kurve getragen

An jenem Abend des 21. Oktober 2018 war der VW-Beetle mit vier Personen auf der Kreisstraße zwischen Schönaich und Altenschönbach unterwegs. Wie die Polizei später schrieb, war der Wagen gegen 21.45 Uhr in einer langgezogenen Linkskurve nach rechts von der Fahrbahn abgekommen, in einen  Entwässerungsgraben geraten und erst nach  mehr als 100 Metern im Gebüschgruppe auf dem Dach zum Liegen gekommen.

Während ihre Mitinsassen reglos im Fahrzeugwrack lagen, hatte die 35-Jährige Hilfe rufen können. Allerdings irrten die Helfer der Feuerwehr zunächst suchend durch die Umgebung, weil sie falsche Angaben zum Unfallort bekommen hatten: Der  Integrierten Rettungsleitstelle Schweinfurt war bei dem Notruf ein Unfallort zwischen Oberschwarzach und Siegendorf angegeben worden.

Für zwei Menschen kam jede Hilfe zu spät

Für eine 25-jährige Frau auf dem Beifahrersitz und einen 35-jährigen Mann hinter ihr kam jede Hilfe zu spät. Sie erlagen ihren schweren Verletzungen noch an der Unfallstelle. Die Angeklagte und ein 31-jähriger Mitinsasse, der auf der Rückbank gesessen hatte, wurden von Notärzten und Sanitätern versorgt und mit lebensgefährlichen Verletzungen in eine Klinik gebracht. Zum Transport des Schwerverletzten war der nachtflugtaugliche Rettungshubschrauber „Christoph Nürnberg“ an der Unfallstelle gelandet.

Knapp ein Jahr nach dem Unfall war die 35-Jährige zufällig Zeugin bei einem anderen Unfall bei Gerolzhofen. Dabei soll sie Rettern der Feuerwehr von sich aus erzählt haben: Sie habe seit ihrem eigenen Unfall harte Monate gehabt und sei sogar bedroht worden. Von wem, blieb offen.

Der Prozess beginnt am Mittwoch um 9.30 Uhr am Amtsgericht Würzburg.

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